Magdeburg l Was für eine Geschichte! Markus Schönhoff, Spieler des BC Magdeburg, sucht am Dienstag immer noch nach Worten, um das Wochenende der Billard-Spieler treffend zu beschreiben. „Einfach nur kurios“, „Glück im Unglück“ – die Bundesliga-Mannschaft aus Magdeburg musste nicht nur gegen die starken Clubs aus Stuttgart und München bestehen, sie kämpfte noch gegen ganz andere Schwierigkeiten.

Dion Nelin und Dick Jaspers reisten nämlich beide per Flugzeug aus Amsterdam zum ersten Spielort nach München. Allerdings kamen sie ohne Billardqueue und im Fall von Jaspers sogar gänzlich ohne Gepäck an.

Kleinigkeiten entscheiden

„Auf einem bestimmten Niveau entscheiden Kleinigkeiten – und das ist keine Kleinigkeit“, stellt Schönhoff klar. „Das ist, als ob ein Musiker auf einer fremden Violine spielen muss oder ein Tennisspieler mit einem fremden Schläger. Einige würden wahrscheinlich gleich ablehnen und gar nicht erst antreten“, meint Schönhoff. So gewöhnt sich eben auch ein Billardspieler an sein Queue. „Wir trainieren damit, spielen Wettkämpfe. Das gibt Selbstvertrauen“, erklärt Schönhoff.

Doch Nelin und Jaspers blieb nichts anderes übrig, als mit dem geliehenen Equipment von Michael Puse und Betreuer Frank Eder zu spielen. „Frank hat in der Regel gar kein Queue dabei“, berichtet Schönhoff und lacht, „aber bevor wir abgereist sind, hat er mir noch gesagt, dass er einen einpackt, falls etwas nicht da ist.“ Das nennt man dann wohl weise Voraussicht.

Sieg in München

Am Sonnabend ließen sich die Magdeburger trotz all des Durcheinanders aber nicht unterkriegen und gewannen das schwere Spiel gegen München knapp mit 5:3. Die erste Runde ging 3:1 an die Gäste. Puse gewann gegen Christodoulidis und Schönhoff spielte gegen den Griechen Kokkoris nach 34 Aufnahmen Unentschieden 40:40.

In der zweiten Runde kam dann der erste schwere Dämpfer. Jaspers verlor gegen den starken Griechen Papakonstantinou mit 18:40 in 19 Aufnahmen. Nelin brachte dem BCM dann aber den Sieg. Doch auch er hatte schwer zu kämpfen. Letztlich hatte der Däne dann die bessere Schlußphase und gewann nach 30 Aufnahmen mit 40:27 gegen Johann Schirmbrand.

Zwischenstop am Flughafen

Noch am Abend konnte die Mannschaft dann das zweite Mal aufatmen. Das Gepäck und Queue von Jaspers waren mittlerweile am Münchner Flughafen eingetrudelt und konnten abgeholt werden. Das Queue von Nelin brachte dann der Vereinsvorsitzende Mario Jordan am Sonntagmorgen von München nach Stuttgart. Dort stand das Spitzenduell gegen den Tabellenführer an.

Und es entwickelte sich das erwartet schwere Spiel. Punkteteilung nach der ersten Runde. Schönhoff gewann nach großen Kampf gegen Torsten Frings mit 40:31 in 33 Aufnahmen. Puse verliert am Nebentisch gegen Ramazan Durdu mit 18:40 in 29 Aufnahmen. Für einen Gesamtsieg mussten nun beide Magdeburger Stars gewinnen.

Remis in Stuttgart

Doch bei Jaspers sah es von Anfang an schlecht aus. Er erwischte einen super aufgelegten Weltcupsieger Tayfun Tasdemir und verlor am Ende deutlich nach 20 Aufnahmen mit 15:40. Wieder war es Nelin, der dem BCM den wichtigen Punkt sicherte. Nach 30 Aufnahmen hatte er seinen Gegner Murat Coklu mit 40:32 niedergerungen.

So reichte es in Stuttgart nur zu einem 4:4-Unentschieden, aber insgesamt hat der BCM, trotz widrigster Umstände, zwei Punkte auf den Tabellenführer aufgeholt und ist damit im Titelkampf noch nicht geschlagen.

Titelkampf noch nicht entschieden

„Wie gesagt: Es war Glück im Unglück. Mit den Ergebnissen sind wir unterm Strich zufrieden“, fügt Schönhoff an. Und dass der mehrfache Welt- und Europameister Jaspers gleich zwei schlechte Tage erwischte, ist für ihn zudem nachvollziehbar. „Daran merkt man eben, dass ihn das ganze Durcheinander beschäftigt hat. Jeder Spieler reagiert darauf anders.“

Die Entscheidung über den Titel fällt nun in zwei Wochen. Dann trifft der BC Magdeburg zu Hause auf ABC Merklinde und den BSV Velbert. Stuttgart hingegen hat das schwerere Restprogramm und spielt auswärts in Elversberg und Bergisch-Gladbach. Gewinnt der BCM beide Spiele und Stuttgart spielt einmal remis, dann ist Magdeburg neuer deutscher Meister.