Magdeburg l Mitte Dezember begann für Karla Görlitz ein kleiner Marathon. Die 17-jährige Fußballerin hatte von Maren Meinert, der U-19-Nationaltrainerin, die Nachricht erhalten, zum Lehrgang der besten deutschen Nachwuchsfußballerinnen eingeladen zu sein. Nicht zum ersten Mal freilich. Schon seit ihrer U-16-Zeit wurde Karla Görlitz immer wieder zu DFB-Lehrgängen eingeladen, im August 2017 gab sie ihr Länderspiel-Debüt bei einem Vierländerturnier in Litauen gegen die Schweiz.

Doch so groß die Freude über jede Einladung ist, hinter einer solchen Nominierung steckt immer auch viel Organisationsaufwand. Für die Spielerinnen und für den Verband.

30 Spielerinnen treffen sich in Hennef

Der aktuelle Lehrgang findet vom 13.  bis zum 16. Januar an der Sportschule in Hennef bei Bonn statt. 30  Spielerinnen aus ganz Deutschland sind dabei. Für alle gibt der DFB ein verpflichtendes Anreisefenster vor. Doch der Verband kümmert sich im Anschluss auch nach den Wünschen der Spielerinnen um die komplette Reiseplanung.

Die Einladung zu einem solchen Lehrgang, so erzählt Karla Görlitz, komme ja bereits Wochen vor dem eigentlichen Ereignis. Die Spielerinnnen würden daraufhin mitteilen, wann und wie sie an- und abreisen möchten. „Danach kümmert sich der DFB um die Reisetickets und die Bahn- bzw. Busverbindung. Das ist alles bestens organisiert“, erzählt sie.

Und trotzdem muss Karla Görlitz auch selbst eine Menge organisieren. Denn verbunden mit der Einladung bittet der DFB die Arbeitgeber bzw. die Schulen darum, den Lehrgang mit der Freistellung der Spielerinnen zu unterstützen. Ohne die Erlaubnis der Schule geht nichts. Und Karla Görtlitz geht nicht etwa auf die Sportschule, wie es bei großen Fußball-Talenten üblich ist, sondern legt in diesem Jahr am Domgymnasium ihr Abitur ab. Also heißt es dann zunächst einmal, Meter zu schrubben. „Ich hole mir von jedem Lehrer bzw. von jeder Lehrerin, bei denen ich Stunden während des Lehrganges hätte, persönlich die Erlaubnis, dass ich teilnehmen darf. Zuletzt muss dann noch der Direktor seine Zustimmung geben.“

Pädagogen sind beim Lehrgang immer dabei

Damit die Spielerinnen nicht zu viel Unterrichtsstoff verpassen, liegt zwar bei jeder Auswahlspielerin selbst „die Verantwortung, den Stoff nachzuholen. Doch auch dabei bekommen wir Unterstützung vom DFB“, berichtet die junge Kickerin. „Wir müssen dem DFB mitteilen, welchen Stoff wir gerade in den Fächern durchnehmen. Zudem ist jeder Lehrgang in einen sportlichen und schulischen Bereich untergliedert.“ Ausgewählte Pädagogen übernehmen dabei den täglichen schulischen Teil, arbeiten mit den Spielerinnen den schulischen Stoff auf.

Karla Görlitz kennt die ganzen Abläufe inzwischen. Lehrgänge sind nichts Neues mehr für sie. Dabei ist ihr Werdegang zur Junioren-Nationalspielerin alles andere als gewöhnlich. Denn auf Vereinsebene tanzt sie ganz bewusst auf mehreren Hochzeiten.

Kicken mit Jungen und Mädchen

Sie ist Stammspielerin in der B-Junioren-Verbandsligamannschaft des SV Fortuna. Bei den Jungen wohlbemerkt. Dort darf sie mit einer Ausnahmegenehmigung des DFB spielen. Bis zur vergangenen Saison trug sie viele Jahre lang das Trikot des TuS 1860 Magdeburg. Und zusätzlich kickte sie über ein Zweitspielrecht auch in der B-Juniorinnen-Bundesligamannschaft des Magdeburger FFC, gehört heute auch zum Kader der Frauen-Regionalligamannschaft des Vereins.

Ihre sportliche Entwicklung hat aus der Sicht von Karla Görlitz viel damit zu tun, dass sie als einziges Mädchen in einer Jungenmannschaft trainiert und spielt. „Das Spiel bei den Jungs ist schnell und kampfbetont. Davon habe ich immer profitiert. Da musst du dich durchsetzen, wenn du bestehen willst. Und da ich bei den Jungs fußballerisch immer voll akzeptiert war und ich mich dort sehr wohlfühle, macht es zudem noch riesigen Spaß. Außerdem hatte ich Trainer, die vorbehaltlos waren und mich sehr gefördert haben. Dafür bin ich dankbar.“

Görlitz will sich für weitere Einsätze anbiet

Görlitz hofft, sich über die DFB-Lehrgänge für weitere Einsätze in der Nationalmannschaft empfehlen zu können. Wohin ihre sportliche Reise in Zukunft geht, ist noch offen. Zunächst einmal hat der Schulabschluss mit dem Abitur höchste Priorität. Danach will die junge Kickerin Jura studieren und in einer Frauenmannschaft weiterspielen.