Magdeburg l Michael Wilhelm hat in wirklich jeder Vorbereitungspartie dem Start in die neue Landesliga-Saison entgegengespielt. Er war sogar der Kapitän, weil Lukas Prenzer nach einer Operation am Fuß länger ausfällt oder weil dessen Vertreter Florian Purrucker fehlte. Aber nun, am heutigen Freitag, fehlen beide Akteure. Purrucker weilt im Urlaub, Wilhelm weilt in großer Vorfreude auf Sonnabend. Denn der 31-Jährige wird an jenem Tag heiraten, und deshalb hat ihn seine Angetraute Janine freundlich um eine Absage für das erste Punktspiel des VfB Ottersleben gebeten.

Oliver Malchau kann diese Geschichte witzig erzählen, zumal er der Bruder der Wilhelm-Gattin ist. „Aber ich wünsche beiden auf diesem Wege schon einmal alles Gute“, sagt er lachend. Das wünscht Wilhelm heute auch seinem künftigen Schwager, denn dieser ist wiederum der Trainer des VfB und empfängt um 18.30 Uhr mit seiner Mannschaft den TuS 1860 Magdeburg-Neustadt. Derbyzeit am Schwarzen Weg also.

Direkte Konkurrenten

Diese Hochzeit hat schon vor der Einteilung des Spielplans für eine terminliche Verschiebung gesorgt, weil Malchau für einen Anstoß am Freitagabend idealerweise einen Kontrahenten finden musste, der nicht aus allzu großer Ferne anreisen durfte. Jetzt reisen die Neustädter aus der Zielitzer Straße an, knapp elf Kilometer quer durch Magdeburg. „Wir freuen uns auf das Spiel und den Saisonstart“, sagt TuS-Trainer René Angerer. „Wir hatten alle Spieler abgefragt wegen des neuen Termins.“ Die Mannschaft hat sich dafür ausgesprochen: „Ein Derby am Freitagabend ist immer was Besonderes“, betont der 44-Jährige. In der vergangenen Saison endete dieses Duell 1:1.

Besonders waren auch die Ergebnisse seiner Mannschaft in einigen Vorbereitungsspielen. Allerdings besonders schlecht. „Sieht man allein die Resultate, sind die natürlich eine Katastrophe für einen Landesligisten“, gesteht auch Coach Angerer in Anbetracht von vier Niederlagen, einem Sieg gegen den Stadtligisten SV Seilerwiesen und einem Unentschieden. „Aber die Mannschaft musste sich erst an ein neues Spielsystem gewöhnen, und in den letzten Partien hat sie das phasenweise schon gut umgesetzt.“ Wie in der ersten Halbzeit gegen den Verbandsligisten SV Fortuna Magdeburg (0:6). Dennoch weiß Angerer: „Man weiß zum Start nie so genau, wo man steht.“

Wo TuS allerdings nicht stehen will am Ende der Saison, das wissen er und seine Schützlinge ganz genau: im Keller. „Für uns muss es in dieser Saison um den Klassenerhalt gehen, und in diesem Kampf ist Ottersleben ein direkter Konkurrent“, erklärt Angerer. Und für beide beginnt heute also der Abstiegskampf.

Nur Niegripp war schlechter

Um diese Einschätzung zu teilen, muss man nur auf den Endstand der vergangenen und abgebrochenen Saison schauen – TuS belegte Rang 14, Ottersleben Platz 15, nur Blau-Weiß Niegripp war noch schlechter. „Beide Mannschaften haben Glück, dass sie eine weitere Saison in der Landesliga spielen dürfen“, sagt Angerer, dem aus seinem 28-Mann-Kader unter anderem Sebastian Jaffke und Daniel Kniesel nicht zur Verfügung stehen.

Beim VfB schlägt die Urlaubszeit noch härter zu: Es fehlen Carl Graup, Ilias Gkotzias und Luca Bölke. Hinzu kommen Prenzer und Felix Schirge, der sich nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr Zeit für seine Rückkehr lässt. „Er macht aber Fortschritte, traut sich immer mehr zu“, sagt Malchau. Trotzdem musste sich der Coach natürlich einige Gedanken darüber machen, „wie ich das Team aufstelle und wie ich ins Spiel gehe“.

Kraft für 90 Minuten

In gewisser Weise hofft der Coach auf einen Lerneffekt bei seinem jungen Team (Durchschnittsalter: 23,13 Jahre) mit Rückblick auf die Vorsaison. „Jetzt wissen alle, wie schwer es in der Landesliga ist. Und sie kennen alle das schlechte Gefühl, unten zu stehen. Diesen Druck will niemand mehr haben“, ist sich der 35-Jährige sicher und zugleich optimistisch, dass sein Team frühzeitig die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen wird. „Wir haben gezeigt, dass wir die Kraft haben, über 90 Minuten zu gehen“, resümiert er auch die vier Siege bei nur einer Niederlage in der Vorbereitung. „Und wir haben den Ehrgeiz, uns weiter zu verbessern.“ In jedem Spiel, in jedem Training.

Aber nicht bei der Hochzeit am Sonnabend – die gehört allein Janine und Michael.

Hinweis: Um den Vorgaben zur Corona-Eindämmung nachzukommen, müssen auch Zuschauer des Stadtderbys ihre Kontaktdaten am Eingang hinterlassen. Um einem dortigen Stau vorzubeugen, würde sich der VfB freuen, wenn jeder Besucher einen Zettel mit seinen Daten (Name, Adresse, Telefonnummer) vorbereitet und mitbringt. Der Einlass zum Spiel beginnt um 17.30 Uhr.