Magdeburg l Mitte Dezember kommt es zum Showdown in der Billard-Bundesliga der Dreibandspieler. Dann empfängt Tabellenführer Magdeburg zunächst den Rangdritten Stuttgart (15. Dezember), tags darauf Verfolger München. Ausgerechnet an diesem vorentscheidenden Wochenende müssen die Elbestädter auf ihren Topmann Dick Jaspers (53) verzichten.

Weltmeister spielt in Bordeaux

Der amtierende Weltmeister, der im Oktober in Kairo seinen vierten Dreiband-WM-Titel holte und im Januar in Magdeburg einen „galaktischen Weltrekord“ mit 40 Punkten in nur vier Aufnahmen feierte, muss ausgerechnet an jenem Wochenende beim Kontinentalvergleich Europa gegen Asien in Bordeaux ran. „Das ist vergleichbar mit dem Ryder Cup der Golfer. Da gilt nur Krankheit als Entschuldigungsgrund. Billard will 2024 in Paris olympisch werden, da kann Topspieler Jaspers in Frankreich nicht fehlen“, erklärt BCM-Mannschaftskollege Markus Schönhoff (50).

Der Bernburger bildet mit Jaspers, dem Dänen Dion Nelin sowie wahlweise Neuzugang Michael Puse aus Halle und Falko Willenberger aus Berlin das Mannschaftsgerüst des BCM.

Wie Jaspers zum 1. BCM kam

Wie aber kommt ein mehrfacher Weltmeister und Profi ausgerechnet zum einzigen ostdeutschen Bundesligisten neben der Billardakademie Berlin?

„Unser langjähriger frührerer Vereinsvorsitzender Bernd Friedel stellte schon in den 1990er Jahren den Kontakt her. 2001 hielt Jaspers dann in Magdeburg einen Lehrgang ab, den er jährlich wiederholte. 2010 wurde er unser Mitspieler, ebenso Nelin, der aus Duisburg zu uns wechselte“, erinnert sich Schönhoff.

Holländer fühlt sich wohl in Magdeburg

Obwohl der Jahresetat der Elbestädter aktuell nur gut 35 000 Euro beträgt, ist der Billard-Weltstar offenbar finanzierbar. „Wir sind imstande, Jaspers für die gesamte Saison zu verpflichten. Das sieht in den alten Bundesländern anders aus“, sagt Schönhoff. Jaspers lobt immer wieder die Zuverlässigkeit der Magdeburger, wenn es um das Finanzielle geht: „Da habe ich in verschiedenen Ländern auch schon anderes erlebt, laufe heute noch mehreren tausend Euro hinterher.“

Haupt-Geldgeber des 1. Billardclub Magdeburg ist ein Helmstedter Sportartikel-händler (Sport-Thieme), der vor anderthalb Jahren in klammen Zeiten aushalf und seitdem zur Stange hält. Schönhoff: „Wir wissen noch nicht, ob er auch in der nächsten Saison noch weitermacht. Ein Meistertitel wäre da natürlich hilfreich und ein schönes Argument unsererseits.“

Nelin wieder Profi

Auch der Däne Nelin ist inzwischen wieder Profi, nachdem er zwischenzeitlich schon mal als Fahrer eines Rufbusses in seiner dänischen Heimat arbeitete. Der mittlerweile 41-Jährige galt in den 1990er Jahren als größtes Dreibandtalent der Welt, spielte als Profi vor allem in Belgien, ehe es sportlich und auch finanziell nicht mehr richtig lief. Er zog sich zurück in seine Heimat, pausierte. Schönhoff:„Da im kommenden Jahr in Dänemark die nächsten Weltmeisterschaften stattfinden, will er nochmals ganz oben angreifen.“

Frank Eder, der nach dem Tod von Bernd Friedel Vereins-Chef wurde, hält den Laden zusammen und die Tradition hoch. Der 1. BCM sieht sich als direkter Nachfolger der 1950 gegründeten Abteilung Billard der damaligen BSG Aufbau Börde an, die zu DDR-Zeiten große sportliche Erfolge feierte. Wurde zuletzt der deutsche Meistertitel nur knapp verpasst, soll nun erneut ein gewichtiges Wort mitgesprochen werden.