Magdeburg l 21:5 – das ist nicht nur ein Ergebnis, das ist ein Klassenunterschied. Mit dem in dieser Höhe nicht zu erwartenden Sieg gegen den 1. RV Hennigsdorf – der Hinkampf endete immerhin 12:12 – haben die Ringer des MSV 90 das Landesfinale erreicht. Entsprechend fand Trainer Thomas Dybiona nach diesem denkwürdigen Gefecht ausschließlich lobende Worte für seine Athleten: „Wir alle waren auf den Punkt fokussiert und bis in die Haarspitzen motiviert. Das hat heute den Ausschlag gegeben.“

Und das soll nicht anders sein, wenn der Titelverteidiger zum Finale auf die Matte geht: Gegner ist Roland Hamburg, gegen den der MSV 90 am kommenden Sonnabend in der Hansestadt und am 21. Dezember in der heimischen Halle antritt. Die Hamburger setzten sich gegen den AC Germania Artern mit 15:15 und 19:12 durch.

Richter nimmt fünf Kilogramm ab

Es war allerdings nicht nur die Motivation, die die Gastgeber gegen Hennigsdorf zum Sieg trieb. Es war auch ein taktischer Schachzug, der nicht minder entscheidend gewesen sein dürfte. Eric Richter hatte nämlich in der vergangenen Woche fünf Kilogramm an Körpergewicht abtrainiert und abgehungert, um in der Klasse bis 66 Kilo starten zu können. Die letzten 400 Gramm fielen sogar erst wenige Minute vor dem Wiegen. Und als Richter, etwas gezeichnet von der Tempodiät, die Matte betrat, hatte er nur eines im Sinn: den Kampf vorzeitig zu beenden. Irgendwie.

Die vollen sechs Minuten wären für den Magdeburger zum Martyrium geworden. Doch mit Daniel Gielow wartete nun keine leichte Aufgabe, der Hennigsdorfer hatte im Hinkampf nur knapp mit 8:9 gegen Thomas Ferchland verloren. Doch Richter legte nach einem kurzen Abtasten seine ganze Kraft in einen riskanten Wurf und brachte mit einem Schultersieg Trainer, Mannschaft und Halle zum Beben.

Schultersieg von Ferchland

Zu diesem Zeitpunkt führte der MSV bereits mit 16:0, der Gesamtsieg war eingefahren. Für viel Euphorie auf den Zuschauerplätzen hatten zuvor bereits Leichtgewichtler Martin Rößner (bis 57/13:0 gegen Erik Köhler) und der superschwere Nico Günther (bis 130/11:3 gegen Jörn Dassow) mit ebenso überzeugenden Siegen gesorgt. Same Mansouri (bis 61) bekam indes vier Teampunkte zugesprochen, weil sein Gegner fehlte. Alles andere als kampflos verliefen die weiteren Duelle.

Wie das Duell des 98-Kilo-Mannes Hannes Vetter, der mit einer letzten entscheidenden Wertung Marcel Redmann besiegte (6:2). Wie das Duell von Thomas Ferchland (bis 71), der Till Weinkauf bereits nach einer Minute völlig überraschend schulterte. Wie das Duell von Matthias Jahn (bis 75) gegen Yannik Bitterling, Sportschüler in der Schmiede Frankfurt/Oder, der nach anfänglichem Rückstand den Kampf zum 10:8 drehte. Einzig Walerie Syrissow, der eine Gewichtsklasse höher startete, sowie Sebastian Ecklebe, der ihm stilartfremd im klassischen Ringen antrat, mussten ihren Gegnern den Sieg überlassen.

Das konnte die Freude von Dybiona nicht schmälern: „Ich bin unglaublich stolz auf die Jungs. Der unbändige Teamgeist und die Bereitschaft, bis zum Umfallen alles zu geben, suchen für mich ihresgleichen.“