Magdeburg l Faschingszeit heißt Zeit zum Improvisieren. Davon können viele Eltern ein Lied singen. Pirat? Cowboy? Feuerwehrmann? Die Wahl fällt häufig schwer. Nicht so bei der Familie Temp. Da musste nur der Kleiderschrank geöffnet und zum Fußballtrikot gegriffen werden. Dazu noch einen Bart gemalt und fertig war das Kostüm. Marvin verkleidete sich als Franck Ribéry, sein ein Jahr älterer Bruder Justin als Arjen Robben. „Ungewollt“ waren das die Vorbilder der Brüder, denn Fans des FC Bayern waren sie nie. Doch eben ein ähnlich eingespieltes Duo wie die damalige Flügelzange des Rekordmeisters.

Fußball lag den beiden eben in den Genen. Wie auch den anderen sechs Geschwistern. „Jeder hat mal versucht, Fußball zu spielen. Bei manchen hat es mehr geklappt, bei manchen weniger“, berichtet Marvin und lacht. Die Temps sind eine fußballverrückte Familie. Das fängt bei Papa Dirk an, der viele Jahre bei Germania Olvenstedt im Tor stand. Und geht bis zum jüngsten Sprössling Luca. Der Siebenjährige kickt beim SV Fortuna im Nachwuchs. Während Julia (28), Josi (27) und Steven (26) nicht mehr spielen, sind Kevin (24) und Justin (20) bei der SG Traktor Wellen in der Bördekreisklasse aktiv.

Immer jemand da für den Bolzplatz

Auch Celine blickte – nicht nur beim Fasching – zu den älteren Brüdern auf und fand schnell Gefallen am Volkssport Nummer eins. „Es war damals toll mit so vielen Geschwistern. Wir waren zwar nie alle zusammen auf dem Bolzplatz. Aber man hatte immer jemanden. Wenn mein Bruder nicht wollte, bin ich mit meiner Schwester gegangen“, sagt Marvin. Der 19-Jährige entwickelte so schnell ein gutes Verhältnis zu Celine.

Und die 15-Jährige hat mit ihrem Bruder auch einiges gemeinsam. Sie spielt – wie Marvin früher – in der Bundesliga. Die beidfüßige Abwehrspezialistin läuft für den Magdeburger FFC in der B-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost auf. Angefangen hat sie bei Fortuna als Stürmerin. Doch warum kümmert sich die ehemalige Sport- und jetzige Sekundarschülerin jetzt um das Toreverhindern? „Das war die Entscheidung des Trainers. Mir gefällt es aber auch besser. Es macht viel Spaß, die Gegnerinnen zu stoppen.“

Torriecher beim MSV Börde bewiesen

Bei Marvin, der wie seine älteren Brüder bei der SG Handwerk anfing mit dem Kicken, war das anders. „Ich wurde von klein auf immer offensiv aufgestellt.“ Auch bei Fortuna. Bei den Neustädtern spielte er von 2009 bis 2011, ehe er zum 1. FC Magdeburg wechselte. Dort wurde er aber dann in der U 15 weiter nach hinten positioniert, spielte als Rechtsverteidiger. „Das hat mir nicht mehr so viel Spaß gemacht“, gibt er zu. In der B-Jugend wurde er dann zum MSV Börde „ausgeliehen“ und hatte seinen Vater als Coach. Ein Segen für ihn: Denn er durfte wieder als Stürmer ran, bewies mit 25 Toren in 17 Verbandsliga-Einsätzen, warum er vorne aufgestellt werden will. Und das stellte er in den folgenden drei Jahren auch beim Club wieder unter Beweis und wurde im vergangenen Sommer mit einem Profivertrag belohnt.

Mit Celine ist Marvin immer noch „stets im Austausch“. Der 19-Jährige holt seine Schwester oft vom Training ab. „Dann reden wir über die Ergebnisse vom Wochenende und wie es für uns lief“, berichteten die Geschwister.

Neuerdings ist das aber nicht mehr so einfach. Denn Marvin wagte den Schritt aus seiner Heimatstadt heraus. Er wurde vom FCM für ein halbes Jahr an den Regionaligisten Germania Halberstadt ausgeliehen. „Das ist schon neu alles. Zum ersten Mal spiele ich außerhalb von Magdeburg.“ Aber einige Spieler wie Pascal Schmedemann oder Anton Kanther kennt er ja schon. Bildet mit den anderen FCM-Leihgaben und Kumpels eine Fahrgemeinschaft.

Zwei Viertelfinal-Duelle gegen Halle

„Ich habe mich schnell in die Mannschaft eingelebt“, berichtet der Flügelflitzer mit einem Marktwert von 75 000 Euro. Geholfen hat dabei auch der Sieg im Landespokal-Viertelfinale gegen den Halleschen FC. „Halle liegt mir einfach“, berichtet er lachend. Denn: Im Viertelfinale durfte er auch schon für den FCM ran, erzielte in der Hinrunde beim 5:1 der Magdeburger beim BSV Halle-Ammendorf sogar einen Treffer.

Und nun trifft er im Germania-Trikot also auf seinen Herzensverein, bei dem er früher selbst im Block stand. Und für den er eines Tages im eigenen Stadion einmal auflaufen will. Denn während Celine als bescheidenes Ziel ausgibt, es in die erste Frauenmannschaft des MFFC zu schaffen, hat Marvin klare Vorstellungen: „Ich will mit dem Fußball mein Geld verdienen und beim FCM Fuß fassen.“

Dafür muss er „ein halbes Jahr Vollgas geben in Halberstadt“. Dann wird sein Traum vielleicht wahr, in der MDCC-Arena aufzulaufen. Beim Spiel gegen Rostock in der Vorrunde stand er bereits im Kader, hat beim Warmmachen gehofft und gebangt. Doch er kam nicht zum Zug. „Schon mit zehn Jahren habe ich gesagt, dass ich irgendwann mal in diesem Stadion spielen will.“ Sicherlich ging ihm dieser Gedanke damals auch beim Fasching durch den Kopf. Und wenn er dann eines Tages mal für den FCM aufläuft, wird er wiederum daran denken, wie er damals als „Mini-Ribéry“ davon geträumt hat.