Magdeburg l Zurück aus Baku wird Lara Steinbrecher womöglich ihre Eltern, ihre drei Schwestern, ihren Bruder und den Golden Retriever namens Hannah an Hand und Leine nehmen. Sie werden dann durch die schöne Gegend rund um Sebexen nördlich von Göttingen spazieren. Und die 16-jährige Lara wird über ihre Erfahrungen bei ihrem ersten internationalen Wettkampf berichten. Am kommenden Dienstag ist es so weit: Dann startet die Leichtathletin vom SC Magdeburg beim Europäischen Olympischen Jugend-Festival in der Hauptstadt Aserbaidschans im Vorlauf über 400 Meter Hürden.

Sie möchte dann gerne erzählen, wie sie ins Finale gelaufen ist. Wie sie vielleicht unter ihrer bisherigen Bestzeit geblieben ist. Die steht seit dem 1. Juni, seit dem Meeting in Jena, bei 59,76 Sekunden. „Dass es schon in diesem Jahr so schnell geht, hätte ich nicht gedacht“, sagt Lara Steinbrecher. In ihrer ersten Saison übrigens über diese Distanz und dem 0,762 Meter hohem Hindernis sowie über die 400 Meter flach. Dort liegt ihre persönliche Bestmarke bei 54,93 Sekunden.

Zukunft beim SCM gesucht

Aber weil die flache Stadionrunde beim EYOF gar nicht angeboten wird, „haben wir uns relativ früh auf die Hürden-Strecke konzentriert“, sagt die künftige Elftklässlerin am Magdeburger Sportgymnasium. „Wir“ – das sind die Athletin und ihr Trainer Marco Kleinsteuber, der sich viel erhofft von Steinbrecher in der Zukunft.

Die wiederum hat sein Schützling selbst in Magdeburg gesucht, weil die „Förderung der Leichtathletik in Niedersachsen nicht so gut ist“. So fuhr sie vor drei Jahren zum Tag der offenen Tür des Gymnasiums der Elbmetropole und entschied sich danach für ihren Wechsel.

Tempo ist ihre Stärke

Ehrgeizig ist sie jedenfalls. Manchmal zu ehrgeizig, „weshalb mir dann die Lockerheit fehlt, gerade wenn es nicht so gut läuft“, berichtet sie. Und „machmal traue ich mich nicht, zwischen den Hürden schnell zu laufen.“ Womit sie sich auf den 35 Metern von Hindernis zu Hindernis dann ihrer eigenen Stärke beraubt.

Physisch bringt sie indes alles mit: Sie ist 1,72 Meter groß, hat lange Läuferbeine, mit denen der Fan von Bayern München einst auch Fußball gespielt hat. Sie nimmt ordentlich Tempo auf, nur nicht am Start. „Der gehört definitiv nicht zu meinen Stärken“, sagt sie lachend und ergänzt. „Deshalb sind auch die 100 Meter nicht meine Strecke.“

Platz sechs in der Rangliste

Aber sie ist wiederum erst in ihrem ersten U-18-Jahr. Sie führt die deutsche Rangliste 2019 an, in Europa ist sie mit ihrem persönlichen Rekord Sechste. An der Spitze steht Salma Celeste Paralluelo (Spanien/57,43).

Lara Steinbrecher rechnet sich deshalb natürlich etwas aus, bei ihrem ersten internationalen Wettbewerb, den zweiten hat sie bereits mit der U-19-Europameisterschaft im nächsten Jahr in Rieti (Italien) geplant. Doch zunächst gilt der Fokus dem Jugend-Festival. Dem Vorlauf. Dem Finale. Denn Lara Steinbrecher möchte den Eltern, den drei Schwestern, dem Bruder und ihrem Hund Hannah eine komplette Geschichte aus Baku erzählen.