Magdeburg l Dem Ausfall der Regionalliga-Saison konnte Cheftrainer Harald Voelkel schon früh im Jahr etwas Positives abgewinnen. Aufgrund der Corona-Pandemie werden die American Footballer von den Magdeburg Virgin Guards nämlich kein Punktspiel bestreiten. Aber Voelkel meint: „Für uns ist das eine große Chance.“ Ein Satz, der im ersten Moment kurios klingt, den er aber natürlich begründen kann: „Während der Saison kommen wir oft nicht dazu, die Basics richtig anzugehen, weil der Terminplan das einfach nicht hergibt. In diesem Jahr sieht das aber ganz anders aus und die Jungs bekommen jede Menge Zeit, sich zu entwickeln.“

Zwei Akteure, die davon bisher profitieren, sind Quarterback Friedemann Schlicht und Defensive End Johannes Gramzow, die noch recht frisch bei den Herren sind. Anstatt in der aktuellen Situation zu lamentieren, dass die Saison der Pandemie zum Opfer gefallen ist, haben sich beide mit der Lage sehr gut arrangiert.

„Dieses Extra-Jahr wird mir guttun und in der Entwicklung ein ganzes Stück weiterhelfen“, ist sich Schlicht sicher. Der 19-Jährige zeigt sich sogar ganz froh darüber, dass er in diesem Jahr noch nicht in die großen Fußstapfen treten muss, die der abgewanderte Lennart Lüttgau auf der Spielmacher-Position hinterlassen hat. „Lennart hat die Offensive in den letzten Jahren super geführt und in- und auswendig gekannt. Ihn zu ersetzen, wird sehr schwer“, weiß Schlicht. „Darum ist es sogar ganz gut, dass ich dieses Jahr habe, um mich an den Herren-Football zu gewöhnen und die Offense richtig kennenzulernen. Ich habe zwar in der vergangenen Saison schon mit den Herren trainiert, das System hat sich aber doch ein wenig geändert“, erklärt Schlicht.

Ein Jahr der Gewöhnung

Maßgeblich liegt das daran, dass der athletische Spielmacher selbst gerne mit dem Ball läuft und das Konzept der Offensive dahingehend angepasst wurde. Vorgänger Lüttgau machte sich selten selbst auf den Weg, verteilte den Ball lieber mit seinem starken Arm.

„Mit Friedemann eröffnen sich uns neue Möglichkeiten in der Offensive, eben weil er so athletisch ist. Das wollen wir natürlich für uns nutzen“, erklärt Voelkel die Nachjustierung im Spielsystem. Was den bisherigen Eindruck bei den Herren angeht, spricht der Coach seinem Spielmacher ein Lob aus: „Er verfügt nicht nur über ein großes Talent, sondern auch über die richtige Einstellung zum Spiel. Er geht voran, so wie man es sich von einem Quarterback wünscht.“

Eine ähnliche Führungsrolle wie Schlicht in der Offensive möchte Teamkollege Gramzow in der Abwehrformation einnehmen. Aufgrund einiger Abgänge in vorderster Front wäre der Defensive End in seinem zweiten Herrenjahr neu gefordert gewesen, sich häufiger mit den großen und schweren Jungs der Offensive zu messen. „Letztes Jahr hatten wir neun Spieler auf meiner Position, da habe ich in der Rotation erste Erfahrungen sammeln können. In dieser Saison sind wir wesentlich dünner besetzt, da wollte ich mich richtig beweisen“, erklärt Gramzow.

Wieder mit Körperkontakt

Dass das durch Corona verhindert wird, nutzt der 20-Jährige nun aber, um fleißig an sich zu feilen. „Bei den Herren sind meine direkten Gegenspieler 40 bis 50 Kilo schwerer als noch in der Jugend“, erzählt er. Nur mit seiner Dynamik und Power kann der 1,90 Meter-Hüne nun also nicht mehr punkten: „Darum lege ich in dieser Zeit einen großen Wert darauf, meine Technik und mein Spielverständnis zu schulen.“

Immerhin dürfen die Virgin Guards nun seit zwei Wochen auch wieder mit Körperkontakt trainieren, so dass die Tage von Kraftzirkel und Konditionstraining vorerst gezählt sind. „Die Vorfreude, endlich mit Kontakt trainieren zu dürfen, war riesig“, so Gramzow, „vor allem weil von außen so scheinbar simple Aktionen wie das Tackling häufiges Training brauchen, um es zu perfektionieren“.

Um solche Basics zu trainieren, bleibt Schlicht, Gramzow und den Virgin Guards „dank“ Corona noch viel Zeit. Wenn es nach den Jungs und Trainer Voelkel geht, soll das Gelernte in diesem Jahr immerhin noch in einem Testspiel präsentiert werden. Ob und in welchem Rahmen das im Herbst möglich sein könnte, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht abzusehen.