Magdeburg l Charlie Schüler hat sich gerne die einfachen Pässe seines Vorbild angeschaut. Auch die Ruhe, die jener Mann ausgestrahlt hat. Immer präsent, immer mit Übersicht. „Und manchmal hat er auch verrückte Sachen gemacht“, erklärt Schüler lächelnd. Sein Vorbild heißt Xabi Alonso, der für den FC Liverpool, Real Madrid und den FC Bayern München spielte, der 114 Länderspiele für Spanien bestritt, der genau den Stil als Sechser im Mittelfeld pflegte, wie ihn Charlie Schüler gerne pflegen möchte – und zwar beim SV Fortuna Magdeburg in der Fußball-Verbandsliga.

Schüler gehört zu der Garde junger Spieler, die aus der A-Jugend in den Kader der ersten Mannschaft gewechselt ist, und die sich nun auf der höchsten Ebene des Landes an den Männerfußball gewöhnen muss. Sein erstes Spiel bestritt er am vorvergangenen Sonnabend beim Oberligisten 1. FC Merseburg (0:19). Und ja, „da war ich schon ein bisschen aufgeregt“, berichtet der 19-Jährige. Neue Mannschaft, neue Mitspieler, härtere Gangart als bei den A-Junioren. „Das Körperliche und Läuferische sind die größten Unterschiede“, hat er sodann festgestellt.

Dem Körperlichen will er auch mit einer Gewichtszunahme entgegenwirken, bei 1,90 Metern Körpergröße bringt er keine 85 Kilogramm auf die Waage. Für das Läuferische hat er den Trainer: Dirk Hannemann. Wie sich bereits in der Vorbereitung gezeigt hat: „Es gab einige, die nach dem Training über der Barriere hingen“, erklärt Schüler lachend. „Aber das gehört dazu. Und es ist einfach tolles Gefühl, wenn man zum Ende eines Spiels immer noch Meter ziehen kann.“

Technisch stark

Wie viele Meter er am vergangenen Sonntag beim 0:0 gegen den Oberligisten MTV Wolfenbüttel gezogen hat, kann auch Charlie Schüler nicht sagen. Es waren in jedem Fall viele. „Für uns war es wichtig, hinten sicher zu stehen und dann in der Offensive Nadelstiche zu setzen.“ Schüler selbst war zu Beginn vor allem mit Defensivaufgaben beschäftigt, mit dem Pressing und der Suche nach dem Mitspieler für den Pass in die Tiefe. Das tat er zuweilen mit Eleganz und Witz. Das technische Vermögen zählt er entsprechend zu seinen Stärken, die in der vergangenen Saison bereits bei der A-Jugend zum Tragen gekommen sind. Mit jener Mannschaft ist Schüler in die Regionalliga aufgestiegen. Für sie erzielte er 17 Tore in zwölf Spielen. „Da haben wir im 4-1-4-1 gespielt und ich direkt hinter der Spitze“, begründet er seine Torausbeute.

Dass solch ein junger Mann gleich aus dem Nachwuchs in diese zentrale Position mit viel Verantwortung für die taktischen Vorgaben wechselt, könnte auch belasten. Aber erstens: Hannemann gesteht jedem seiner jungen Schützlinge Fehler zu, und auch Schüler hat gegen Wolfenbüttel mal einen zweiten Ball vertändelt. Und zweitens: Schüler fühlt gar keine Belastung: „Ich versuche, mit Selbstvertrauen in die Partien zu gehen, die anderen mitzuziehen.“ In der Hoffnung auf eine positive Wechselwirkung. „Wenn dann die ganze Mannschaft mitzieht, fühle ich mich auf meiner Position wohl.“ Da mit ihm viele Akteure aus seiner Altersklasse ab dem 15. August bei Blau-Weiß Dölau um Punkte kämpfen, ist die Gefahr eines unguten Gefühls allerdings ziemlich gering.

Schüler, der mit fünf Jahren bei Post SV erstmals gegen den Ball trat und mit der Auflösung der C-Jugend dann an den Schöppensteg wechselte, ist gespannt auf die neue Saison, auf die Stärke der Gegner – gerade nach der langen Corona-Pause. Und Schüler hofft, „dass wir von Anfang an gut mitspielen können“. Nicht im Kampf um den Klassenerhalt, denn an diesen denkt niemand bei Fortuna: „Ich bin es aus den vergangenen Jahren gewohnt, dass ich mit meiner Mannschaft immer gut in der Liga dabei war, so kann es auch gerne bleiben“, sagt der künftige Dualstudent zum Bauingenieur.

Oder vielleicht eines Tages höher gehen: Denn das junge Team hat Perspektive, von Saison zu Saison rücken hungrige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach. Mittelfristig könnte Fortuna also um den Aufstieg spielen? Schüler wäre nicht abgeneigt: „Das wäre eine coole Sache, wenn es irgendwann in die Oberliga geht.“