Magdeburg l Gebannt saß Calvin Rupert Emmanuel vor dem Fernseher. Und fragte sich: Was ist das? Was machen die da? Es war ein verregneter Sonntag in London. Im September 2006. Und es stand ein Spiel der englischen Premier League an. Die weltweite Übertragung reichte auch bis in den Süden Indiens. Wo der siebenjährige Inder begeistert vor dem TV hockte.

Während in Deutschland der erste Kontakt mit dem Fußball häufig auf dem Bolzplatz mit Papa oder den Kumpels zustande kommt, war das beim Inder anders. „Ich wusste gar nicht, was Fußball ist, bis wir uns dieses Spiel angeschaut haben“, berichtet Emmanuel, dessen älterer Bruder „großer Fußballfan“ ist und ihn damals ansteckte. „Es hat Chelsea gegen Liverpool gespielt und es ging 1:0 aus“, erzählt er, als wäre es gestern gewesen.

90 Minuten vor dem Fernseher geprägt

Der Torschütze: Didier Drogba. Bis heute sein Idol. Auch Chelsea-Fan ist er nach wie vor. Diese 90 Minuten vor dem Fernseher haben Emmanuel geprägt. „Ich habe mich in diesen Sport verliebt und wollte danach sofort auch spielen“, sagt er. Mit hohem Trainingsfleiß hat er seine Karriere ins Rollen gebracht. Und setzt diese heute als 20-Jähriger in Deutschland fort.

Emmanuel ist Winterneuzugang beim SSV Besiegdas aus der Landesklasse. Doch wie kam er aus dem Süden Indiens ausgerechnet nach Sachsen-Anhalt? Schon seit vergangenen Oktober ist er in der Elbestadt. „Ich bin hier, um Maschinenbau zu studieren“, berichtet er. Zunächst absolviert er einen Sprachkurs. Ab Herbst fängt er dann an der Universität an. „Ich liebe es hier“, sagt er. Und nachdem er sich eingelebt hatte, wollte er natürlich auch hier seiner großen Leidenschaft nachgehen. Er suchte im Internet nach Vereinen, schrieb eine Mail an Besiegdas. Der Verein nahm ihn sofort auf. „Er ist menschlich ein super Typ, das ist am wichtigsten“, sagt SSV-Coach Daniel Naumann. „Auch fußballerisch bringt er gute Anlagen mit, muss jedoch noch taktisch dazulernen.“

Schon zweimal in der Startelf

Vor allem der Trainingsfleiß des 20-Jährigen kommt bei Naumann sehr gut an. Dazu lobt er seine „Schnelligkeit, gute Technik und Ausdauer.“ Deshalb beförderte der Coach seinen Neuzugang in den ersten beiden Pflichtspielen des Jahres jeweils auch in die erste Elf. Schon im Stadtpokal (4:3 gegen Preussen II) wurde er auf der linken Außenbahn immer wieder geschickt, vom Coach für seine unermüdliche Arbeit gelobt. „Es macht viel Spaß, mit dem Team zu spielen“, beschrieb Emmanuel sein erstes Pflichtspiel für Besiegdas. „Ich war sehr nervös. Es war nicht meine beste Leistung, aber ich bin zuversichtlich, im nächsten Spiel noch häufiger an den Ball zu kommen.“

Und das war Donnerstagabend definitiv der Fall, als er beim Punktspiel gegen Gerwisch erneut in der Startelf stand und beim 3:3 sogar das erste Tor für die Ostelbier markierte. „Hoffentlich treffe ich weiter und kann Besiegdas damit helfen. Jeder von uns hat sein Bestes gegeben, leider hat es aber nur zum Unentschieden gereicht. Das bedeutet, dass wir noch härter an uns arbeiten müssen“, analysierte er im Stile eines Profispielers.

Emmanuel fühlt sich beim Fußball frei

Apropos: In Indien spielte er zuvor bei YMCA Madras tatsächlich im halbprofessionellen Bereich. In dem Land, in dem Kricket Volkssport Nummer eins ist, wächst auch der Fußball immer weiter. Weshalb der 20-Jährige seine Liebeserklärung an diesen Sport ausführt: „Ich spiele Fußball, weil es mich all meinen Stress vergessen lässt und ich mich dabei frei fühle.“

In einem guten Team, wie er es mit Besiegdas sicher gefunden hat, „interagierst du mit den anderen wie in einer großen Familie, die einander hilft“. Ob in Indien oder jetzt hier, Calvin Rupert Emmauel ist verrückt nach dem runden Leder. Was 90 Minuten vor dem TV so alles bewirken können.