Magdeburg l Wolfgang Matzat hat als Familienvater und Teamleiter in einem Baumarkt nicht nur, aber wohl ganz besonders in diesen Tagen genug zu tun, als dass er sich über Handball, sein Team und die Zukunft der Saison in der Sachsen-Anhalt-Liga Gedanken machen müsste. Das Coronavirus hat auch den Fokus des Trainers der Damen von TuS 1860 Magdeburg auf die lebenswichtigen Dinge gelenkt. Dazu gehört die derzeit lebenswichtigste Nachricht überhaupt: „Meine Familie und ich sind gesund“, sagt der Coach.

Wenn man mit ihm trotzdem über den Sport spricht, dann klingt ein bisschen die allgemein gültige Ratlosigkeit ob der Fortführung der Serie durch. Matzat hat seinen Schützlingen, die sich nach Aussetzung des Spielbetriebes bis 19. April im Wartemodus befinden, „einige Vorgaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitgegeben“, um sich individuell in Form zu halten. Aber die Möglichkeiten sind beschränkt. „Viele haben Kinder, die betreut werden müssen, sie müssen ihren Tagesablauf neu ausrichten“, erklärt Matzat. „Aber ich habe Vertrauen in die Frauen, sie wissen, was zu tun ist.“

Tun sollten sie nämlich was, solange es keine Generalabsage vom Deutschen Handballbund (DHB) gibt. „Wir haben noch drei Partien in dieser Saison zu absolvieren. Sollte die Serie aber ohne Wertung abgebrochen werden, dann wären wir natürlich die großen Pechvögel.“

An der Spitze

Die Neustädterinnen stehen nämlich ganz oben im Tableau. Matzat: „Ich könnte jetzt zynisch fragen: Wer soll uns noch schlagen?“ Aber natürlich weiß auch der Coach, dass das Spitzentrio sehr eng beieinander liegt. TuS führt mit 26:8 Punkten vor Lok Schönebeck (24:10) und TSV Niederndodeleben II (23:9), wobei der TSV ein Spiel weniger absolviert hat.

Zwölf Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen: Das ist die Bilanz des Spitzenreiters, der sich 2020 sogar um einen größeren Vorsprung gebracht hat. Am 18. Januar verlor TuS bei Post SV mit 20:23, am 23. Februar musste sich das Team gegen Lok Schönebeck mit 21:23 geschlagen geben. In einem Stadtderby kann alles passieren, gegen Lok indes „war unser Kader sehr dünn“, so Matzat.

Den nur acht Feldspielerinnen um die beste Saison-Schützin Jenny Friese (117 Treffer) fehlte am Ende womöglich die Kraft, um die Partie für sich zu entscheiden. „Deshalb will ich das Spiel gar nicht überbewerten. Letztlich war ja nichts passiert. Aber wir hätten schon gerne früher den Meistertitel in Sack und Tüten gehabt.“ Und: „Da wir jetzt oben stehen, wollen wir auch bis zum Schluss oben bleiben.“ Ob TuS dann den Schritt in die Mitteldeutsche Oberliga gehen würde, lässt Matzat offen. „Wir wollen mal das Ende abwarten.“

Der Wunsch des Trainers

Und es wäre tatsächlich eine Wunschvorstellung des Trainers, die Saison zu Ende zu spielen. „Ich persönlich hätte nichts dagegen“, bestätigt der 48-Jährige. „Es geht auch um das Spiel an sich. Um den Spaß. Und darum, dass jeder die gleichen Chance haben soll.“

Und es geht um Jenny Friese. Matzats beste Werferin liefert sich ein Duell mit Anja Muth vom Post SV in der Torjägerliste. Muth führt diese nämlich mit 119 Treffern an. Matzat sagt also: „Ich würde mich sehr für Jenny freuen, wenn sie sich noch an die Spitze werfen kann. Aber ich weiß auch, dass ihr die Punkte für die Mannschaft immer wichtiger sind.“