Barleben l Dabei liegen die fußballerischen Wurzeln des 20-Jährigen ganz woanders.

Die Fallzahlen der Corona-Pandemie gehen in Deutschland zurück, dennoch ruht der Sportbetrieb weiterhin. Ein Ende ist nach mittlerweile dreieinhalb Monaten nicht absehbar. Dementsprechend setzt auch beim FSV Barleben nicht nur der Spielbetrieb in der Verbandsliga aus, sondern auf dem Trainingsplatz herrscht gähnende Leere und Stille.

Spieler halten sich online fit

„Wir haben ein wöchentliches Online-Training, welches die Stimmung hochhält. Dadurch ist das Verhältnis innerhalb der Mannschaft nach wie vor gut, obwohl wir uns natürlich alle darauf freuen, hoffentlich bald wieder gemeinsam auf dem Platz trainieren zu können“, sagt Toni Wasylyk. Der 20-Jährige gehört seit der Sommerpause im Jahr 2019 zum Kader und konnte coronabedingt noch nicht über eine gesamte Saison seine Leistung für den Verein unter Beweis stellen.

Digital statt Präsenz

„Im Moment bin ich überwiegend in meiner Wohnung in Magdeburg, nehme von dort auch an den Online-Veranstaltungen meines Studiums teil.“ Langeweile kommt dabei aber nicht auf. „Für gute Abwechslung sorgen zwischendurch ein paar Darts-Duelle mit meinem Mitbewohner.“ Damit ist auch eines geklärt: Wasylyk geht es gut, was gegenwärtig das Wichtigste ist. Eine so lange Pause vom Mannschaftssport ist aber auch für ihn neu. „Als Fußballer gibt es eigentlich nur in der Sommer- und Winterpause für ein paar Wochen kein Training mit dem Team. Dieser Rhythmus gefällt mir eigentlich auch besser“, sagt der 20 Jahre junge Kicker.

Stattdessen heißt es seit Ende Oktober, wie schon einmal im Frühjahr 2020, sich individuell fit zu halten. Für die Verbandsliga-Kicker des FSV Barleben gibt es dazu seitens des Trainers auch keinen Trainingsplan. „Ich halte mich zusätzlich zu dem Online-Training mit Kraft-, Stabilitäts- und Laufeinheiten fit“, erläutert Wasylyk, der als Kind eher spontan zum Fußball-Sport gekommen ist: „Das wurde eher von meinen Eltern in die Wege geleitet. Diese entschieden nämlich mit den Eltern gleichaltriger Freunde, uns Jungs einfach mal auf dem Platz spielen zu lassen. Kurz vor meiner Einschulung hatten meine Freunde und ich dann zusammen das erste Mal die Fußballschuhe geschnürt. So fing das ganze eigentlich an.“ Dabei lag das doch gar nicht so fern, schließlich ist Toni Wasylyk ein Junge vom Dorf. Genauer gesagt aus Altenweddingen. „Die meiste Zeit als Kinder haben wir auf dem Bolzplatz verbracht. Das war ein guter Treffpunkt. Meine Freunde und ich hatten hier eine Menge Spaß, wenn man jetzt mal so zurückblickt.“

Die ersten Schritte im Verein hat er demnach auch beim SV 1889 Altenweddingen unternommen. „Als Kids-Kicker wurde ich damals trainiert von Ingo Motsch“, erinnert sich Wasylyk zurück. „Einen anderen Vereinssport neben dem Fußball gab es für mich aber nicht.“ Gut kann er sich auch noch daran erinnern, was ihn sportlich in der Kindheit geprägt hat: „Das war die Zeit in der Fußballschule von Jürgen Pommerenke. Dort haben wir das Fußball-ABC gelernt und Jürgen hat somit einmal mehr die Begeisterung für das Kicken in mir geweckt.“

Bis zu den D-Junioren war Toni Wasylyk dann beim Osterweddinger SV aktiv, bevor er im Jugendalter nach Schönebeck wechselte. Dort war er zunächst beim Sportclub aktiv, ehe dieser im Sommer 2016 zusammen mit dem Schönebecker Sportverein zu Union Schönebeck verschmolzen ist. „Hier blicke ich auf eine erfolgreiche Zeit im Jugendbereich zurück“, berichtet der 20-Jährige. „In der Saison 2017/2018 verfolgten wir in der A-Jugend das Ziel, die eingleisige Verbandsliga zu erreichen, weshalb wir dort viel investieren mussten. Das hatte für mich als Kapitän Priorität. Um eine Doppelbelastung zu vermeiden, blieb es folglich nur bei wenigen Einsätzen im Herrenbereich.“ So kam er zwar schon bei Union Schönebeck zu etwas Spielzeit in der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalts, der Verbandsliga, doch eben nicht darüber hinaus.

Schönebeck und Preussen ohne Einigung

Den endgültigen Sprung in den Herrenbereich wollte Wasylyk schließlich beim MSC Preussen Magdeburg nehmen. Dorthin zog es ihn in der Winterpause der Saison 2018/2019, als er gerade 18 Jahre alt war. „Ich bin meinem Jugendtrainer Michael Böhm gefolgt, der dort die Landesliga-Herren übernommen hat.“ Aus seinem Vorhaben wurde dann aber nichts. Wie die Statistik zeigt, kam der gebürtige Magdeburger zu keinem Einsatz für die Mannschaft aus der Landeshauptstadt. „Union Schönebeck und MSC Preussen konnten sich nicht auf die Ausbildungsentschädigung einigen, weshalb ich keine Spielberechtigung erhielt und nur in Testspielen und im Training Erfahrung sammeln konnte.“

Da in der Folge mehrere Vereine Interesse an dem jungen Talent zeigten, entschloss er sich zu einem erneuten Vereinswechsel. „Nach dem halben Jahr kam ich dann mit anderen Vereinen ins Gespräch, orientierte mich nochmal neu und schloss mich zur neuen Saison dem FSV Barleben an“, berichtet Wasylyk über seine kurze Verweildauer beim MSC Preussen und dem Wechsel zurück in die Verbandsliga. „In Barleben konnte ich schnell Fuß fassen, fühle mich in der Mannschaft, aber auch in der Spielklasse, sehr wohl. Die Mischung aus erfahrenen, aber auch jungen Spielern in der Mannschaft ist ideal. Ich denke, dort kann ich mich gut weiterentwickeln.“

Beim FSV ist der 20-Jährige nun in seiner zweiten Spielzeit, wobei die erste coronabedingt nicht beendet wurde und die aktuelle Serie nach nur wenigen Partien ebenso schon wieder unterbrochen ist. Ob es tatsächlich einen Unterschied zwischen Landes- und Verbandsliga gibt, fällt Wasylyk schwer zu sagen. „Auch in der Landesliga sind Mannschaften, die das Potential haben, in der Verbandsliga zu spielen. Aus meiner Sicht empfinde ich die Leistungsanforderung in der Verbandsliga auf einem hohen Niveau, was ich mir für meine sportliche Entwicklung vorstelle.“

Zu Beginn seiner Zeit in Barleben zog sich Toni Wasylyk eine Bänderverletzung in der Sommer-Vorbereitung zu, was den Einstieg zunächst etwas schwieriger gestaltete. „So habe ich die ersten Partien der Saison leider verpasst“, sagt er. „Ich war daher froh, nach meiner Genesung bis zum Saisonabbruch regelmäßig gespielt und auch mein erstes Tor im Herrenbereich erzielt zu haben.“ Als zentraler Mittelfeldspieler nicht unbedingt die schlechteste Referenz. „Meine Lieblingspositionen sind Sechs, Acht oder Zehn. Hier kann ich sowohl offensiv, als auch defensiv das Spiel mitgestalten“, betont Wasylyk, der sich aber in den Dienst der Mannschaft stellt und auch auf anderen Positionen auflaufen würde. „Im Tor oder in der Innenverteidigung bin ich ehrlicherweise jedoch nicht der Richtige.“

Stammspieler in der Mannschaft werden

Für diese Spielzeit beschreibt der 20-Jährige sein Ziel so: „Grundsätzlich möchte ich der Mannschaft helfen, damit wir gemeinsam unsere Ziele erreichen. Nach wie vor ist es mein persönliches Ziel, regelmäßig zu spielen, mich als Stammspieler zu etablieren und fußballerisch weiterhin dazu zu lernen.“ Wie viel daraus letztlich noch wird, hängt von der Politik und dem weiteren Verlauf der Saison ab. Dazu weiß Wasylyk aber, dass seine Mannschaft auf den Punkt da ist, wenn sie gefordert wird: „Wenn es drauf ankommt, sind alle fokussiert und jeder, vom Betreuer bis zum Spieler, ist gewillt sein Bestes zu geben. Neben dem Platz kann man jedoch auch eine Menge Spaß haben. Diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und Zusammenhalt im Team gefällt mir.“

Abseits des grünen Rasens – aktuell eben von zu Hause – studiert Toni Wasylyk im fünften Semester Medizintechnik an der Universität Magdeburg. „In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meiner Freundin oder mit Freunden.“ Aus dem Aufwand, der für einen Verbandsliga-Kicker doch etwas höher ist als bei einem Freizeit-Fußballer in der Kreisliga, ist dem 20-Jährigen bisher kein Problem entstanden. „Bisher habe ich immer alles unter einen Hut bekommen. Neben dem Studium ist Fußball der perfekte Ausgleich für mich und da in meiner Familie und in meinem Freundeskreis der Sport generell einen wichtigen Platz einnimmt, lässt sich alles gut vereinen.“