Magdeburg l Im siebenten Jahr nach der Reorganisation konnte sich der SV Aufbau/Empor Ost erstmals die Krone in diesem Wettbewerb aufsetzen. Im Jahr zuvor noch der TuS -Reserve unterlegen, setzte sich die Mannschaft von Trainer Norbert Tietz am 1. Mai 1997 auf dem Sportplatz Seilerwiesen gegen die zweite Mannschaft des MSV 90 Preussen mit 4:3 (1:2, 2:2) nach Verlängerung durch und holte sich den Cup.

Ein Krimi über 120 Minuten

Wie die Volksstimme einen Tag nach dem Maifeier- und Spieltag schrieb, „sahen die zahlreichen Zuschauer einen wahren Krimi“, ehe der Sieger feststand. Dabei sah der Kontrahent aus Sudenburg bereits früh wie der Sieger aus. Dirk Künnemann (17. Minute) und Holger Kafanke (33.) hatten die MSV-Reserve früh mit 2:0 nach vorn gebracht.

Doch AEO gab nicht auf. Zu den psychologisch günstigen Zeitpunkten kurz vor und nach dem Seitenwechsel erzielten die Ostelbier durch Holger Schummer (44. Minute) und Torsten Hosang (46.) den Anschluss- und Ausgleichstreffer zum 2:2. Als dann gar Olaf Stierholz nach gut einer Stunde per Strafstoß zum 3:2 für AEO traf (63.), deutete vieles auf einen Sieg der Tietz-Truppe hin.

Doch dieses Mal war es der MSV, der zurückkam. Jedenfalls glich Ralf Böttger in der Schlussminute zum 3:3 aus und erzwang damit die Verlängerung. In dieser hatte der Sekundenzeiger gerade einmal zwei Runden absolviert, als mit dem Treffer durch Ingo Karnbach bereits der Endstand erreicht war.

Vermeintliche Entscheidung zählt nicht

„Ich weiß noch, dass wir in einer zunächst ausgeglichenen Partie nachher die besseren Chancen hatten und letztlich verdient gewonnen haben“, berichtet Norbert Tietz noch immer mit Stolz. Der heutige AEO-Funktionär, der Abteilungsleiter Fußball, blickt bald auf eine 50-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Verein zurück, weiß so noch, dass seine Elf gar mit 4:2 in Führung gegangen war. „Doch fand dieser Treffer von Jürgen Gebauer wegen einer Abseitsposition keine Anerkennung“, so Tietz zurückblickend. Anschließend wurde der Sieg in der „Abseitsfalle“, jenem AEO-Sportheim, welches Tietz seit 2005 betreibt, ausgiebig gefeiert.

Noch heute, mehr als 23 Jahre nach dem erstmaligen Gewinn des Stadtpokals, hat Tietz Kontakte zu einzelnen Spielern der damaligen Mannschaft. „Es ist aber wie im gesamten Leben. Zu einigen reißt der Kontakt zwangsläufig ab, weil sie nichts mehr mit dem Fußball zu tun haben oder einfach weggezogen sind“, erzählt er. So, wie bei Enrico Schäfer, der „heute als Kapitän zur See die Ozeane unsicher macht“.

AEO-"Matrosen" und ein Kapitän

Andere halten weiter die Treue zum Fußball und auch zum Verein. So wohnt und spielt der bekannte Magdeburger Urologe Olaf Stierholz heute in Calbe. Bis zuletzt jagten Thomas Lindenroth und Tino Franzen bei den Alten Herren des Vereins dem runden Leder nach. Reiner Hübner und Holger Schummer zählen noch heute zum Team der Kleinfeldmannschaft im Gübser Weg.

Nicht mehr aktiv ist dagegen der damalige Keeper Steffen Schmidt. „Trotzdem hält er noch Kontakt zum Verein. Immerhin spielt sein Sohn jetzt bei uns“, so dessen damaliger Trainer. „Gar nicht vergessen darf man bei einem solchen Rund- und Rückblick natürlich Ingo Karnbach, die treue Seele von AEO“, erzählt Tietz weiter. „Mit nunmehr 47 Jahren spielt Ingo immer noch in der ersten Männermannschaft, gibt dem Team Rückhalt.“

Unvergessen ist natürlich auch Jürgen Gebauer. „Jürgen spielt zwar keinen Fußball mehr, ist aber donnerstags gern gesehener Stammgast in der Abseitsfalle“, so Wirt Tietz. „Ansonsten ist er jetzt am Wochenende viel in der Altmark unterwegs. Sohn Martin, jahrelang im FCM-Nachwuchs und in der zweiten Mannschaft der Blau-Weißen am Ball, hatte es im Januar 2011 zu Lok Stendal gezogen. Jetzt spielt Martin noch in Arneburg, nennt aber ein Gehöft sein eigen, in dem viel Arbeit anfällt. Da hilft der Jürgen eben am Wochenende.“