Magdeburg l Diese Botschaft klingt aber etwas zu nüchtern. Was die Elbestädter zuvor im Arterner Hexenkessel erlebten, war an Spannung und Klasse nicht mehr steigerungsfähig. Selbst der sonst eher nachdenkliche und bedächtige Mannschaftsleiter Bernd Heller mutierte mit dem Abpfiff freudetaumelnd zum „Feierbiest“, verlor sich in Superlativen. Denn im Vorfeld waren ja durchaus Zweifel angebracht.

Gastgeber zaubert Nationalringer aus dem Hut

Als an der Waage die Aufstellung der Thüringer bekannt wurde, war den MSV-Ringern jeglicher Optimismus erst einmal vergangen. Hatte es der Gastgeber doch tatsächlich vollbracht, zum letzten Saisonkampf mit Oldrich Varga und Matous Morbitzer zwei aktuelle tschechische Nationalringer und Weltmeisterschaftsteilnehmer zurück ins Team zu holen. Zudem lief mit Anulak Eisenhardt ein reaktivierter Zweitliga-Ringer auf, der für das Duell noch erheblich Gewicht abkochte, um im Limit bis 57 Kilo starten zu können.

Die Gastgeber hatten also alles getan, um den Magdeburgern beim Kampf um den Titel noch einmal kräftig in die Suppe spucken zu können. Traditionell mangelt es in der ringkampfverrückten Kleinstadt in Thüringen auch nicht an Zuschauern, die Halle mit ihrer Hochtribüne war bis unters Dach zum Bersten gefüllt.

Hexenkessel pusht die Lemsdorfer Ringer

Eine Atmosphäre, die beeindrucken kann. Oder pushen. Und Letzteres schien sie mit den Magdeburgern gemacht zu haben. Ganz besonders mit einem Sportler. Thomas Ferchland. Das MSV-Urgestein zeigte Herausragendes. Ferchland, mittlerweile 34 Jahre alt, traf auf den 24-jährigen Morbitzer. Auch der Umstand, dass der Tscheche, eigentlich Spezialist im klassischen Ringkampf, gewichtsklassenbedingt im freien Stil antreten musste, ließ kaum Hoffnung zu, dass es hier für den MSV irgendetwas zu holen gäbe.

Ferchland begeistert gegen Tschechen

Zudem war das Publikum gerade in explosiver Hochstimmung, da einen Kampf zuvor Oldrich Varga den tapfer kämpfenden, letztlich aber chancenlosen Jan Rotenburg mit 15:0 von der Matte gefegt hatte. Und so sollte es nach dem Geschmack der frenetisch anfeuernden Zuschauer auch weitergehen.

Doch die rieben sich verwundert ihre Augen. Denn ihr Sieg-Garant Morbitzer hatte nicht auf der Rechnung, dass sich Ferchland in keiner Fassart im Stand binden ließ und taktisch meisterhaft verhielt. Der Magdeburger verstand es, seinen Gegner immer wieder zu beschäftigen und mit Griffen zum Bein die Situationen zu neutralisieren. Auch wenn hin und wieder die ringerische Klasse des Tschechen zu erahnen war, der angehende Polizist aus Magdeburg hatte immer die richtige Antwort.

Als Ferchland sogar noch eigene Angriffe durchbrachte und den Kampf nach sechs Minuten mit 6:5 gewann, war die sportliche Sensation perfekt. Ferchland verschwand in der Jubeltraube seiner Mannschaft und der Hexenkessel Unstruthalle wurde schlagartig zum Freudentempel des MSV.

Besonderen Anteil am Erfolg hatten auch Hannes Vetter, Juri Baron, Sebastian Ecklebe, Mathias Jahn und Same Mansouri, die ihre Kämpfe allesamt siegreich gestalteten und die 15 Mannschaftspunkte für die Magdeburger errangen.

Heller ist begeistert

Teamleiter Bernd Heller war später begeistert: „Ich werde wohl noch etwas brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Es war grandios und ich bin einfach nur glücklich und unheimlich stolz auf das, was die Jungs hier und heute geleistet haben. Jetzt kann das Ziel nur noch Titel lauten.“

Im Finale trifft der MSV am 8. Dezember auswärts auf den KSV Salzgitter, bevor am 15. Dezember der Rückkampf ansteht.