Magdeburg l Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Fußball-Verbandsligist einen neuen Akteur für die kommende Saison präsentiert. Dirk Hannemann hat dieses bisherige Treiben an der Wechselbörse aufmerksam beobachtet. Und genauso kritisch beäugt: Das Werben um Spieler hatte ja schon begonnen, „bevor die Saison abgebrochen wurde“, sagt er. Während der Krise also. Ohne zu wissen, ob die Serie nicht doch fortgesetzt wird. Was Hannemann, der Trainer des SV Fortuna Magdeburg, als schlechtes Zeichen für den „Respekt unter den Vereinen“ empfindet. Und für die Loyalität von Spielern gegenüber ihren Teams außerdem.

Als Christopher Garz und Lukas Grewe also ihren Abgang zum Ummendorfer SV (Landesliga Nord) verkündeten, war der Coach überrascht. Zumal der 21-jährige Grewe und der gleichaltrige Garz in der Verbandsliga jeweils auf 14 Einsätze kamen. Grewe markierte dabei zwei, Garz sogar fünf Treffer. Und beide Akteure gehörten „zum Konzept, das wir jetzt seit einigen Jahren durchziehen und auch weiter fortführen werden“, so Hannemann. Eines nämlich, das den Fortunen eine Zukunft sichern und schon in der kommenden Saison die nächsten Früchte tragen soll.

Hannemann hat im Gegensatz zu anderen Vereinen „niemanden angerufen“, berichtet er: „Ich wollte die Mannschaft zusammenhalten.“ Trotzdem plant auch er mit drei neuen Akteuren. Und zwar aus den eigenen A-Junioren. Wer genau das sein wird, steht noch nicht fest. Allerdings kann das qualitativ nicht schlecht sein. Denn das Nachwuchskonzept hat mit Platz eins des ältesten Jugendkaders in der Verbandsliga und dem Recht auf den Regionalliga-Aufstieg einen schönen Höhepunkt gefunden.

Mit 14 Siegen, einem Unentschieden und lediglich einer Niederlage hat sich die Mannschaft von Trainer Eicke Schiller an die Spitze der höchsten Liga Sachsen-Anhalts geschossen. „Stand jetzt sind sich im Verein alle einig, dass die A-Junioren aufsteigen“, sagt Hannemann. Ganz selbstverständlich ist das nämlich nicht.

Zu bedenken ist nicht nur der Kostenfaktor: Schiedsrichter werden teurer, Fahrten zu Auswärtsspielen länger. Zu bedenken ist außerdem die sportliche Tatsache: Es ist ein qualitativ großer Sprung in die Regionalliga. Durch die Kooperation mit dem 1. FC Magdeburg könnte dieser womöglich erleichtert werden. Und die jungen Fortunen wollen sicher in die Regionalliga kommen, um dort auch zu bleiben.

Hannemann selbst bittet derweil seinen Kader zum Kleingruppen-Training an den Schöppensteg. Jeden Montag, jeden Mittwoch absolvieren Fortunen ihre Einheiten. Und Hannemann schaut auf den Verbandstag des Landesverbandes FSA am 12. Juni, wenn ziemlich sicher die endgültige Entscheidung über den Saisonabbruch gefällt wird. Das wäre auch gut für den Rasenplatz der Fortunen, der ab dem 15. Juni aufgefrischt werden soll und dann „sechs bis acht Wochen ruhen muss“, berichtet der 49-jährige Coach.

Er hofft zugleich, dass er bis dahin nicht noch weitere Abgänge vermelden muss. Ob sich Liga-Rivalen indes mit ihrem bisherigen Treiben an der Wechselbörse auch verstärkt haben oder ob es Überraschungen gab, darüber denkt der Trainer nicht nach: „Das muss jeder Verein selbst wissen.“