Magdeburg l Bereits vor dem Anpfiff des ersten Punktspieles der Saison 2020/21 in der Fußball-Verbandsliga steht fest, dass der SV Fortuna Magdeburg mit einem Durchschnittsalter von 22,95 Jahren den jüngsten Kader aller 19 Mannschaften stellt.

Trotz des „Jugendwahns“ am Magdeburger Schöppensteg finden sich auch noch Kicker im „gesetzten“ Alter im Team der Trainer Dirk Hannemann und Dirk Nitschke. Angeführt vom 34-jährigen Alexander Wichmann bilden Mittelfeldspieler Marvin Windelband (32), Angreifer Philipp Glage (31) und Abwehrstratege Bastian Benkel (30) die erfahrene Achse der Neustädter. Sie sollen als die „vier Musketiere“ die jungen Wilden der Neustädter führen.

Mit 34 Jahren der Methusalem der Truppe

Ältester Fortune ist dabei Stürmer Alexander Wichmann. Der 34-Jährige geht jetzt in seine 18. Saison im Dress der ersten Fortuna-Mannschaft. Bisher 391 Spiele im Trikot der „Ersten“ stehen für „Alex“ zu Buche. Nur noch 13 Treffer fehlen ihm, um die 200-Marke an Toren für die „Erste“ vollzumachen. Zu seinen größten sportlichen Erfolgen bei den Männern gehören der zweimalige Aufstieg in die Verbandsliga sowie der ebenfalls zweimalige Erfolg im Stadtpokal.

Die sportlichen Meriten sind das eine, doch wie fühlt es sich an, in einer Rasselbande als ältester Akteur aufzutreten. „Nun ja, die Situation ist ja nicht neu für mich. Ich war ja bereits in der vergangenen Saison der ,Opa´in der Mannschaft“, so der bodenständige Kicker. Allerdings schränkt er dabei auch ein: „Man spürt das Alter aber schon. Wenn unsere Studenten am Abend qietschvergnügt zum Training kommen, man selber aber schon einen harten Arbeitstag hinter sich hat, spürt man schon die Auswirkungen. Man ist halt keine 18 Jahre mehr alt. Da muss man sich schon mehr motivieren, um regelmäßig zum Training zu gehen und mitzuziehen.“ Doch als Meckerei will Wichmann diese Umstände keinesfalls verstanden wissen. „Ich habe mich ja dazu entschlossen, also muss ich das auch durchziehen. Zudem geht es in der Vorbereitung immer zur Sache“, so der Angreifer.

Fußball fetzt als Mannschaftssportart

Wichmann weiß auch, dass der „Trainer das Trainingsprogramm nicht aufstellt, um einem zu schaden. Je mehr man macht, desto besser geht es letztlich voran“, ist er sich sicher. Zwar hätten einige der jungen Spieler eine andere Sichtweise. „Aber ich mach mein Ding, dann passt es schon“, ist sich der Fortune sicher. Dass Wichmann seiner Sportart Fußball und dem Verein so lange treu geblieben ist, hat mehrere Ursachen. Zum einen fühlt er sich im Kreise der Fortuna-Familie sehr wohl, hat viele tolle Sportkameraden in und um die Mannschaft kennen gelernt.

Zudem „fetzt Fußball als solcher, als Mannschaftssport, weil man als Team vieles erreichen kann. Ich bin so ein Typ für den Mannschaftssport. Eine Einzelsportart wäre nichts für mich. Ich kenne es aber auch nicht anders, bin ja von klein auf Mannschaftssport gewöhnt“ so Wichmann weiter. Dabei fasziniert ihn auch der Zusammenhalt, das man als Gruppe auch außerhalb des Platzes vieles unternimmt. „Sicher gibt es auch schlechte Tage. So nach Verletzungen oder im Winter, wenn man weiß, es sind Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Du musst jetzt zum Training. Doch ich möchte keine Sekunde missen, zumal man ja zu nichts gezwungen wird, alles freiwillig macht.“

Interessant ist die Sicht Wichmanns auf die Zusammensetzung der Mannschaft. „Man muss es so nehmen wie es ist. Wobei es schon gut ist, wie sich die Situation derzeit darstellt. Entscheidend ist, dass keiner abhebt, egal, ob alt oder jung.“ Dabei betont er aber auch, dass „eine gewisse Hierarchie schon sein muss.“ So zum Beispiel, „wenn die Älteren auf Grund ihrer Erfahrungen etwas sagen, dann muss das ,junge Gemüse´ schon achtgeben.“

Man kann die Zeiten nicht mehr zurückdrehen

Andererseits sehe man deutlich, dass das eine andere Generation ist. „Man kann die Zeiten, als ich so jung war, mit den heutigen Zeiten einfach nicht mehr vergleichen. Das heißt im Umkehrschluss nichts anderes, als dass wir Älteren uns anpassen müssen. Aber auch die jungen Spieler müssen auf uns zukommen. Fußball ist eben ein Mannschaftssport.“

Es gibt sogenannte Experten, die sagen der jungen Mannschaft eine schwere Saison voraus. Wie sieht der erfahrene Kicker diese Ausgangslage. „Ich glaube, wir haben eine gute Mannschaft zusammen. Wir wollen eine ganz sichere Saison spielen. Nicht in die Abstiegszone geraten und die oberen Mannschaften öfters ärgern. Ohne eine Endplazierung konkret nennen zu wollen.“

Zudem sollen sich die jungen Spieler weiterentwickeln. „Allerdings wird es eine sehr schwere, kräftezehrende Saison mit 19 Mannschaften. Das wird an die Kraft und Ausdauer gehen.“ Doch sei dies für die junge Mannschaft „eine echte Herausforderung. Ich bin aber optimistisch, mache mir da keinen Kopf. Sicher wird es auch mal ein Spiel geben, in dem man keine Chance hat. Das muss man dann akzeptieren, das ist halt so. Aber es gibt auch viele Spiele, in denen wir nicht nur mithalten können.“