Angeführt von Olympiasiegern Tatjana Hüfner starten die deutschen Rodel-Asse am Wochenende im österreichischen Igls in den vorolympischen Winter. Die Harzerin hat bereits Sotschi 2014 fest im Blick und gute Erfahrungen mit Russland.

Blankenburg l Manch ein Sportler macht sich in Russland vergeblich auf die Suche nach einem Supermarkt, obwohl der Supermarkt dort tatsächlich "Supermarkt" heißt. Der feine Unterschied liegt in der Schreibweise, nur ist nicht jeder dem Lesen kyrillischer Buchstaben mächtig. Es empfiehlt sich dann, Tatjana Hüfner als Reiseleiterin an Bord zu haben wie im vergangenen Februar bei den Europameisterschaften in Paramonowo. Kein deutscher Rodler fand den Supermarkt, nur Tatjana Hüfner wusste es besser. Er stand direkt neben dem Athleten-Hotel.

Russisch beherrscht sie zur Verständigung, Englisch beherrscht sie fließend. Letzteres wird Tatjana Hüfner wieder brauchen im nächsten Februar, wenn sich der Rodel-Zirkus zur Weltmeisterschaft trifft in Whistler (Kanada), der Stätte ihres Olympiasieges von 2010.

In Paramonowo hatte die 29-Jährige indes ihren gefühlt 100. Anlauf auf den EM-Titel, der ihr in ihrer Sammlung noch fehlt, genommen. Ganz im Sinne der Statistik, weniger im Sinne der Tatjana Hüfner: "Mir ist es wichtiger, am Karriereende auf Weltmeistertitel und Olympiasiege zurückzublicken." Im Januar allerdings, da steigt die EM in Oberhof, ein Heimspiel also. "Da herrscht ganz sicher eine tolle Atmosphäre. Aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der WM. Und ich freue mich darauf, nach Whistler zurückzukehren."

Es gibt wenige Dinge, die man noch nicht über Tatjana Hüfner weiß, so sehr ist ihre Präsenz in den vergangenen Jahren gewachsen. Sie hat alles gewonnen, was ihr wichtig ist, sie hat nie dem Zufall vertraut, sie ist deshalb immer auf der Suche nach der neuen Herausforderung, sie gilt als ehrgeizig, sie mag die Arbeit mit Kindern, sie hat sich deshalb für ein entsprechendes Studium entschieden. Als sie Ende der vergangenen Woche aus dem Trainingslager in Sotschi zurückgekehrt war, kümmerte sie sich also als erstes um ihr Leben nach der Karriere. Zwei Prüfungen muss sie nach dem Saisonende nachholen, aber an einer Hausarbeit kommt sie nicht vorbei. "Die werde ich wohl über Weihnachten schreiben müssen", erklärt sie.

Weihnachten ist die einzige Ruhezeit zwischen den Wett- und Konkurrenzkämpfen. Und während die Konkurrentinnen ab dem kommenden Wochenende in Igls (Österreich) erneut Tatjana Iwanowa (Russland) oder Alex Gough (Kanada) und Natalie Geisenberger (ASV Miesheim) heißen, hat sich zudem die 20-jährige Aileen Frisch aus Altenberg angeschickt, die deutsche Spitze ein wenig aufzumischen. "In der Mannschaft tut sich etwas", freut sich Tatjana Hüfner, "und das ist gut für die Leistungsentwicklung, wenn jemand neue Akzente setzt."

Richtig viel Lust auf Leistung und Erfolg hat Hüfner zuletzt auch in Sotschi gewonnen - auf der Olympiabahn von 2014. Es ist eine Bahn, "die mich absolut reizt - sie ist nicht gefährlich, hat aber ganz unterschiedliche Passagen, technisch anspruchsvoll, eine starke Herausforderung". Und sie liegt eben in Russland, wo sie sich verständigen kann wie keine andere deutsche Athletin. "Ich denke, ich fühle mich in Russland deutlich wohler als andere", sagt sie. Auch deshalb steht heute schon fest: Tatjana Hüfner wird in jeglicher Hinsicht auf Olympia 2014 vorbereitet sein.