Magdeburg l Als am Sonntag in der vierten Minute der Nachspielzeit zum vierten Mal das Netz am Gübser Weg zappelte, war die Freude in Gelb-Grün grenzenlos. Die gesamte Besiegdas-Mannschaft kam an der Eckfahne zusammen und auch für Trainer Daniel Naumann gab es kein Halten mehr. Man hätte glatt meinen können, der SSV Besiegdas 03 hätte gerade die Landesklasse-Meisterschaft gewonnen. Tatsächlich liegt dieses historische Ereignis in der jungen Vereinsgeschichte erst gut zwei Monate zurück.

Am Sonntag kam ein anderer Erfolg in die Geschichtsbücher hinzu. Erst einmal gab es in der Nachspielzeit jedoch „nur“ den 2:2-Ausgleichstreffer zu feiern, mit dem Gregor von Ehrlich-Treuenstätt die Landespokal-Partie gegen Landesligist SV Irxleben in die Verlängerung schickte. Geschichtsträchtig wurde es, weil Nicolas Neßler und erneut von Ehrlich-Treuenstätt den SSV mit dem 4:3-Erfolg nach den 30 Zusatzminuten erstmals in die zweite Hauptrunde des Wettbewerbs schossen.

Phänomenales Gefühl

„Das Gefühl nach dem Ausgleich war phänomenal“, erinnert sich auch Vinzent Rasche gerne an die späte Rettung nach einem 0:2-Rückstand. „Mit dem Treffer zum 3:2 in Güsen war es dann allerdings doch nicht zu vergleichen. Da wussten wir, dass uns die Meisterschaft niemand mehr nimmt. Gegen Irxleben mussten wir ja noch in die Verlängerung“, kann der 30-Jährige den Quervergleich zum „Endspiel um die Meisterschaft“ der vorigen Serie ziehen.

Schließlich schoss er den SSV damals, am 26. Spieltag, zwei Minuten vor Schluss zum 3:2-Sieg bei Absteiger Germania Güsen und damit zurück auf Meisterschaftskurs. Rasche: „Damals kamen alle Emotionen hoch. Viele von uns, inklusive mir, hätten die Meisterschaft mit dem 1:2 zehn Minuten vor dem Ende nicht mehr für möglich gehalten. Darum wird diese Freude darüber, dass wir das Spiel noch gedreht haben, wohl unerreichbar bleiben.“

Besiegdas verzichtet auf Aufstieg

Auf das Aufstiegsrecht für die Landesliga Nord verzichteten die Grün-Gelben jedoch, so dass sie am Sonnabend mit dem Heimspiel gegen Germania Olvenstedt (15 Uhr) erneut in der Landesklasse, Staffel 2, starten. „Ich hab bei der Entscheidung innerhalb der Mannschaft auch gegen den Aufstieg gestimmt“, verrät Rasche. „Zum einen, weil es zu diesem Zeitpunkt bereits abzusehen war, dass uns wichtige Säulen in diesem Herbst und zum Winter verlassen werden. Zum anderen, weil uns die nötige Erfahrung für die Landesliga gefehlt hätte“, begründet Rasche.

Ihm wird nun die große Aufgabe zuteil, eine der Säulen der Mannschaft zu ersetzen. Weil Franz Meisner künftig im Ausland studiert, ist der bisherige Vize „Vinz“ nun in die Kapitänsrolle gerutscht. „Spielerisch kann man Franz wohl kaum ersetzen. Er ist als Kapitän immer mit großartigen Leistungen vorangegangen“, lobt Rasche seinen Vorgänger. Rasche selbst sah sich hingegen schon vorher als „Sprachrohr der Mannschaft“ und glaubt nicht, dass die Binde am Arm jetzt einen großen Unterschied machen wird.

Verstand sagt: Ziel ist Klassenerhalt

Obwohl Besiegdas als Titelverteidiger in die neue Spielzeit startet, hält man sich am Gübser Weg hinsichtlich der Ziele zurück. „Als Meister den Klassenerhalt auszurufen, klingt komisch, aber in dieser Liga gibt es keine leichten Dreier zu holen. Darum sagt der Verstand, dass der Klassenerhalt ein ordentliches Ziel und eine Platzierung im Mittelfeld schon gut wäre“, so Rasche. „Eigentlich wäre es aber toll, wenn wir wieder in den Top fünf ins Ziel kommen, auch wenn es sehr schwer wird“, ergänzt er umgehend. „Mit der Leistung aus dem Irxleben-Spiel ist das auf jeden Fall möglich.“

Und noch was hat der Pokal-Auftritt gezeigt: „Nachdem die Vorbereitung schleppend anlief, ist wieder die letzte Zielstrebigkeit und Geilheit in der Mannschaft aufgeflammt.“ Diese gilt es nun für den schweren Ligastart und die Zweitrunden-Partie im Landespokal gegen Union Schönebeck (7. September) zu konservieren.