Magdeburg l Henrik Janssen hat tief in seinem Gaumengedächtnis nach der wertvollsten kulinarischen Köstlichkeit gesucht, die ihm seine Freundin Maria regelmäßig auftischt. Aber der Diskuswerfer vom SC Magdeburg kann sein Lieblingsessen nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen. „Alles, was sie kocht, ist einfach super“, sagt Janssen also. Beide sind inzwischen zusammengezogen, beide lieben sich nun täglich auch von Herd zu Magen. Und man muss der Dame des Hauses ein herzhaftes Kompliment machen: Maria, es schmeckt ihm! Zehn Kilo mehr auf Janssens Rippen sind Beweis genug.

Aber nicht nur Maria hat den Schützling von Trainer Armin Lemme auf ein neues Gewichtsniveau gekocht, auch die Mensa in Kienbaum hat einiges getan, um Janssen auf aktuell 122 Kilogramm zu bringen. „Die Kantine ist ja dafür bekannt, dass es dort gutes Essen gibt“, sagt der 22-Jährige. Und von dem er so viel, wie er will, bekommen kann. Leibhaftig gespürt hat Janssen dies in den vier Monaten seiner Bundespolizei-Ausbildung vom vergangenen September bis Dezember. Und außerdem hat er die vielfältigen Möglichkeiten im brandenburgischen Leistungszentrum dazu genutzt, um Kraft zu tanken. Kraft auf dem Weg in die Elite. Die wird nötig sein.

61,05 Meter in Potsdam

So wie für jenen kraftvollen Wurf zuletzt beim Training, als Janssen zum ersten Mal in seinem Leben die Scheibe über 60 Meter geschleudert hat. Genauer: Auf 60,44 Meter. „Endlich geht es vorwärts in dieser Saison“, hat er in dem Moment gedacht, als ihm die Weite mitgeteilt wurde. Und dann kam der vergangene Freitag, ein Wettkampf im Stadion am Luftschiffhafen in Potsdam. „61, 62 Meter möchte ich regelmäßig werfen", hatte er sich als Saisonziel vorgegeben. 61,05 Meter wurden es. Bestweite bei Windstille. Keine optimalen Bedingungen. Und kein perfekter Wurf. "Mit der Leistung bin ich natürlich absolut zufrieden", sagt Janssen. Und aufgrund der suboptimalen Bedingungen betont er: "Das zeigt, welches Potenzial ich habe." Und es zeigte sich, dass sich selbst das Training im Außendienst während der Corona-Krise gelohnt hatte.

Denn Janssen durfte ja erst spät einsteigen als Nachwuchskader 1 des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV). Aber er hat mit Anna und Martin Wierig natürlich zwei verständnisvolle und hilfsbereite Mitstreiter in seiner Trainingsgruppe. „Ich durfte bei ihnen zu Hause in der Garage mein Krafttraining absolvieren, dreimal pro Woche habe ich das Angebot genutzt“, berichtet der 2,03-Meter-Hüne. Und alles zusammen, mehr Kraft, mehr Masse, geben ihm nun das Gefühl, dass auch mit dem Diskus vieles leichterfällt.

Paris 2024 ist das Ziel

Trainer Lemme hat gesagt: „Wichtig ist, dass sich Henrik einordnen kann bei der deutschen Meisterschaft.“ Einordnen in die nationale Rangliste der Elite, die im vergangenen Jahr permanent von Wierig angeführt wurde. Und der am 8./9. August in Braunschweig seinen Titel verteidigen möchte. Janssens Bestwert stand bis zum vergangenen Freitag noch bei 58,87 Metern. Nur 13 Zentimeter hatten ihm damit zur Norm für die U-23-Europameisterschaft 2019 in Schweden gefehlt. „Ich hatte einen schwierigen Start mit dem Zwei-Kilo-Diskus“, blickt Janssen zurück. Die verpasste EM soll der letzte negative Höhepunkt gewesen sein. Der Wurf in Potsdam hat seinen Optimismus genährt.

Sein langfristiges Ziel ist indes der Start bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Über das Ringespektakel im nächsten Jahr in Tokio denkt er indes nicht nach. 66,00 Meter wäre die Supernorm für die direkte Qualifikation. Unter die drei besten Deutschen müsste er kommen. Dafür müsste Maria in kürzester Zeit jede Menge panierte Schnitzel braten. Allerdings: Auch ein gutes Essen braucht zuweilen Geduld.