Volksstimme: Mitte Mai informierte der Verein in einer dürren Erklärung darüber, dass das Vertragsverhältnis im Zuge einer geplanten Neuorganisation am 30. Juni endet. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Johannes Fritsch: Das Ganze kam auch für mich eher unerwartet. Auch mir gegenüber wurden organisatorische Gründe geltend gemacht. Ich habe aber auch jetzt noch den Eindruck, dass andere Gründe ausschlaggebend waren. Ich wäre sogar bereit gewesen, auf Geld zu verzichten.

Sie sind mit vielen Vorschusslorbeeren gekommen. Wie empfanden Sie die Zeit beim MFFC?

Das war eine schöne Erfahrung, die ich hier machen durfte. Die Infrastruktur mit Schule, Trainingsgelände und Verein ist schon top. Aus den Gegebenheiten wird meiner Meinung nach aber zu wenig gemacht. Ab dem März hatte ich das Gefühl, dass einige im Verein gegen mich gearbeitet haben. Auch war der Weggang von Caroline Kunschke, einer absoluten Fachfrau, ein tiefer Einschnitt und negativer Knackpunkt.

Was lief falsch, da die Frauen am Ende nur Vierte in der Regionalliga, die B-Juniorinnen Fünfte in der Bundesliga wurden?, da die Frauen am Ende nur Vierte in der Regionalliga, die B-Juniorinnen Fünfte in der Bundesliga wurden?

Ich würde sagen, falsch lief nichts. Eher: Manches lief nicht ideal. Dass wir mit den Frauen nichts mit dem Aufstieg zu tun haben werden, war von vornherein klar. Das Ziel hieß sogar zunächst nur Klassenerhalt, später intern Platz drei. Ich bin mit dem Abschneiden der Frauen extrem zufrieden, wenn man bedenkt, dass das Durchschnittsalter zum Saisonende hin gerade mal 18 Jahre betrug. Bei der U 17 war es zum Schluss angesichts der zahlreichen feststehenden Abgänge im Sommer und der damit verbundenen emotionalen Dinge schwierig, die entsprechende Lockerheit reinzubringen. Die Mannschaft ist etwas an sich selbst und den vereinsinternen Konflikten gescheitert. Andererseits haben gestandene Nationalspielerinnen ihren Status gefestigt und mit Theresa Brauer und Pia Metzker haben zwei Neue den Sprung geschafft. So war es eben bei der U 17 mit Rang fünf die Platzierung aus dem Vorjahr. Es wäre mit den Mädels aber sicher mehr möglich gewesen.

Worin sehen Sie die grundsätzlichen Probleme des Frauen- und Mädchenfußballs in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt?

Das größte Problem ist das sportliche Niveau. Es fehlt ganz einfach an Masse und vor allem an Klasse. Das hat aber seine Gründe. Die Mädchen werden in den Vereinen im Land sicherlich gefördert, aber nicht genug gefordert. Bei uns bleiben sie auch nur bis zu einem gewissen Alter, bis zum Schulabschluss, dann locken andere Hochschulorte und die Metropolen. Es fehlt prinzipiell die Kontinuität in der Entwicklung, auch weil die Konkurrenz mit Wolfsburg, Leipzig und Berlin einfach zu groß ist.

Wie sehen Sie die Perspektiven für den MFFC?

Wichtig wäre eine erfahrene sportliche Leitung mit Frauen wie Caroline Kunschke oder auch Elfie Wutke (frühere Spielerin und spätere Funktionärin). Und natürlich fehlt es generell auch immer am nötigen Geld. Darum ist es umso wichtiger, dass die gute Infrastruktur erhalten bleibt.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Ich werde sicherlich auch künftig als Trainer arbeiten. Es gibt fünf Interessenten, davon zwei aus dem Osten und zwei aus Nordrhein-Westfalen, woher ich ja auch komme. Ob ich direkt weiterarbeite als Trainer, lasse ich mir offen, da so immer Familie und Freunde leiden – es müsste schon eine Stelle mit langfristiger Perspektive sein. Zudem möchte ich gern mein Fernstudium des Sportmanagements weiterführen, das mit der zusätzlichen Übernahme der U 17 des MFFC im März deutlich zu kurz kam.