Magdeburg l Selbst der MSV Börde II hatte augenscheinlich nicht ganz verstanden, dass soeben der Moment des Jubels angebrochen war. Anstoß, dann ein unglücklicher Rückpass von Arminias Fabian Leins auf seinen Keeper Stefan Maierl, der nur ganz woanders stand als Leins vermutet hatte – die Führung für Börde nach fünf Sekunden. Der Weg zum dritten Sieg im dritten Saisonspiel der Fußball-Stadtoberliga war geebnet.

Aber gegangen sind ihn die Stadtfelder am vergangenen Sonnabend auf heimischem Platz erst nach der Gelb-Roten Karte gegen Sebastian Schmidt wegen Meckerns (65.). „Da kam der Bruch in unser Spiel“, sagte Thorben Schütz aus dem Arminen-Trainergespann mit Mathias Kühne. „Der Platzverweis hat uns in die Karten gespielt“, bestätigte MSV-Coach Ronny Kryk.

Lupenreiner Hattrick

Am Ende gewann der Tabellenführer die Partie mit 4:1 (1:1). Ein Sieg, der für Martin Dörfler, 35 Jahre, womöglich besonders teuer wurde. Der eingewechselte Stürmer erzielte mit nur drei Chancen alle drei Tore (61., 84., 86.) in der zweiten Hälfte – lupenreiner kann ein Hattrick nicht sein. Und ganz sicher haben die jungen Börde-Akteure danach erfahren, was ihnen die älteren nach und nach beizubringen versuchen: „Den Drive in der Kabine“, nannte es Trainer Kryk mit einem verschmitzten Lächeln.

Wenn es aber ums Spiel geht, dann ist der 42-Jährige wieder ganz der Ernste, der mit seinem Team in dieser Saison Platz eins bis drei erreichen will. „Der Aufstieg in die Landesklasse ist für uns eine Option“, betonte er. In jene Klasse also, aus der Börde in der Saison 2018/19 abgestiegen ist. Als der MSV eben noch nicht über den direkten Unterbau verfügte und mit einem großen Aderlass zu kämpfen hatte. Diese Zeiten haben sich geändert. Und Börde ist deshalb wieder auf Mission Aufstieg.

Viel Druck von Arminia

„85 Prozent der Mannschaft kommen aus dem eigenen Nachwuchs“, berichtete Kryk. Und die jungen Spieler „haben auch mit ihrer Sogwirkung andere zu uns gebracht, weshalb wir in der Breite sehr gut aufgestellt sind“.

In dieser Breite steckt so viel Qualität, dass Patrick Reich, Trainer der Roten Sterne, Börde sogar als beste Mannschaft in der Stadtoberliga empfindet. „Natürlich ist das ein Kompliment, wenn uns andere so sehen“, sagte Kryk. „Aber auch andere haben eine gute Qualität.“ Wie der SV Arminia II, vor dem Coach Kryk entsprechend gewarnt hatte: „Ich hatte der Mannschaft gesagt, dass uns ein spielstarker Gegner erwartet, der viel Druck ausübt.“

Im Tor sehr gut aufgestellt

Dieser Gegner war tatsächlich ins GutsMuths-Stadion gekommen und hat zu einer sehr ansehnlichen Partie seinen Beitrag geleistet. Denn es dauerte nicht lange, ehe sich Arminia vom unglücklichen Eigentor erholt und sich mehr Spielanteile erarbeitet hatte. Forsch und mit Diagonalpässen ging es in die Offensive. „Eigentlich hat uns gar nicht so viel gefehlt“, meinte Schütz, „außer vielleicht der letzte Pass oder das Glück im Abschluss“ – denn letztlich traf nur Paul Pickert zum zwischenzeitlichen 1:1 (32.). Oder seinen Schützlingen kam der aufmerksame Keeper Joel Stein zuvor. Auch zwischen den Pfosten ist Börde nämlich sehr gut aufgestellt, sagte Kryk. „Mit Joel und Nico Behrens haben wir zwei Torhüter auf einem Leistungsniveau, die der Mannschaft viel Rückhalt geben.“

Rückhalt brauchen auch die jungen Arminen – wie die 19-jährigen Fahraldin Mohammed und Tim Winkelmann, die aus der A-Jugend in den Männerbereich gekommen sind, und die Schütz als Trainer des ältesten Nachwuchses in der Vorsaison bestens kennt. Beide, sagt der 27-Jährige, haben das Potenzial, auch in der ersten Mannschaft in der Landesklasse zu spielen.

An diese und deren Übungsleiter Thomas Tietz hatte er so einige Talente zuletzt abgegeben mit den wichtigsten Hinweisen auf Stärken und Schwächen. „Bei Thomas werden sie sich prächtig weiterentwickeln“, betonte der Coach der Reserve, der indes lange mit seiner Mannschaft über eine Vorgabe für die neue Serie nachgedacht hatte. Denn: „Wir hatten viele Zugänge im Sommer“, begründete Schütz. Inzwischen sind sich die Arminen einig geworden. Schütz: „Wir rufen als Saisonziel den dritten bis fünften Platz aus.“