Magdeburg l Warendorf im Münsterland ist derzeit die zweite Heimat von SCM-Handballer Justin Kurch. Wäre der 19-Jährige dort zu Wochenbeginn nicht zur DHB-Juniorenauswahl gestoßen, hätte der großgewachsene Schwarzschopf in Warendorf wieder seinen normalen Dienst als Zeitsoldat antreten müssen.

Seit diesem Jahr gehört der Magdeburger der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Dort werden neuerdings nicht nur Individualsportler, sondern auch Mannschaftsspieler mit Kaderstatus gefördert. Im Januar hatte der talentierte Handballer in Hannover die Grundausbildung absolviert.

„Ich habe mich bei der Bundeswehr beworben, um mich wirtschaftlich etwas abzusichern neben dem Studium“, erläutert Kurch seine Motivation, es den Auswahlkollegen Gregor Remke (SC DHfK Leipzig) oder Max Mohs (Anhalt Bernburg) gleichzutun und neben dem Studium auf Lehramt für Sport beim Bund eine zumindest zeitweilige Perspektive zu suchen.

Im Sommer 2012 kam der gebürtige Zeitzer zum SC Magdeburg. Davor ging der bald 20-Jährige im thüringischen Gera auf Torejagd, weil es in seiner Heimatstadt keine Handballabteilung gab. Zweimal die Woche ist Kurch mit dem Zug ins 30 Kilometer entfernte Gera zum Training gefahren.

„Das war aber schon Stress für mich als kleiner Junge. Mein Trainer hat dann gesagt, ich soll zur Sportschule gehen. Ich habe mich dann in Magdeburg beworben, wurde auch angenommen und kam in der C-Jugend hierher“, erinnert sich der Kreisspieler an seinen Beginn beim SCM. Zuvor war er kurz in Halle. Da es an der Saale keine Mannschaft des 1999er Jahrgangs gab, ging es weiter an die Elbe.

Der kräftige junge Mann kam beim Club sofort in die B-Jugend, spielte aber zunächst auf der Rückraummitte. „Großgewachsen war ich schon immer. Dann kam aber ein richtiger Schub, und ich musste erstmal mit meinen Gliedmaßen klarkommen. Da hat der Trainer gesagt, wir stellen dich mal an den Kreis.“

Sein Platz ist am Kreis

Dort war dann nicht nur beim SCM seine Stammposition, weil er inzwischen den Ball mit einer Hand fangen und sich beim Torwurf behaupten konnte, sondern auch beim DHB. Im vergangenen Sommer stand Kurch gemeinsam mit Youngsters-Kapitän Neuhaus bei der U-20-EM in Celje in der bronzenen DHB-Auswahl.

Dann musste er abermals unters Messer, ließ sich an der linken Hüfte operieren. „Die OP war noch schlimmer als die an der rechten Hüfte ein Jahr zuvor. Ich habe immer noch einige Probleme. Aber das wird schon. Muss halt selber noch mehr dran arbeiten“, blickt der kräftige Kreisspieler nur ungern auf die letzten Monate zurück. „Die Ärzte denken, dass es ein Wachstumsproblem ist, das Normalsterbliche nicht weiter stört. Aber als Sportler ist es eine Belastung, die Hüfte kann sich abnutzen. Darum haben wir es lieber jetzt gemacht, ehe ich in drei, vier Jahren mit dem Handball aufhören muss“, zeigt sich Kurch einsichtig. Im Spiel stört es gar nicht. „Da habe ich keine Probleme, weil das Adrenalin alles überdeckt. Aber vorher und danach ist es manchmal schon noch hart.“

Seine sportliche Perspektive sieht Kurch, der einen Vertrag bis zum Sommer 2020 besitzt, durchaus beim SCM: „Da wir auf der Kreisposition in der Bundesliga aktuell ja gut abgesichert sind, werde ich mich ein weiteres Jahr bei den Youngsters bemühen und dann gucken, wie es weitergeht.“

Musa Vorbild, Fabregas Idol

Dabei spekuliert das Talent darauf, dass das Vorbild beim SCM auf seiner Position, der Kroate Zeljko Musa, langsam in die Jahre kommt. Sein eigentliches Idol am Kreis ist aber der Franzose Ludovic Fabregas vom FC Barcelona.

Auch wenn der Klassenerhalt mit den Youngsters noch nicht endgültig fix ist, gehen die Gedanken Richtung U-21-WM im Juli in Spanien. Kurch selbstbewusst: „Das ist mein Ziel, da will ich hin.“ Bis zum Wochenende hat DHB-Trainer Martin Heuberger 20 Spieler an der Bundeswehr-Sportschule Warendorf zusammen. Zum Abschluss folgen am Freitag in Dankersen und Sonnabend in Halle/Westfalen zwei Testspiele gegen Tschechien.