Haldensleben l Interessant ist, was aus den Champions geworden ist. Landesmeister von Sachsen-Anhalt können sich aber nicht nur die Vereine nennen, die diesen Wettbewerb nach der Wende 1989 und der damit verbundenen Rückbesinnung auf die Länder gewonnen haben.

Landesmeister sind auch vier Vereine, die sich den Titel von 1948 bis 1952 in vier Spielzeiten erspielten. Somit wurde der Titel eigentlich bereits 33 Mal vergeben.

23 Vereine holen die Meisterschaft

Rechnet man die Meistertitel bis 1952, welche damals an Freiimfelde Halle (1948/49, heute Empor Halle), Eisenhüttenwerk Thale (1949/50, heute Stahl Thale), Krupp Magdeburg (1950/51, heute MSV 90 Preussen) und Chemie Wolfen (1951/52/ bis 2012 FC Grün-Weiß Wolfen) gingen, konnten 23 unterschiedliche Vereine diesen Titel erringen.

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Bemerkenswert, dass Premierenmeister Freiimfelde Halle es anschließend zu weiteren Meistertiteln brachte. Als ZSG Union Halle wurde man wenige Wochen später erster Ostzonenmeister, als BSG Turbine 1952 DDR-Meister.

Unter den 23 Vereinen gibt es einige, die mehrere Umbenennungen hinter sich haben. Es gibt aber auch Clubs, die man heute vergeblich im deutschen Vereinsregister sucht. Sie wurden nach nicht erfolgreich verlaufenen Insolvenzverfahren aus selbigem gestrichen oder gingen durch Fusionen in anderen Vereinen auf.

HFC und Merseburg gewinnen dreimal

Letzteres trifft dabei auf einen der beiden Rekordsieger zu. Neben dem Halleschen FC, der diesen Titel zweimal durch seine erste sowie einmal durch seine zweite Mannschaft gewann, holte sich auch der SV Merseburg 99 diese Meisterschaft dreimal.

Die 99er schlossen sich aber am 1. Juli des vergangenen Jahres mit dem VfB IMO Merseburg zum 1. FC Merseburg zusammen.

Mit dem 1. FC Aschersleben, dem VfL Halle 96, dem FC Anhalt Dessau, dem SV Dessau 05, dem FC Grün-Weiß Wolfen und dem BSV Ammendorf aus Halle gibt es aktuell sechs Vereine, die auf einen zweifachen Gewinn der Meisterschaft zurückblicken können.

Absturz des Ascherslebener Fußballs

Von diesen sechs Doppelsiegern stehen aber nur noch drei Vereine im Spielbetrieb. Zunächst musste der 1. FC Aschersleben die Segel streichen. Der Verein wurde 1951 als BSG Stahl gegründet, benannte sich aber bereits 1952 nach einem Trägerbetriebswechsel in BSG Motor um.

Sportlicher Höhepunkt war der Aufstieg in die II. DDR-Liga 1960, in der man bis zu deren Auflösung drei Spielzeiten später verblieb. Danach pendelte Motor bis zur Wende zwischen Bezirksliga und Bezirksklasse.

Nach der Wende benannte sich der Verein zunächst 1990 in Arminia Aschersleben um, fusionierte 1993 mit Lok Aschersleben zum 1. FC. Höhepunkte waren 1994 und 1998 jeweils der Gewinn der Landesmeisterschaft und der Oberliga-Aufstieg.

Doch stieg der Verein in beiden Fällen gleich wieder ab, blieb nach dem zweiten Abstieg bis 2001 in der Verbandsliga. Danach gipfelte der weitere Absturz des einst hochgefeierten Clubs 2011 in der Liquidation.

Ein ähnliches Schicksal ereilte auch Anhalt Dessau und Grün-Weiß Wolfen. Der FC Anhalt, Nachfolger des langjährigen DDR-Ligisten ASG Vorwärts Dessau, spielte nach der Wende lange Zeit in der Oberliga, konnte sich nach Abstiegen 1999 und 2001 mit dem Gewinn der Landesmeisterschaften wieder nach oben spielen. Nach dem Abstieg 2002 ging es weiter bergab, was letztlich im Dezember 2003 in die Insolvenz und später zur Auflösung des Vereins führte.

Insolvenz-Schicksale in der Verbandsliga

In Wolfen firmierte der Verein von 1948 bis 1990 als BSG Chemie Agfa beziehungsweise BSG Chemie, kickte jahrelang in der DDR-Liga, belegt dort immerhin Rang 19 in der ewigen Tabelle. Nach der Wende hieß der Verein zunächst SG Chemie und seit 1994 durch die Verselbständigung der Fußballer FC Grün-Weiß.

Mit dem Einstieg von Q-Cells als Hauptsponsor zur Saison 2007/08 wollte man auch in Wolfen hoch hinaus. Rund um das Schmuckkästchen Jahnstadion entstanden sehr gute Trainingsmöglichkeiten. Doch der Einstieg des Sponsors war auch der Anfang vom Ende des Vereins. Bereits im November 2011 stellte der Verein den Antrag auf Insolvenz, wurde später gar aufgelöst.

Völpke, HSC und FSV holen Titel in den Kreis

Ein Blick auf die Meister verdeutlicht auch das Kräfteverhältnis innerhalb des Bundeslandes im Amateurbereich. Nur neunmal konnte sich eine Mannschaft aus dem ehemaligen Bezirk Magdeburg den Titel sichern. Alle neun Vereine existieren aber heute noch, wenn sie auch in recht unterschiedlichen Spielklassen kicken. Germania Halberstadt ist Regionalligist, Lok Stendal spielt in der Oberliga Nord. Fortuna Magdeburg, der FC Einheit Wernigerode, der Haldensleber SC und der FSV Barleben gehören der Verbandsliga, der höchsten Spielklasse des Landes, an. Zwei Spielklassen tiefer, in der Landesklasse, ist die neue zweite Mannschaft des 1. FC Magdeburg zu Hause.

Etwas tiefer gefallen sind dagegen nur der TSV Völpke und der MSV 90 Preussen. Preussen-Vorgänger Krupp Magdeburg gewann 1950/51 den Titel und wagt heute als Spielgemeinschaft mit dem FC Zukunft nach diversen Querelen innerhalb der Abteilung und der Abspaltung vieler Fußballer hin zum MSC Preussen einen Neuanfang in der Stadtoberliga.

Tief in die Niederungen des kreislichen Fußballs ist dagegen der TSV Völpke nach dem Rückzug seines Hauptsponsors gefallen. Der einstige Landesmeister, Landespokalsieger und stolze DFB-Pokalgegner des FC Bayern München spielt heute in der 2. Börde-Kreisklasse.