Magdeburg l Seit Jahren hat der Stadtfachverband (SFV) Fußball Magdeburg einen scheinbar unaufhaltsamen Schwund an Großfeld-Herrenmannschaften zu verzeichnen. Dieser Trend wird zur kommenden Spielzeit vorerst wohl gestoppt. Zwei Tage vor dem Ablauf der Meldefrist, die in diesem Jahr aufgrund der Corona-Unterbrechung erst auf den 15. Juli datiert ist, zeichnet sich ein erneutes Teilnehmerfeld von 19 Mannschaften ab.

Dass dem so ist, wird wohl maßgeblich dem SV Seilerwiesen zu verdanken sein. Die Seilerkicker kehren nämlich mit gleich zwei Großfeld-Mannschaften in den Spielbetrieb zurück und fangen damit die beiden „Abgänge“ alleine auf. Der MSC Preussen II, der nach Wertung der Quotientenregel in die Landesklasse aufsteigt, und der SV Beyendorf, der schon während der letzten Saison zurückzog und auf Kleinfeld wechselt, verlassen im Gegenzug die Bühne.

„Uns tut dieser Schritt sehr weh. Mit unserem Kader hätte es allerdings keinen Sinn ergeben, auf Biegen und Brechen für Großfeld zu melden“, erklärt Beyendorf-Coach Pierre Weickhardt betrübt. „Die Hoffnung, im nächsten Jahr zurückzukehren, haben wir aber nicht aufgegeben. Dafür sind wir derzeit sehr bemüht, Neuzugänge zu akquirieren, was in unserer dörflichen Gemeinde allerdings nicht so leicht ist“, erklärt er.

Dieses Problem ist auch beim SV Pechau als zweiten „Dorfverein“ des Stadtfußballs bestens bekannt. „Uns fehlt schlichtweg der Nachwuchs. Das sieht man sowohl am Alter der Mannschaft als auch an der Kadergröße“, meint SVP-Abteilungsleiter Ringo Köppe. In Ostelbien ist es jedoch das Glück, dass Pechau über ein größeres Einzugsgebiet verfügt. „Echte Pechauer sind nur noch die Allerwenigsten. Eine bunte Mischung aus Magdeburgern und Schönebeckern fängt das aber gut auf“, berichtet Köppe. So wird der SVP, der in der Saison 2018/19 (vorerst) letzter Stadtliga-Meister wurde, mit einer ähnlichen Personaldecke wie zuletzt „guten Mutes“ in die neue Spielzeit gehen.

Rufe nach anderem System werden lauter

Weitere „Sorgenkinder“, die als Kandidaten für einen Rückzug gehandelt wurden, waren die Reserven Germania Olvenstedts, des Post SV und der Roten Sterne. Alle drei ließen aber die frohe Kunde überbringen, dass sie weitermachen.

Während in Olvenstedt mit der Übernahme von Benjamin Graßhoff und Tim Stephan als Trainergespann ein frischer Wind einkehrte, der einige reaktivierte Spieler und somit einen breiteren Kader mit sich bringt, war es in Stadtfeld und in Sudenburg eher eine Frage des Willens.

Schließlich waren die Sterne-Zweite und die Post-Reserve die beiden größten Verlierer der vor der Saison vorgenommenen Zusammenlegung von Stadtliga und Stadtoberliga. Während die Postler die Vorrunden mit einem Zähler und 16:109 Toren abschlossen, blieben die Sudenburger bei einer Bilanz von 9:255 Treffern gar punktlos. Folglich klar ist der Appell von Post-Abteilungsleiter Karsten Konrad: „Es braucht ein anderes System!“

Zu groß sind die Unterschiede gewesen, was die insgesamt 25 Ergebnisse im zweistelligen Bereich klar aufzeigen. „Wenn man das Ziel verfolgt, möglichst viele Mannschaften im Spielbetrieb zu halten, ist dieses System absolut kontraproduktiv“, ist sich Konrad sicher.

Zustimmung erhält er in dieser Aussage von Patrick Reich, der in Sudenburg die Ersten Herren coacht. „Für unsere Zweite hat dieses Jahr keinen Spaß gemacht. Da kommt schnell die Frage auf, wer darauf überhaupt noch Bock hat“, erklärt Reich. Trotzdem ist der 33-Jährige optimistisch: „Mit der A-Jugend in der Hinterhand haben wir neue Optionen und zugleich einen wichtigen Anreiz, die Reserve zu halten. Eine Änderung im Spielsystem wäre dabei sicher im Interesse vieler Mannschaften.“

SFV-Präsident Buhtz will nicht spekulieren

Dieser einheitliche Tenor ist auch zum Stadtfachverband durchgedrungen. „Die zurückliegende Saison hat gezeigt, dass eine Teilung besser wäre“, sieht Präsident Volker Buhtz ein, stellt im gleichen Zug aber fest: „Wir können nur mit dem arbeiten, was uns zur Verfügung steht.“

Die von Buhtz erhoffte Teilnehmerzahl von 20 Großfeld-Mannschaften scheint wohl knapp verfehlt zu werden. Auf Spekulationen über die neue Saison lässt sich der SFV-Präsident aber gar nicht erst ein. „Wie viele Mannschaften es werden, will ich nicht vermuten. Wir warten den 15. Juli ab und schauen dann, was uns zur Verfügung steht. Planungen, die auf Annahmen basieren, ergeben in dieser Situation keinen Sinn“, erklärt er. Und trotzdem darf man nach den jüngsten Entwicklungen leicht optimistisch sein, dass der rasante Schwund wohl zumindest vorerst gestoppt werden konnte.