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Die DDR bestritt im Mai 1990 ihr einziges Frauenfußball-Länderspiel. Die Magdeburgerin Maika Alex (51) stand damals in Potsdam beim 0:3 gegen die Tschechoslowakei im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Sportlich aktiv war Wirbelwind Maika Alex von Kindheit an. Nachdem die heute 51-Jährige als Schwimmerin beim SC Magdeburg keine Perspektive mehr hatte, lockte schnell der Fußball. Mit den Jungs spielte sie viel auf den Bolzplatz.

Familie ist "Schuld"

Großen Anteil daran hatten die drei Onkel in Schackensleben, wo Maika Alex in ihrer Kindheit viel Zeit bei der Oma verbrachte. Einer aus dem fußballverrückten Trio, Dieter Niedzolka, wurde später ihr größter Fan, ließ weder bei der SG Handwerk, noch später beim SV Fortuna oder dem Magdeburger FFC, erst recht nicht in Altenweddingen ein Spiel aus.

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„Bei meiner Mutter war das schon etwas anders. Die war zunächst dagegen, dass ich Fußball, und dann auch noch im Verein, spielte. Das änderte sich erst, als mein Name immer öfter in der Zeitung auftauchte. Da war sie dann richtig stolz“, erinnert sich der in Sudenburg aufgewachsene Schwarzschopf.

Lothar Hamel, ihr Entdecker

Als ihr Entdecker bei der SG Handwerk gilt der vor kurzem im Alter von 77 Jahren verstorbene Lothar Hamel, bei dem Maika Alex hauptsächlich im offensiven Mittelfeld zum Einsatz kam. Später rückte sie immer weiter nach hinten, gab ihren Abschied 2007 beim 1:6 im DFB-Pokal-Spiel des MFFC gegen die SG Wattenscheid 09 im Tor der Elbestädterinnen.

„An dieses Spiel erinnere ich mich heute noch äußerst ungern, mindestens ein Tor ging voll auf meine Kappe, als ich über den Ball säbelte“, so Alex. Ihre Nachfolgerin im MFFC-Tor wurde dann Almuth Schult, die heutige Nummer eins im deutschen Nationalteam.

Streng, aber fair

„Er war streng, aber fair und hatte schon was drauf“, charakterisiert Vollblutkickerin Maika Alex Coach Bernd Schröder, der 1990 neben Turbine Potsdam auch die DDR-Auswahl betreute und später mit den Havelstädterinnen zahlreiche nationale und europäische Titel feiern sollte.

Die Elbestädterin war damals das Küken während der kurzen Auswahlepisode, genoss aber die einwöchige Vorbereitung an der Sportschule in Leipzig-Abtnaundorf, wo es schon zu DDR-Zeiten eine Halle in Originalspielfeld-Größe mit Kunstrasen gab.

Das Küken in der DDR-Auswahl

Saß Maika Alex beim Länderspiel („Ein Wimpel und eine Urkunde sind meine einzigen Erinnerungen daran“) nur auf der Bank, kam sie bei der zwei Monate später stattfindenden Wettkampfreise durch Frankreich im Tor der DDR-Auswahl zum Einsatz. „Das war schon ein Erlebnis. An die Rückfahrt im Bus erinnere ich mich noch ganz genau, da wurden die deutschen Männer nämlich in Rom zum dritten Mal Weltmeister.“

Nach dem jähen Ende ihrer Auswahlkarriere machte Alex, die an der DHfK Sport studierte, bald ihren Trainerschein. „Das war gar nicht so einfach. Ich habe mich an DFB-Präsident Egidius Braun gewandt, denn für Nationalspieler gab es Sonderkonditionen. Ich habe zwar beim einzigen Länderspiel nur auf der Bank gesessen, aber es klappte. Ich war zusammen mit Hans-Uwe Pilz und Klaus Goldbach in einem Lehrgang, war nach der Wende die erste Frau mit einer A-Lizenz.“

Turbulente Nachwendezeit

Turbulent war die Nachwendezeit für Maika Alex auf alle Fälle. Nach ihrem Studium als Schwimm-Trainerin wurde ihr Wissen nicht mehr gebraucht, sie schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. So unter anderem im Fanprojekt der Landeshauptstadt beziehungsweise des 1. FC Magdeburg. Während sie selbst krankeitsbedingt eine längere Fußballpause einlegte, trainierte sie unter anderem in Gardelegen A-Junioren, wirkte getreu ihrem Motto „Ihr müsst nach meiner Pfeife tanzen, nicht umgekehrt“ als Schiedsrichterin in der Landesklasse.

Der fußballverrückte Karl-Edo Fecht, später langjähriger Präsident des MFFC, und Trainer Detlef Pape reaktiverten sie 2000 als Spielerin des aufstrebenden SV Altenweddingen. Dort traf Maika Alex auch auf Ellen Mainka, mit der sie zu DDR-Zeiten schon bei Handwerk Magdeburg in einem Team spielte.

Als Lehrerin ihre Erfüllung gefunden

Seit dem Jahr 2005 arbeitet Maika Alex als Lehrerin Sport/Förderschule an der Waldorfschule Magdeburg. „Hier finde ich meine Erfüllung. Ich habe mich weiterqualifiziert und liebe es, mit Kindern zu arbeiten. Insbesondere mit verhaltens-originellen Personen, wie ich ja selbst möglicherweise eine bin.”

Maika Alex, gegen die der Autor dieser Zeilen schon vor mehr als 35 Jahren nur wenige Chancen beim spaßbetonten Fußballspiel hatte, ist zwar mittlerweile sehr viel ruhiger geworden, aber noch immer fußballverrückt. Seit 1991 ist sie Mitglied beim FC Bayern München. „Ich habe seitdem jedes DFB-Pokalfinale mit Bayern-Beteiligung live im Stadion erlebt, war auch beim Champions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dortmund vor Ort im Wembley-Stadion“, ist sie stolz auf die FCB-Mitgliederkarte mit einer niedrigen fünfstelligen Mitgliederkartei-Nummer.

Alex hätte die Saison in der Bundesliga abgeb

Bei aller Fußballbegeisterung hat Maika Alex aber auch einen Blick für die aktuelle Realität in Corona-Zeiten: „Ich wäre für einen Saisonabbruch, auch in der Bundesliga, gewesen. Aber der Kommerz steht im Mittelpunkt. Die Spielergehälter und Ablösesummen sind viel zu hoch.“

Und auch zum Geschehen bei ihrem einstigen Verein, dem Magdeburger FFC, bei dem sie in der Zweitligaaufstiegs-Saison aufhörte, hat sie eine klare Meinung: „Die Regionalliga ist derzeit realistisch, mehr nicht. Der Abgang von Karl-Edo Fecht vor einiger Zeit war schon ein großer Verlust.“