Magdeburg l Vor dem Spiel ist Oliver Malchau erst einmal beschenkt worden. Mit Blumen und einem Bild aus jenen Tagen, als der Trainer des VfB Ottersleben noch den Nachwuchs zum Erfolg anleitete. Noch in der vergangenen Saison haben seine Schützlinge von heute in der A-Junioren-Verbandsliga den zweiten Platz belegt. Am Sonnabend betraten sie nun das Abenteuer Fußball-Landesliga der Männer. Und so abenteuerlich lief auch die Partie gegen Grün-Weiß Ilsenburg, die der VfB unter dem Jubel von 68 Müttern, Vätern und Fans nach einem 1:3-Rückstand noch mit 4:3 gewannen. Jeweils zweimal trafen dabei Florian Purrucker (9., 84.) und Felix Schirge (72., 81.) – und damit die ältere und ganz junge Generation.

Schirge hätte sicher auch ohne den Aderlass am Schwarzen Weg in der neuen Saison eine gute Rolle in dieser Mannschaft gespielt. „Ich habe schon Profiluft geschnuppert“, berichtet der 18-Jährige, der bei RB Leipzig und für den 1. FC Magdeburg spielte, ehe er im Sommer 2018 zum VfB zurückkehrte. Für den FCM mag er zu klein und zu schmächtig gewesen sein, für Ottersleben ist er eine Bereicherung ob seiner Lauffreude und seiner technischen Begabung. „Ich kenne hier die Leute seit kleinauf, spiele mit den Jungs seit dem Kindergarten zusammen.“ Auch deshalb hat „die Integration in der Vorbereitung sehr schnell geklappt“, sagt er.

Mutige Entscheidung

Es war natürlich auch ein Risiko, ausschließlich auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Schirge nennt es eine „mutige Entscheidung“, nach 22 abgewanderten Akteuren gar keinen gestandenen Spieler zu verpflichten. Entsprechend ist er mit einem gemischten Gefühl in den Saisonauftakt gegangen. „Aber ich habe auch das Vertrauen in die Jungs“, so Schirge. Jungs, die seit der G-Jugend bereits unter Coach Malchau trainieren und spielen.

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So hatte die Startelf ein Durchschnittsalter 21,64 Jahre. Mit Christian Meyer (30) stand der Älteste, mit Carl Graup, im Juni 17 geworden, der Jüngste auf dem Platz. Und sie legten stark vor: Vor dem Führungstor verpasste Dominic Carl bereits einen Treffer. Die Gäste, die auf acht Akteure verzichten mussten und vier Spieler aus der zweiten Mannschaft im Aufgebot hatten, waren effizienter in ihrer Chancenverwertung. Dawid Lozinski (25.), Marcel Reuss (52.) und Justin Habel (68.) holten aus den wenigen Möglichkeiten das Optimale heraus.

Dynamik und Kampf

„Ich war, ehrlich gesagt, geschockt“, meinte Schirge zum Rückstand. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich Ilsenburg noch das Spiel aus der Hand nehmen lässt.“ Aber eines zeichnet den neuen VfB Ottersleben diesmal am meisten aus: Diese junge Dynamik, dieser unbeschwerte Kampf bis zur letzten Sekunde. Oder wie Schirge es beschreibt: „Wir geben Gas, wir haben Spaß, wir brennen noch ein gutes Feuerwerk ab. Wir haben eine gute Gang.“

In den letzten 20 Minuten brannte es für Ilsenburg lichterloh. Als sich das Mittelfeld bereits aufgelöst hatte, als Ottersleben die schnellen Akteure in die Spitze schickte. „Dafür ackern wir dreimal die Woche“, sagt Schirge. Der den ersten Sieg allerdings nicht überbewerten will: „Es wird schwierig für uns, das Ziel ist es, einfach nicht abzusteigen.“ Und wenn das passiert, wird der Jubel ihrer Mütter unendlich sein.