Magdeburg l Das Präsidium des Fußball-Landesverbandes hat gestern einstimmig beschlossen, den Spielbetrieb zunächst vom 12. bis 23. März auf Kreis- und Landesebene auszusetzen (siehe Pressemitteilung des Verbandes unten). Wie reagieren die Verantwortlichen in den Vereinen darauf?

Die Volksstimme befragte Verantwortliche aus Magdeburgs Fußball-Vereinen von der Verbandsliga bis runter zur Landesklasse über ihre Meinung zu diesem Beschluss.

Es gibt aktuell Wichtigeres als Fußball

Preussen-Coach Torsten Marks unterstützt jedenfalls den Beschluss. „Das ist ein richtiger Schritt. Es gibt momentan einfach wichtigeres als Fußball“, so der Coach des Landesliga-Zweiten. Um zu ergänzen: „Ich bin mir sicher, dass sich die Verantwortlichen in einer brutalen Situation befunden haben. Diese Entscheidung ist klar und ist allemal besser, als rumzueiern.“

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Ohne Entscheidungen die Saison beenden

Seine Mannschaft trainiert weiter, ohne das man sagen könne, was in den kommenden Tagen passiere. Auch in Fragen weiterer Saisonverlauf hat der Preussen-Coach eine klare Position. „Es wird für alle Mannschaften schwer, die Spiele nachzuholen. Da sich die Situation auch nicht in ein, zwei Wochen beruhigt haben wird, bin ich eher dafür, die Saison ohne Entscheidungen zu beenden und im August, oder wenn es geht, einen Neuanfang zu machen.“

Seine Kollege Marcus Mähnert vom MSV Börde sieht die Sache so: „Der Beschluss ist eine vernünftige Maßnahme. Diese Entscheidung, so glaube ich, ist in dem gesellschaftlichem Konsens passiert, dass man mit solchen Maßnahmen die Ausbreitung des Virus stückweit verhindern kann. Für mich ist dabei immer wichtig, dass solche Maßnahmen für alle gelten. Also für ganz Sachsen-Anhalt.“ Die Mannschaft werde zunächst weiter trainieren, jedenfalls so lange, bis der Verein eine Entscheidung treffe. Dieser hatte unterdessen das Nachwuchstraining abgesagt und für den Abend eine Präsidiumssitzung einberufen, auf dem das weitere Vorgehen beraten wurde.

Verunsicherung ist groß

Dirk Hannemann, Trainer des Verbandsligisten SV Fortuna, meint: „Man muss den Beschluss akzeptieren.“ Er verweis darauf, dass generell „die Verunsicherung sehr groß ist, da der Informastionsfluss prinzipiell sehr schlecht“ sei. Wie es im Verein weitergehe, werde „man sich in den nächsten Stunden abstimmen. Wie wir konkret weiterfahren, ist noch nicht endgültig geklärt“, meinte er gestern am späten Nachmittag.

Zwiegespaltene Landesklasse-Meinungen

„Überrascht war ich in Anbetracht der Einwicklungen in der Sportwelt im Allgemeinen nicht“, meinte Florian Mehr, der mit seinem HSV Medizin dennoch lieber gespielt hätte.

Überraschter zeigte sich hingegen Jörg Grau, Trainer des Post SV, als er erst auf Nachfrage von der großen Meldung erfuhr. „Ist das so?“, fragte dieser zunächst verdutzt. „Wenn so entschieden wurde, müssen wir es akzeptieren“, so der 55-Jährige weiter. Er konnte der Absage auch etwas Positives entnehmen: „Wir haben aktuell einige Spieler, die etwas angeschlagen sind. Die können die Pause sicherlich nutzen, um zu regenerieren.“ Das Training soll in der Spielhagenstraße aber „aufrecht erhalten werden“.

Selbes gilt für die Reserve des SV Fortuna, die trotz der Absage am Donnerstagabend zum Training lud. „Wir werden uns intern beraten, wie wir fortfahren“, berichtet Trainer Marco Kilian. Für den Fortunen-Coach ist die Thematik allerdings aktuell mit zu viel Panik behaftet. „Ich persönlich finde diese Reaktion etwas übertrieben. Es geht ja nicht nur darum, zwei Wochen nicht zu spielen, viel mehr sehe ich die gesamte Saison gefährdet“, meint Kilian und ergänzt: „Da bleiben ganz viele Fragen offen, die es seitens des Verbandes zu beantworten gilt.“

Absage kam überraschend...

Die große Frage: „Wie geht es weiter, wenn der Spielbetrieb jetzt schon unterbrochen wird?“ schwirrte auch seinem Trainerkollegen vom BSV 79 durch den Kopf. Für Stephan Behrens kam die Absage „absolut überraschend“. „Ich hatte bezüglich meines Unternehmens am Mittwoch selbst Kontakt mit dem Gesundheitsamt und finde, dass sie da einen sehr guten Job machen. Darum kam es für mich überraschend, dass sich der FSA nun ohne behördliche Anweisungen zu diesem drastischen Schritt entscheidet“, erklärt er. „Aus der Sicht eines Entscheidungsträgers kann ich diesen Schritt aber vollauf verstehen, wenngleich ich als Sportler kein Fan davon bin. Der Verband möchte sich halt absichern“, räumt Behrens ein.

Genau darum empfindet Markus Goldmann von Germania Olvenstedt die Generalabsage als einzig richtige Option. „Das ist nur konsequent. In der aktuellen Situation muss die Priorität darauf liegen, die weitere Ausbreitung einzudämmen. Da darf sich der Fußball nicht rausnehmen“, formuliert der Sportliche Leiter klar. Das Training solle zwar weiterhin stattfinden, die nächsten Einheiten wurden vorerst aber bis Montag abgesagt. „Vorher gilt es, die Frage zu klären, unter welchen Bedingungen und Auflagen das möglich ist“, so Goldmann.

Entscheidung im Sinne der Vernunft

Dieselbe Frage stellt man sich auch beim SV Arminia. „Vorsorglich haben wir alle Trainings abgesetzt. Wir wollen im Vorstand beraten, inwiefern wir etwaige Auflagen für die Trainingsbetrieb erfüllen können“, erklärt Vorstandsvorsitzender Mathias Kühne. Sonderlich überrascht war er über die Absage nicht: „Beim Blick auf die bundesweiten Entwicklungen war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Die Entscheidung ist zwar rigoros, letzten Endes aber eine im Sinne der Vernunft.“