Magdeburg l Dreimal kam Justus Kluge frei zum Wurf. Dreimal fand der Youngsters-Kapitän aus 2017 in Flensburgs Keeper Tim Lübker seinen Meister. Zur Halbzeit blieb der 20-Jährige draußen. Nicht aus Frust, sondern weil er tags darauf absprachegemäß mit den Profis im EHF-Cup gegen Porto ran sollte.

„Dann machst du deine Tore eben morgen in der Getec-Arena“, gab Co-Trainer Frank Munter SCM-Eigengewächs Kluge noch mit auf dem Weg, ehe er ihm die Trainingsjacke zuwarf und den Linksaußen in die Kabine begleitete. Das klappte zwar am Sonntag nicht, dennoch ist Munter überzeugt, dass Kluge seinen Weg gehen wird.

Munter, die "Mutter der Kompanie"

Munter, der 2007 unter Helmut Kurrat als Co-Trainer bei den SCM-Youngsters einstieg, sieht sich auch ein bisschen als „Mutter der Kompanie“, der die Jungs aufmuntert und wieder in die Spur bringt.

Mit der SCM-Zweiten verbunden ist der gelernte Koch aber schon länger als nur elf Jahre. „Mit Helmut kam ich 1994 vom Fermersleber SV hierher. Da haben sie noch Oberliga gespielt. Mit Maik Machulla und Michael Jahns. 1999 sind wir dann nach Glinde gegangen.”

Wir, das sind Frank Munter und Helmut Kurrat. Beide waren in einer Kindergartengruppe, gingen in eine Klasse und begannen 1966 in der Mannschaft der Oskar-Linke-Schule in der Schmeilstraße mit dem Handball. In der C-Jugend übernahm dann der Club die komplette Mannschaft. Kurrat wurde später Nationalspieler und Europacupsieger, Munter musste aufgrund eines Lendenwirbelbruchs früh seine Spielerlaufbahn beenden.

Handballverrückte Familie

Handballverrückt ist die Familie Munter seit jeher. Sohn Steffen spielte beim SCM, natürlich trainiert vom Vater. Der andere Sohn, Sebastian, trainiert aktuell Eintracht Gommern.

„Meine Frau, die auch selbst gespielt hat, übernahm zu Hause die Koordination, das Management.“

Frank Munter, der nach Kurrat viele Chefs bei den Youngsters hatte, unter anderem Christian Prokop und Bennet Wiegert, musste ab und an auch schon mal als verantwortlicher Trainer ran. Unter anderem, „wenn Benno (Bennet Wiegert) mal spontan die Rote Karte gekriegt hat“, wie er dessen Gefühlausbrüche beschreibt.

Die Youngsters mussten gegen die Nordlichter lange Zeit schwer kämpfen, ehe am Ende ein doch noch klarer Erfolg feststand. SG-Torwart Lübker überraschte nicht nur mit einem Dutzend gehaltener freier Bälle, sondern auch mit seiner Nominierung. SCM-II-Chefcoach Vanja Radic: „Eigentlich hatte ich mit Jugendauswahlkeeper Johannes Jepsen gerechnet.“

Gelungene Comebacks erfreuen Radic

Gefreut haben den Youngsters-Coach neben den 14 Toren von Max Neuhaus, der unter anderem alle fünf Strafwürfe cool versenkte, auch die Comebacks von Richard Lößner und vor allem Justin Kurch nach langer Verletzungs- bzw. OP-Pause. Zudem lobte Radic seinen Kreisspieler Niklas Danowski. „Der hat geackert wie ein Pferd, viele Siebenmeter rausgeholt.“

Lukas Diedrich, der noch vor der Pause für den glücklosen Phil Döhler ins Tor kam, sowie Benedikt Hack, dem in der Schlussphase drei Tore in Folge gelangen, dürften sich ebenfalls zu den Gewinnern des Abends zählen. Die SCM-Zweite ging auch deshalb gegen die noch jüngeren Gäste als Sieger von der Platte, weil sie insgesamt weniger Fehler machte und weniger Fahrkarten als die Nordlichter warf.