Magdeburg l Irgendwann weitermachen oder abbrechen? Matthias Becker macht sich derzeit viele Gedanken und spielt sämtliche Szenarien im Kopf durch.

Dass nicht alle davon auch Serienreife besitzen, verhehlt Becker nicht: „Ich würde spekulieren und sagen, ab 22. April kann es weitergehen. Aber ich werde mich schwer hüten. Wir verschließen die Augen ja nicht vor der Realität. Deswegen müssen wir uns auch der Diskussion über die Einstellung des Spielbetriebes stellen, denn in näherer Zukunft ist es wohl aussichtslos“, erklärt der Spielausschuss-Vorsitzende des HVSA.

HVSA-Funktionäre im engen Austausch

Derzeit ist der Spielbetrieb in allen Ligen bis einschließlich 19. April ausgesetzt. Was danach kommt? Niemand kann dies derzeit seriös beantworten. Alle Gremien sind derzeit permanent „untereinander in Kontakt“, berichtet Becker, räumt allerdings auch ein, dass die entsprechenden Stellen nur Vorschläge zuarbeiten können. Die Entscheidung müsse auf der Geschäftsstelle des HVSA, beziehungsweise im Präsidium fallen.

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Dort sei das Thema natürlich auch allgegenwärtig, bestätigt HVSA-Geschäftsführer Denis Engel. Er beschreibt auch, wie vielfältig die bestehende Problematik ist und das der Verband nicht auf eigene Faust Entscheidungen treffen will. „Prinzipiell schauen wir, was die anderen Bundesländer machen. Wir wollen Alleingänge vermeiden, damit im Nachgang einer Entscheidung nicht die berechtigten Fragen kommen, warum wir es in Sachsen-Anhalt so machen und beispielsweise in Niedersachsen andere Regelungen gelten“, sagt Engel. Neben Regelungen zu Auf- und Abstiegen, die nun getroffen werden müssen, ist auch die Hallennutzung ein Problem.

Langenweddinger Halle bis Ende April gesperrt

Selbst wenn die Entscheidung darauf fiele, irgendwann weiterzuspielen, müssten auch die Kommunen die Weichen dafür stellen. „Die meisten Vereine sind nicht Eigentümer der Hallen, sondern nutzen Schulsporthallen. Wenn diese nicht nutzbar sind, kann man natürlich nicht spielen“, stellt der Geschäftsführer fest. Das betrifft zum Beispiel die Halle des SV Langenweddingen. Vereins-Chefin Nadine Hentrich berichtet vom Schreiben des Bürgermeisters, Jörg Methner. In diesem wird angeordnet, „das Vereinsgeschehen, explizit Mitgliederversammlungen, Sport- und Kulturveranstaltungen, Trainingstage, das regelmäßige Training und ähnliche Zusammenkünfte vorerst bis zum 30.04.2020 einzustellen.“ Auch deswegen hat sich der HVSA eine klare Marschroute auferlegt: „Wir warten auf einen Vorschlag des DHB (Deutscher Handballbund, Anm. d. Red.)“, so Engel.

Daneben hoffen die Verantwortlichen – wie wohl alle Menschen weltweit – darauf, dass die Corona-Fallzahlen sinken. Doch bis das passiert, ist erstmal viel Gehirnschmalz vonnöten, der in die unterschiedlichsten Gedankenspiele fließt. Verschiedene Szenarien zur Spielfortsetzung werden durchdacht, aber sie alle sind bislang nur graue Theorie. Denn niemand weiß, wie sich die Lage weiter entwickelt. Verbindlich ist für den HVSA deshalb im Moment nur eins: die Planung für die neue Saison.

Der Geschäftsführer erklärt: „Wir müssen die reguläre Saison vorbereiten. Wenn man sich am Beispiel China orientiert, wo man uns sechs bis acht Wochen voraus ist, könnte zumindest die neue Saison nach aktuellem Stand regulär starten. Ob man das dann eventuell statt Anfang September erst im Oktober macht, müsste man dann diskutieren.“ Parallel dazu denkt man beim HVSA darüber nach, den Meldetermin zur Spielzeit 2020/2021 für die Mannschaften nach hinten zu verschieben. Bis auf Weiteres gilt aber der ursprüngliche Termin.

Abbruch lange wie möglich hinauszögern

Vielen Stimmen, die sich dafür aussprechen, die laufende Spielzeit sofort zu beenden, erteilt Engel indes (noch) eine klare Absage: „Wir wollen einen Abbruch solange wie möglich hinauszögern.“ Eine plausible Begründung für diese Vorgehensweise liefert der HVSA-Geschäftsführer gleich mit: „Ziehen wir zu früh den Stecker, rauben wir uns alle Optionen auf eine Fortsetzung der Saison.“

Dennoch zeigt der Verband auch Verständnis für die Fürsprecher einer sofortigen Absage. „Viele sitzen derzeit zuhause, haben viel Zeit, sich Gedanken zu machen und wollen natürlich schnellstmöglich eine Entscheidung haben. Das verstehe ich. Aber ich denke auch, dass uns im Moment nichts zu einer schnellen Entscheidung hetzt“, findet Engel.

Immerhin hat der HVSA durch seine Spielordnung eine gewisse Flexibilität in Sachen Auf- und Abstiegsregelung. Diese könnte auch bei einem Abbruch für Klarheit sorgen. Paragraf 52 der DHB-Spielordnung ermöglicht bei höherer Gewalt nämlich eine Entscheidung der spielleitenden Stelle, wenn Auf- oder Absteiger nicht sportlich ermittelt werden können.

Wirtschaftliche Folgen

Und eine weitere Frage stellt sich: Wie geht es nach Corona für die Vereine weiter? Selbst ohne den Faktor der Pandemie gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Vereine, die aufgrund wirtschaftlicher Probleme von der Bildfläche verschwanden. Prominente Beispiele finden sich mit dem SV Concordia Staßfurt und der SG Eintracht Glinde in der jüngeren Handball-Historie.

Ähnliche Szenarien könnten nun auch die Corona-Auswirkungen befeuern. „Das ist abhängig davon, wie es wirtschaftlich nach der Krise weitergeht. Läuft alles wieder gut an, können Sponsoren sicher auch weiter unterstützen. Ich sehe das Problem aber in allen Ligen. Selbst in der Bezirksliga haben die Vereine Kosten durch den Spielbetrieb, die über Zuschauereinnahmen finanziert werden müssen. Das ist aber ein Problem, was jetzt nicht an erster Stelle steht“, so Engel.

Dazu fügt der Geschäftsführer an: „Ich will nicht hoffen, dass es aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Vereinssterben kommt. Dennoch sind auch wir als Verband gefragt, für solche Fälle Lösungsansätze zu erarbeiten. In der Politik wird ja auch über Unterstützung für kleinere Unternehmen beraten.“ In allererster Linie wünscht man sich auch beim HVSA aber, dass alle gesund bleiben und bald absehbar ist, wann wieder Handball gespielt werden kann.