Magdeburg l Wenn man im Archiv ihrer Karriere blättert, kommen doch recht eindrucksvolle Mitteilungen über Antje Skorsetz ans Tageslicht. So wurde vor einigen Jahren über sie geschrieben: „Sie ist jung, attraktiv und dynamisch.“ Oder sie hat in einem Interview mal erklärt: „Ich bin kein Typ für gute Vorsätze.“ Aber ein Typ für Ziele, das war Antje Skorsetz ganz sicher schon immer. Mit dem Aufstieg des USC Magdeburg in die 2. Basketball-Regionalliga zumindest „habe ich mein persönliches Ziel erreicht“, sagt sie, „obwohl zu Beginn der Saison nicht wirklich absehbar war, ob wir das personell schaffen“.

In ihre Freude mischt sich allerdings kurzzeitig ein kleines und tiefes Seufzen, denn wie die gesamte Mannschaft wäre Antje Skorsetz gerne als Tabellenerster der Oberliga aufgestiegen. Aber da ist den Damen das Spiel beim SV Halle Lions III (50:55) in die Quere gekommen und der vorzeitige Abbruch der Serie wegen der Corona-Krise außerdem, weshalb die Magdeburgerinnen keine Chance mehr bekamen, den zweiten Platz bis zum regulären Ende zu verlassen.

Stark aus der Distanz

Trotzdem sagt Skorsetz: „Wir haben ja drei Spiele weniger absolviert als Halle III, haben außerdem den direkten Vergleich für uns entschieden. So gesehen waren wir schon die bessere Mannschaft. Deshalb hätten wir auch gerne als Landesmeister den Aufstieg geschafft.“ Weil Spitzenreiter Halle III gar nicht aufsteigen darf, die Zweite spielt nämlich in der 2. Regionalliga, war der Weg nach oben trotzdem frei.

Und Skorsetz hat an diesem Ergebnis einen nicht unwesentlichen Anteil: Sie war mit 98 Punkten in sechs absolvierten Partien beste Werferin ihres Teams. „Den Wurf habe ich ganz gut drauf“, sagt sie lächelnd. Den Dreier vor allem. Mit 13 verwandelten Versuchen aus der Distanz gelangen ihr so viele wie keiner anderen Spielerin in der Liga. Und auch in der Statistik der Freiwürfe (15 Zähler aus 23 Versuchen) gehört sie als Shooting Guard zu den besten Damen.

Hin und wieder geträumt

Shooting Guard war sie immer, ob im Verein oder im Nationalteam der Juniorinnen. In den Jahren, in denen sie noch in ihrer Heimat für den TuS Jena und in der 2. Bundesliga Nord spielte, gehörte sie zu den wichtigen Säulen der Mannschaft. Bei der U-20-Europameisterschaft 2009 im polnischen Gdynia belegte sie mit der deutschen Mannschaft den achten Platz. Und noch mehr Karriere hatte sie nie im Sinn?

„Hin und wieder gab es auch die konkrete Überlegung, den Verein zu wechseln“, berichtet die 31-Jährige. Und einmal in der Bundesliga zu spielen. „Aber das hat mit meiner beruflichen Perspektive nie gepasst.“ Denn der 1,74 Meter große Skorsetz war auch immer klar, dass sie im Frauen-Basketball „nie das große Geld verdienen würde“. Heute ist sie Psychologin. Für den Job war sie 2013 nach Magdeburg gekommen.

Grundlagen sitzen

Um die Psychologie des Spiels wird sie sich nun in der 2. Regionalliga keine Gedanken machen. Sie nicht, die Mannschaft nicht. Die USC-Damen bilden nämlich eine sehr erfahrene Gemeinschaft, „in der einige schon höherklassig gespielt haben“, berichtet Skorsetz. Wie zum Beispiel Cindy Rössel, die spielende Trainerin, einst in Chemnitz aktiv, die im vergangenen Jahr das Team quasi aus der Taufe gehoben hatte, nachdem ihr nur noch drei Akteurinnen zur Verfügung standen.

Skorsetz gehörte dann zu den Rückkehrerinnen, die sich eine Auszeit genommen hatten, aber die eben auch dank der 29-jährigen Rössel sofort das Kribbeln in der Wurfhand spürte. „Wir bringen viel Erfahrung aufs Parkett, wir sind kein blutjunges Team mehr“, bestätigt sie. „Die Grundlagen sitzen.“ Der USC muss auch kein System einstudieren, „wir funktionieren sehr gut“. Wenn es etwas gibt, woran die Damen in Vorbereitung auf die neue Saison arbeiten könnten, sollten, müssten, dann ist es womöglich die Defense. Andererseits: „Wir haben in der Liga die wenigsten Körbe zugelassen“, weiß Skorsetz. Was die Statistik bestätigt. 30 Punkte hat der USC kassiert im Schnitt, 72 hat der USC selbst gesammelt. Beide Zahlen sind Oberliga-Spitze. Und was erwartet die Magdeburgerinnen nun in der 2. Regionalliga?

Einen Eindruck hat der USC in den Partien gegen Halle III bekommen. Denn in diesen hatten die Saalestädterinnen auch Spielerinnen aus der zweiten Vertretung eingesetzt, die Skorsetz und Co. in der neuen Saison wiedersehen werden. Sie hat in jenen Begegnungen festgestellt: „Wir können in der Klasse mithalten. Auf jeden Fall wird die Dynamik im Spiel der gravierendste Unterschied zur Oberliga sein.“ Aber Dynamik ist ja nichts, woran es Skorsetz jemals gemangelt hat. Steht so im Archiv ihrer Karriere geschrieben. Ist nach wie vor in jeder Partie zu sehen.