Magdeburg l Auch in Duisburg ist das Wasser sehr kalt. Und der Pegel niedrig. Gesunken um 70 Zentimeter. In Duisburg, sagt Moritz Florstedt vom SCM, „fühlt es sich an, als würde man durch zähes Leder fahren“. Deshalb hat jede Fahrt auch einen Sinn: Sie dient der Vorbereitung auf die Saison.

Florstedt ist dort mit der U-23-Auswahl des Deutschen Kanuverbandes (DKV). Erst hatte die Mannschaft ihr Camp in Kienbaum aufgeschlagen, um Kraft zu tanken. Nun ist er also in Duisburg, um Kilometer zu sammeln. „Wir dürfen das Gelände nicht verlassen, und wir wollen es auch nicht“, berichtet Florstedt. Wegen Corona.

Womöglich wird er irgendwann in den nächsten Monaten für derartige Mühen und Opfer belohnt. Zunächst nachträglich. Und ohne sich dafür ins Kajak setzen zu müssen. Wegen Epo. Wegen Dopings mit dem eigenen Blut. Festgestellt bei Andras Redl, einem Ungarn, einem zweifachen Junioren-Weltmeister. Einem Bezwinger von Moritz Florstedt.

Spektakuläres Rennen

Es war am 2. August des vergangenen Jahres, Florstedt zum Finale der U-20-WM im rumänischen Pitesti ins Boot gestiegen, um die erhoffte Medaille im K1 über 1000 Meter zu gewinnen. Es entwickelte sich ein spannender Dreikampf um die Plätze zwei, drei und vier, in dem der heute 19-Jährige nur knapp das Nachsehen hatte. Der Tscheche Tobias Sobisek sicherte sich Silber in 3:46,526 Minuten, ihm folgte der Spanier Pablo Sanchez mit 0,4 Sekunden Rückstand, ihm wiederum folgte Florstedt mit 0,695 Sekunden Rückstand. Nur einer fuhr weit voraus: Andras Redl, der in 3:43,493 Minuten deutlich gewann. Jetzt hat der 19-Jährige verloren.

Redl wurde im Juli dieses Jahres außerhalb des Wettbewerbs positiv auf Epo getestet und wurde gleich für vier Jahre bis zum 22.Juli 2024 gesperrt, heißt es in einer Mitteilung des Weltverbandes ICF. Gegen das Urteil kann Redl in den nächsten Wochen Berufung einlegen. Stand heute hat er die ersten möglichen Olympischen Spiele seiner Karriere in Tokio 2021 und drei Jahre später in Paris bereits verpasst. Und womöglich noch mehr. Junge Sportler „werden nicht nur erwischt und haben dadurch ihre sportliche Karriere ruiniert“, sagt Don McKenzie, der Anti-Doping-Chef beim ICF. Sie würden zudem schwerwiegende gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen. Und den Betrug am sauberen Athleten – wie Sobisek, wie Sanchez, wie Florstedt.

Es ist derzeit rein spekulativ, ob Redl seine beiden Goldmedaillen aus Pitesti über die 500 und 1000 Meter ebenfalls abgeben muss. Zumal er sich noch erklären darf. Dennoch ist die Frage, mit der sich auch der Florstedt beschäftigt hat: Sollte er durch eine entsprechende Aberkennung nachträglich selbst aufs Podium rauschen, würde er sich freuen?

Es ist am Telefon zu hören, dass der Magdeburger mit diesem Gedanken gerungen hat. Er sagt dann zum einen: „Ja, ich würde mich über den dritten Platz freuen, allerdings mit einem ganz großen Aber.“ Und er erklärt zum anderen: „Ich hätte gerne die Emotionen erlebt, noch einmal auf dem Podest zu stehen vor der Zuschauertribüne nach einem der spektakulärsten Rennen, das bei der WM gelaufen ist.“ Dieses Gefühl, sagt Florstedt, „kann man nicht reproduzieren“. Ein Gefühl wie nach dem Finale im Kajak-Vierer über 500 Meter, in dem er damals Gold gewann.

Im Grunde genommen kann man nur hoffen. Darauf, dass sich auch das derzeitige Training lohnt. „Nach den Krafteinheiten in Kienbaum merke ich, dass ich Fortschritte gemacht habe, es paddelt sich leichter“, sagt Florstedt lächelnd. Selbst durch das zähe Leder. Und darauf, dass sich der Erfolg auch in der kommenden Saison erneut einstellt. Der ehrliche Erfolg.