So trostlos das Männerteam des 1. FC Magdeburg sich derzeit auch präsentiert, die Arbeit des Nachwuchsleistungszentrums scheint erste Früchte zu tragen.

Cracau l An nackten Tabellenständen möchte das der Nachwuchsleiter des 1. FC Magdeburg, Carsten Müller, zugleich Co-Trainer von Chefcoach Ronny Thielemann, gar nicht festmachen, ist doch keines der drei Leistungsteams derzeit erstklassig, dümpeln die A-Junioren als Neunter im Tabellenmittelfeld der NOFV-Regionalliga, sind die C-Junioren derzeit Sechster der Mitteldeutschen Talenteliga. Einzig die B-Junioren klopfen in der Regionalliga ganz oben an, überwintern als Zweiter hinter Hansa Rostock, nachdem das Spitzenspiel bei den Ostseestädtern am 11. Dezember wegen Schneefalls abgesagt wurde.

Doch mehr als Punkte und Tabellenplätze interessiert Müller, neben Detlef Ullrich derzeit der einzige ausgebildete Fußball-Lehrer im Verein, die individuelle Ausbildung. "Das Ziel unserer Nachwuchsarbeit ist es, die talentiertesten Spieler an die erste Mannschaft hereinzuführen und für die DFB-Auswahlmannschaften zu empfehlen", so der 40-Jährige.

Da lautet die aktuelle Zauberformel derzeit 2 mal 3. Mit Phi-lipp Blume, Nils Butzen und Fabio Viteritti zählen aktuell drei A-Junioren zum erweiterten Kader der ersten Mannschaft. Die U-15-Spieler Patrick Baudis, Enis Bytyqi und Andy Weinreich erhielten dagegen von DFB-Jahrgangscoach Frank Engel (60) Anfang Dezember eine Einladung zum Lehrgang an der Sportschule Kaiserau.

"Die drei gehören damit zum erweiterten Kader des DFB. Das zeigt, unsere Trainer leisten eine gute Arbeit", so Müller, der aber auch weiß, wo Licht ist, ist auch Schatten. "Traurig stimmt mich, dass wir mit Niklas Kagelmann und Max Kretzschmer zwei unserer besten Talente des Geburtsjahrgangs 1996 nicht halten konnten, sie nach Cottbus bzw. Rostock wechselten", erklärt Müller, der darüber hinaus den Abstieg der A-Junioren aus der Bundesliga und deren derzeitige Platzierung nicht schönreden will: "Wir wussten im Vorjahr, dass es eine schwere Saison werden würde, im Endeffekt konnte die Klasse nicht gehalten werden. Mit der aktuellen U 19 können wir nicht zufrieden sein. Es fehlt an Durchschlagskraft. In entscheidenden Situationen führten krasse individuelle Fehler zu Gegentoren. Viteritti hätte mit seinem Offensivdrang sicherlich gut getan, steht aber im Kader der ersten Mannschaft. Das Thema Wiederaufstieg stellt sich für uns aufgrund der Tabellensituation derzeit nicht."

FCM ist immer noch eine gute Nachwuchsadresse

Dass Magdeburg aber trotz des Abstiegs eine gute Adresse für A-Junioren ist, zeigt der Umstand, dass im Sommer fünf Akteure aus anderen Bundesländern an die Elbe kamen. Mit Pierre Schilling (17/zuvor Viktoria Frankfurt) soll einer der Schützlinge von Trainer Martin Hoffmann im Februar bei Schalke 04 ein Probetraining absolvieren. Mit Keeper Devon van Yzerloo landete ein Kanadier bei seiner ersten Auslandsstation ausgerechnet beim 1. FCM, allerdings zog sich der 18-Jährige eine Handverletzung zu, musste operiert werden.

Im Gegenzug verließen aber neben Kagelmann und Kretzschmer noch weitere hoffnungsvolle Talente den FCM im vergangenen Sommer. "Die Abwerbung beginnt mitunter schon in der C-Jugend", weiß Nachwuchsleiter Müller und nennt Maßnahmen, dagegen vorzugehen: "Wir müssen die Individualisierung vorantreiben, mit Hilfe der Eltern und Sponsoren ein ordentliches Umfeld schaffen, und den Jungs einen Karriereplan bieten."

Dabei setzen Müller und seine Mitstreiter auch auf neue Methoden schon in den jüngeren Jahrgängen. Da gibt es regelmäßig eine Leistungsdiagnostik, beschäftigten sich speziell geschulte Sportpsychologen mit den Jungs. Müller: "Ich bin generell der Auffassung, dass wir besser gerüstet sind als in der Vergangenheit."

   

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