Magdeburg l Obwohl Florian Braunert schon seit 2017 beim VfB Ottersleben spielt, stand für den 23-Jährigen im Sommer vor allem das „Kennenlernen“ im Fokus. Zwischen dem Inkrafttreten der ersten Corona-Pause im März und dem Wiedereinstieg im Juli hatte sich im Schwarzen Weg nämlich einiges getan. Zum Beispiel auf der Trainerposition, auf der Dennis Wanzek den langjährigen Übungsleiter Andreas Sonnenberg ersetzt hatte. Aber auch in der Mannschaft, die mit vielen jungen Talenten aus dem Nachwuchs aufgefüllt wurde.

„Am Anfang hat es einige Zeit gedauert, bis dieses neue Gefüge miteinander verwachsen ist“, erzählt Braunert. Die zahlreichen Vorbereitungsspiele, von denen die VfB-Zweite kein einziges gewinnen konnte, erweckten bei ihm durchaus Zweifel, ob das Gefüge rechtzeitig bis zum Saisonstart gefunden sein würde: „Wenn man in den Testspielen nur auf den Sack bekommt, macht man sich natürlich schon seine Gedanken.“

Team hat sich gefunden

Von dieser anfänglichen Skepsis ist inzwischen nichts geblieben. Im Gegenteil: als Drittplatzierter ging die Wanzek-Elf in die frühzeitige Winterpause, musste sich in der Stadtoberliga bis dato noch nicht geschlagen geben. „Dass es nach dem Umbruch mit diesem jungen Kader so gut läuft, hätte ich selbst nicht gedacht“, gibt Braunert zu. „Wir sind in Schlagdistanz zur Tabellenspitze – und dabei hatten wir die Saison eher als Übergangsjahr gesehen.“

Der Grund für die „überaus positive Bilanz“ ist für den Ottersleber leicht ausgemacht: „Die Mischung in der Mannschaft passt sehr gut. Die neuen Jungs haben sich klasse eingebracht und die Stimmung ist super.“ Auch das Einleben mit dem neuen Coach, der als Co-Trainer wie sein Vorgänger von Maurice Heinrich unterstützt wird, verlief ohne Komplikationen. „Der Übergang war sehr geschmeidig“, resümiert Braunert, „auf dem Platz und organisatorisch läuft alles bestens.“

Dem Ex-Coach dankbar

Der von Vereinsseiten erhoffte frische Wind hat den Schwarzen Weg also durchzogen. „Auch im Training ist zu merken, dass Dennis viele neue Ideen einbringt“, erzählt Braunert, der sein Wort anschließend in Richtung Ex-Trainer Sonnenberg richtet. „Ich würde mich gerne noch einmal bei ‚Sonni‘ bedanken, was er in den letzten Jahren für uns geleistet hat. Der Trai- nerwechsel war keine Entscheidung gegen ihn, sondern eine für neue Impulse durch einen Coach, der mit der Mannschaft bei null startet“, erklärt er.

In dieser neuen Konstellation wird Braunert eine besondere Rolle zuteil: Erstmals im Herrenbereich trägt der Defensivspieler die Kapitänsbinde, fungiert als Sprachrohr zwischen Mannschaft und Trainer, vor allem aber zwischen „jung und alt“.

Darin sieht er selbst einen der Gründe, warum er zum Kapitän gewählt worden ist. Mit seinen 23  Jahren bilde er einen „guten Mittelwert“ zwischen ganz jungen Spielern, wie dem erst 17-jährigen Julian Boxhorn, und den wenigen älteren Akteuren der Mannschaft. „Ich hoffe aber, dass mein Einsatz, meine Bemühungen, das Team zu führen, und meine Leistungen weitere Gründe waren“, erzählt Braunert lachend.

Hundertprozentige Beteiligung

Dass er seine neue Rolle gewissenhaft ausfüllt, zeigt ein Blick auf die Beteiligung: Alle acht Pflichtspiele der Saison 2020/21 absolvierte Braunert, der einst im Fermersleber Nachwuchs mit dem Fußball begann, über die volle Distanz. „Was das Training angeht, sollte die Statistik ähnlich aussehen“, ergänzt er. Die Möglichkeit zur regen Beteiligung sei überhaupt erst die Grundlage gewesen, das Amt anzunehmen.

Und dass Braunerts Leistungen auf dem Platz stimmen, ließ Trainer Wanzek in der laufenden Saison schon einige Male verlauten. Mit dem Kapitän in der Innenverteidigung steht die VfB-Reserve zumeist sicher, musste nur im Spitzenspiel gegen die TuS-Reserve drei Treffer hinnehmen. „Trotzdem war das unser geilstes Spiel“, erinnert sich Braunert gerne. Denn obwohl die „Otter“ in der Zielitzer Straße zur Pause noch mit 1:3 zurücklagen, feierten sie am Ende einen 4:3-Erfolg.

Spitzenspiel war Highlight

„Solche Spiele lassen eine Mannschaft nochmal näher zusammenrücken“, erklärt der stolze Kapitän und sieht eine „regelrechte Erfolgswelle“, auf der die Mannschaft seit dem Saisonstart reite. Einzig die Stadtpokal-Pleite bei Germania Olvenstedt II (1:2) erwies sich bisher als Wellenbrecher. „Da haben wir gesehen, dass unser Spiel stark von der Einstellung abhängt“, erkannte Braunert den Schuss vor den Bug.

Wenn aber das Engagement ebenso wie die Mischung im Team passt, kann auch eine neu formierte, junge Ottersleber Mannschaft im ersten Jahr des Umbruchs um die Stadtmeisterschaft mitspielen.