Magdeburg l Wir haben eine künftige Hydrobiologin gefragt, welcher Meeresbewohner am besten zum Basketballer taugen würde. Und die künftige Hydrobiologin hat gesagt: der Walhai. Warum denn dieser? Weil er zum Beispiel der größte Fisch überhaupt ist, mit 13,7 Metern wurde das bislang längste Exemplar gemessen. Und weil er besonders schwer ist mit bis zu zwölf Tonnen.

Ein Walhai ist also geradezu prädestiniert für die Center-Position, den schiebt unterm Korb keiner so schnell weg. Genauso wenig wie Alexandra Schlenker, unsere künftige Hydrobiologin, die mit schlanken 1,84 Metern die Größte in der Damen-Riege des USC Magdeburg ist. Womit wir direkt vom Ozean auf das Hallenparkett gewechselt sind. Und aus der Tiefsee nach Wolmirstedt.

44 Punkte im Aufstiegsjahr

Dort ist Alexandra Schlenker nämlich aufgewachsen. Und weil es dort in der Schule „die Sportart war, die einfach jeder gemacht hat“, sagt sie, ist sie zum Basketball gegangen und beim Basketball geblieben. Bis zur U 16 war sie Wolmirstedt eine treue Spielerin, hatte sich dort noch mit Jungs gemessen, ehe der Wechsel zum USC folgte. Dann folgte das Studium, erst in Oldenburg, dann in Dresden. Es folgte die Rückkehr nach Magdeburg im vergangenen Jahr und sogleich zum USC, „zu den Freunden und Bekannten, die ich kenne, seit ich klein bin“. Seither fährt sie täglich 18 Kilometer mit dem Fahrrad – selbst bei schlechterem Wetter. Und zwar zum Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, wo sie ihre Masterarbeit schreibt, und zurück. So weit, so Werdegang.

Die spielende Trainerin Cindy Rössel hat ihren neuen Center damals sehr gerne aufgenommen in eine zunächst äußerst schmal besetzte Truppe, die trotzdem einen Start in der Oberliga wagte. Und die mit fünf Siegen und einer Niederlage durch die Saison direkt zum Aufstieg in die 2. Regionalliga Ost schlenderte. Schlenker steuerte 44 Punkte zum Erfolg bei. „Es war für uns eine gute Saison, um uns als Team zu finden“, sagt Schlenker. Nun aber ist die Eingewöhnungsphase für alle beendet, nun arbeiten alle dem Start in die neue Serie am 4. Oktober entgegen.

Stammgast in Wolmirstedt

Und in dieser hofft Schlenker auf starke Kontrahenten, auf Mannschaften, „die mit uns auf einem Niveau spielen, gegen die wir wirklich 100-prozentig kämpfen müssen“, erklärt die 23-Jährige. Spannung, enge Duelle, dieses gewisse und besondere Kribbeln vor dem entscheidenden Wurf in der Schlussphase. Wenn aus Basketball ein Krimi wird.

Ihre Leidenschaft hat Schlenker auch in ihrer Zeit des Studiums nie verlassen. In Oldenburg spielte sie für die BTB Royal Ladies in der 2. Regionalliga. Aber vor allem in Dresden, in einem „supernetten“ Oberliga-Team, „wurde ich dazu gebracht, den Fokus wieder mehr auf den Sport zu legen und Spaß daran zu haben“, berichtet sie.

Im Feld der acht Teams

Schlenker hat derweil nie die Welt der amerikanischen Profiliga NBA für sich entdeckt. „Dafür habe ich mich nie großartig interessiert“, sagt sie. Ihr Interesse gewann dagegen die Berlinerin Satou Sabally, die drei Jahre für die Oregon Ducks spielte und die dafür sorgte, „dass der Frauen-Basketball mehr Zuspruch bekommt“, sagt Schlenker. Ansonsten richtet sie ihren Blick immer auf das regionale Geschehen, und natürlich auf Wolmirstedt und die SBB Baskets (1. Regionalliga). „Der Besuch der Heimspiele gehört zu den Pflichtterminen“, sagt sie lächelnd.

Ihr erstes Pflichtspiel in der neuen Saison bestreitet sie mit dem USC bei Türkiyemspor Berlin. Und dann möchte Schlenker keine Trainerin, also keine Cindy Rössel sein. „Ich wüsste nicht, wen ich in der Starting Five aufstelle“, verweist sie auf ein ziemlich homogenes Team. Und damit auf einen Luxus, der ihr gefällt. „Jede bei uns ist in der Lage zu punkten oder zu verteidigen. Wir können uns alle aufeinander verlassen“, erklärt Schlenker eine Stärke des USC, der bislang mit dem bewährten Kader trainiert. „Ich denke, mit Studiumbeginn könnte die eine oder andere Spielerin zu uns stoßen.“

Klassenerhalt ist das Ziel

Ob mit oder ohne neue Spielerin: Die Magdeburgerinnen wollen in der 2. Regionalliga das Feld der acht Teams erobern. Zumindest: „Wir wollen so gut wie möglich aus der Saison kommen – auf jeden Fall mit dem Klassenerhalt“, sagt Schlenker. Sie wäre allerdings auch bereit für einen noch größeren Wurf: „Ich würde gerne noch höherklassiger spielen.“

Zur Unterstützung würde sich erneut ein Walhai anbieten, denn der kann am besten Zähne zeigen: 3600 Stück in 300 Reihen nämlich. Das ist so gruselig wie beeindruckend. Aber genau das wollen Schlenker und die USC-Damen: beeindrucken.