Magdeburg l Am Tag danach suchte Torsten Marks ein wenig Ablenkung. Der Trainer des MSC Preussen war gestern Nachmittag mit seinem Hund spazieren, als er dieses merkwürdige Fußballspiel des Vortages noch einmal vor dem inneren Auge Revue passieren ließ. Diese 90 Minuten im Landespokal, dieses irgendwie kaum erklärbare Ergebnis. 0:1 hatten seine Preussen gegen den SSV Havelwinkel Warnau verloren. Trotz drückender Überlegenheit.

„Es war genau das Spiel, das ich erwartet hatte“, resümierte Marks. „Warnau war ein unbequemer, ekliger Gegner. Wir haben 80  Minuten auf ein Tor gespielt, aber wir haben uns die Zähne ausgebissen an der massiven Abwehr. Und wenn dann auch erfahrenen Spielern mal Fehler unterlaufen, dann kommt so ein Ergebnis zustande.“

Rückpass führt zu Gegentor

Was Marks meinte, war die Situation, die bereits in der zehnten Minute zum entscheidenden Treffer führte: ein langer Schlag aus der Warnauer Abwehr, der eigentlich sichere Beute für Abwehrspieler Tom Kupke schien. Doch dessen Rückpass zu Torhüter Dominik Schumann geriet zu kurz. Warnaus Angreifer Kevin Schmoock erlief den Ball und erzielte per Lupfer die Gäste-Führung. „Zehn Minuten später gab es noch eine ganz ähnliche Szene, in der uns Schumi im Tor rettet“, erzählte Marks.

Was folgte, war ein langes und vor allem erfolgloses Anrennen der Preussen. Und wer Torsten Marks davon berichten hörte, der musste sich fast ein wenig daran erinnert fühlen, was der 1. FC Magdeburg vier Spielklassen höher zuletzt öfter erlebt hat: defensiv stehende Gegner, gegen die der Mannschaft zu wenige Lösungen einfallen.

Denn bei aller Feldüberlegenheit der Preussen: „Uns hat die letzte Entschlossenheit gefehlt“, bemängelte Marks. „Und je länger das Spiel dauerte, desto fahriger sind wir geworden. Gerade im Spielaufbau sind uns dann viele Fehler unterlaufen.“

Gegner holt Optimum heraus

Nach dem Spiel rief der Coach seine Spieler noch auf dem Spielfeld in einem Kreis zusammen. Richtig viel, berichtete er später, sei ihm bei der Ansprache aber nicht eingefallen. Zu ratlos war er im ersten Moment. Zu verärgert. Auch der Glückwunsch an den Gegner und dessen Trainer Ralf Franke fiel da noch kurz aus. Dabei hatte Marks beim Spaziergang am Tag danach sehr wohl Lob für den Liga-Konkurrenten.

„Wenn ich sehe, wie Warnau als Mannschaft kämpft, was die aus ihren Möglichkeiten machen“, sagte Marks. „Sie spielen natürlich sehr defensiven Fußball, machen das Spiel langsam. Aber sie machen es einem einfach unglaublich schwer, in einen Rhythmus zu kommen. Und das gilt es dann auch anzuerkennen, wenn ein Gegner es so versteht, das Optimum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen.“

Umgekehrt hofft Torsten Marks bei seinen Jungs auf einen Lerneffekt. „Gefühlt waren mit Ausnahme von unserem Torhüter die ganze Zeit 21  Mann in der Warnauer Hälfte, da ist es dann natürlich unglaublich eng.“ Doch er ahnt: „Es werden noch andere Gegner so gegen uns spielen.“ Womöglich schon der kommende Liga-Kontrahent Blankenburger FV, der am Freitag bei den Preussen gastiert, spätestens dann die Warnauer, wenn die Mitte Oktober zum Ligaduell nach Magdeburg kommen.

Liga ist für Preussen wichtiger

Also wird Torsten Marks die Trainingswoche ab heute nutzen, mit seiner Mannschaft Lösungen zu entwickeln. In der Liga hat der MSC große Ambitionen. „Den Landespokal hätten wir wohl sowieso nicht gewonnen“, orakelt der Trainer. „Deshalb ist die Niederlage vielleicht nicht ganz so schmerzhaft, wie sie in der Liga gewesen wäre. Auf der anderen Seite sind wir aber Fußballer – wir wollen jedes Spiel gewinnen.“ Und die Art und Weise, wie die Pokalpleite am Sonnabend zustande gekommen sei, mache es nicht einfacher. „Für den Kopf ist so eine Niederlage schon schwierig.“

Also heißt es, die Köpfe freizubekommen. Egal wie. Beim Training oder auch beim Spaziergang mit dem Hund.