Wird über den Magdeburger Handball gesprochen, ist zumeist vom SCM die Rede. Doch den ersten großen Erfolg in der Halle feierte ein anderer Verein der Elbestadt. Am 3. März 1963, morgen vor 50 Jahren, wurde Lok Südost DDR-Handballmeister.

Magdeburg l In der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle, dem traditionellen Austragungsort der Endspiele zwischen den Tabellenersten der Staffeln I und II, setzten sich die Magdeburger mit 11:10 gegen den SC DHfK Leipzig durch. Wolfgang Fürstenau erzielte das umjubelte Siegtor, 700 Fans waren mit einem Sonderzug aus Magdeburg angereist.

"Wir hätten dreimal soviel Karten für den Zug verkaufen können", erinnert sich Jürgen Brand, seit 1960 Sektionsleiter der Südoster. Die standen bereits im Jahr zuvor gegen den favorisierten SC DHfK im Finale, verloren da mit 12:14.

Ein Jahr später dann der große Triumph der Südoster. Dabei profitierten sie sicherlich auch davon, dass auf Seiten der Leipziger mit Paul Tiedemann ein ganz wichtiger Mann verletzt fehlte. Andererseits spielte nun ein Ex-Leipziger im Team der BSG Lok Südost: Klaus Miesner. Der späterer Meistertrainer des SCM hatte gerade seine Lehrerstelle an der Magdeburger Kinder- und Jugendsportschule angetreten.

Die Südoster Handballer waren eine verschworene Truppe. 1953 und 1954 wurden sie A-Jugend-Meister der DDR, mit Klaus Miesner, der später zum Studium nach Leipzig wechselte und mit dem SC DHfK viermal Meister wurde. Doch eigentlich waren die Südoster, die fast alle im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) tätig waren, auf dem Großfeld zuhause. Auf dem Platz am Tonschacht, den sie in den 1950er Jahren selber erbauten, spielten sie sonntags vor bis zu 10000 Zuschauern gegen den ASK Vorwärts und Dynamo Berlin, aber auch Motor Krauschwitz.

Nach dem Sieg im Finale 1963, für das sich das Team von Trainer Heinz Brückner als Staffelsieger vor dem SC Empor Rostock und dem SC Aufbau Magdeburg qualifizierte, wurde die BSG Lok Südost nicht für den Europapokal gemeldet.

"Als Dank für den Meisterschaftsgewinn fuhren wir mit einem Sonderzug der Deutschen Reichsbahn, wie waren ja alles Eisenbahner, für zwei Wochen nach Rumänien. Das war eine Fünf-Sterne- Wettkampfreise mit eigenem Schlaf- und Speisewagen", erinnert sich Jürgen Brand, der später auch den sportlichen Abstieg der Südoster hautnah miterlebte.

Nur drei Jahre später stieg Lok Südost in die DDR-Liga ab, stürzte zwischenzeitlich sogar bis in die Bezirksliga ab. Zweimal schafften es die Südoster später als SG Lok/Motor Südost und mit zahlreichen früheren SCM-Akteuren für jeweils eine Saison zurück in die DDR-Oberliga: 1977 und 1988.

Morgen wollen sich einige der noch lebenden Meisterspieler von 1963 am Rande des Bundesligaspiels SCM gegen THW Kiel in der GETEC-Arena treffen und an die alten Erfolge erinnern. Nach dem Meisterschaftstriumph wurde seinerzeit im nicht mehr existierenden Klubhaus der Eisenbahner die Nacht zum Tag gemacht ...