Wir schreiben das Jahr 1995. Es ist jenes Jahr, in dem Fußball-Regionalligist Lok Altmark Stendal das Viertelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs erreicht. 1995 aber schrieb eine weitere altmärkische Fußballmannschaft Geschichte, die Männer von Saxonia Tangermünde.

Tangermünde l Die Saxonen waren zu jener Zeit bereits einige Jahre in der höchsten Spielklasse unseres Bundeslandes, der Verbandsliga, vertreten. Die Saison 1994/95 gingen sie unter Trainer Jürgen Dobberkau praktisch mit dem gleichen Kader wie zuvor an. Mit Rico Matschkus (davor Möringer SV) und Sven Stolze (eigener Nachwuchs) gab es lediglich zwei Neuzugänge, dagegen keinen Spieler-Abgang.

Neben der offiziellen Zielstellung (einstelliger Tabellenplatz) gab es vor der neuen Saison einen weiteren Trainer-Auftrag für das Team: "Die Flut der Roten Karten muss eingedämmt werden."

Tatsächlich leisteten sich die Saxonen in den Vorserien zu viel Rot, meist wegen Meckerns. Am Ende der neuen Saison aber stand mit Toni Horn lediglich ein Tangermünder in der Kreide. Er hatte wegen wiederholten Foulspiels Gelb/Rot bekommen.

Nach fünf Spieltagen stand Saxonia bei 1:9 Punkten

Das aber war zunächst nicht das Thema bei Saxonia und den Fans. Die Mannschaft schwächelte nämlich zu Saisonbeginn mächtig, lag nach fünf Saisonspielen mit 1:9 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz.

Es war Zeit, zu überlegen und an gewissen Stellschrauben zu drehen. Eine Lösungsmöglichkeit war, dass Vollblutstürmer Frank Lange Verantwortung in der Abwehr übernahm. Die andere bestand darin, dass Trainer Jürgen Dobberkau (damals 39) als Spielertrainer fungierte.

Und diese Strategie ging auf. Unter anderem legten die Tangermünder in der Folge eine Serie von 13 ungeschlagenen Spielen hin und arbeiteten sich im Verbandsliga-Klassement Stück für Stück nach oben.

Am Ende wurde die Mannschaft mit 31:19 Punkten Vizemeister von Sachsen-Anhalt. Das ist in der neueren Fußballgeschichte die, nach Lok Stendal, bislang beste Platzierung für ein altmärkisches Männerteam und erfüllt die zumeist bodenständigen Tangermünder heute noch mit großem Stolz.

Besonders auch Angreifer Sven Suckow, denn er wurde in besagter Serie 1994/95 mit insgesamt 18 Treffern auch noch Torschützenkönig vor Kühne (VfL Halle, 16). Die Hallenser gewannen zweimal 1:0 gegen Saxonia und holten sich mit 45:5 Punkten souverän den Landesmeistertitel. Lok II wurde 11., Absteiger war der FSV Hettstedt. Bei der Meisterfeier 1995 gratulierte übrigens Landrat Gerhard Miesterfeldt vor Ort auf dem Grundstück von Trainer Dobberkau.

Genau dort fand am vergangenen Sonnabend die Erinnerungsfeier statt. Die war natürlich vom Schwelgen in Erinnerungen geprägt, aber auch von einem sehr heftigen Regenguss. Der "harte Kern" hatte sich besonders viel zu erzählen. Es verließ erst am Sonntag gegen 3 Uhr die Feier zu Ehren eines Super-Erlebnisses für den Tangermünder Fußball.

 

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