Dortmund/Magdeburg l Gegen den eisigen Wind, der über den Dortmund-Ems-Kanal am vergangenen Sonntag wehte, halfen nur Mütze, Schal und Handschuhe – oder ein ausgiebiges Tempo, um den Körper in Hitzewallungen zu bringen. Auf ihrer letzten Station in diesem Jahr bei der Langstreckenregatta in Dortmund sind die Ruderer des SC Magdeburg auf Anschlag gefahren, mussten die Geschwindigkeit auf den 6000 Metern reduzieren, dem Ausbildungsstress Tribut zollen oder waren wie Emma Appel (U 23) krankheitsbedingt erst gar nicht am Start. In jedem Fall kehrte die grün-rote Riege mit unterschiedlichen Gefühlen ins Wintertraining zurück.

Männer

 

Max Appel vom SCM ruderte in Dortmund nicht mit, der 23-Jährige durfte zu einem internen Wettstreit des Skuller-Olympiakaders in Ratzeburg auslaufen. Womit sich der Einer-Wettbewerb im Ruhrgebiet auf den Nachwuchs beschränkte. Im Rennen der Riemer dagegen, im Zweier ohne Steuermann, herrschte elitärer Hochbetrieb auf dem Kanal. Und mit dabei: Philipp Syring.

Syring schiebt sich in den Elitekreis

Der 23-Jährige kehrt allmählich zur Form seiner besten Skuller-Zeiten zurück. Noch am Vortag der Regatta brachte er 5:45 Minuten über die 2000 Meter aufs Ergometer. „Das hat ihm ganz schön wehgetan“, berichtete sein Coach Roland Oesemann. „Deshalb war es schwer für ihn am Sonntag.“ Zumindest reichte Syrings Kraft, um sich mit einem 13. Platz in 22:12 Minuten mit Marc Kammann in den Kreis der Elite des Deutschen Ruderverbandes (DRV) zu schieben. „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, meinte sein Trainer. Wenngleich Kammann und Syring im Dezember und Januar noch die Prüfungszeit bei der Bundespolizei bevorsteht.

Der Bernburger Maximilian Planer belegte derweil in 21:49 Minuten den neunten Platz mit Maximilian Korge beim Sieg von Felix Brummel/Nico Merget (21:19).

U 23

 

Dieser Paul Berghoff macht auch Roland Oesemann Spaß. Hatte der 18-Jährige vor vier Monaten noch Coach Paul Zander als U-19-Weltmeister im Doppelvierer begeistert, bricht Berghoff nun bereits zum Jahresende in der nächsten Altersklasse zu neuen Ufern auf. Das verdeutlichte nicht nur der zweite Platz im Einer auf dem Wasser, den er mit 22:40 Minuten und sieben Sekunden Rückstand auf Aaron Erfanian erzielte, das verdeutlichte auch seine neue Bestzeit auf dem Ergometer: Mit 5:59 Minuten über 2000 Meter blieb er erstmals unter der Sechs-Minuten-Marke. „Für Paul war das ein sehr gutes Wochenende“, freute sich der 59-jährige Oesemann für seinen Schützling.

Reserven bei den Teamgefährten

So gut lief es aber nicht bei allen anderen: Nicht bei Paul Krüger, der in 23:45 Minuten nur 19. wurde, nicht bei Nick Welzenbach, der sieben Sekunden später auf dem 23. Rang landete. „Das hat mir nicht gefallen“, erklärte Oesemann.

Für die Leistung des 18-jährigen Krüger, die der Trainer als „Schadensbegrenzung“ titulierte, hatte er noch eine Erklärung: „Er hatte zuletzt Stress in der Ausbildung und weniger trainiert als die anderen.“ Krüger besucht die Landespolizeischule in Aschersleben. Beim gleichaltrigen Welzenbach allerdings stellte Oesemann fest: „Das hat er im Training schon besser gemacht.“ Paul Pietsch belegte in 24:18 Minuten den 27. Platz.

Licht und Schatten bei Kuhnert

Besser gemacht hätte es auch gerne Tabea Kuhnert. „Ich hatte mir schon eine schnellere Zeit erhofft“, sagte Oesemann zum 22. Platz seines Schützlings in 25:47 Minuten. 20, 30 Sekunden schneller sogar. Aber die 19-Jährige erreicht auf den langen Strecken zuweilen zu hohe Herzfrequenzen, bis nahe an die 200 Schläge pro Minute, weshalb sie Geschwindigkeit im Boot reduzieren muss. Auf dem Ergometer dagegen ruderte sie ins Niveau der DRV-Elite, die in Dortmund ebenfalls am Start war, mit 6:47 Minuten.

Jette Prehm schloss die Regatta nur mit zwei Sekunden Rückstand auf Kuhnert und auf Platz 24 ab. Es gewann Juliane Faralisch in 24:31 Minuten. „Ich bin mit beiden Mädchen nicht 100-prozentig zufrieden“, erklärte Oesemann. Allerdings verwische das Endergebnis ein wenig, denn: „In ihrer Altersklasse U 23 haben sie den vierten und fünften Platz belegt.“ Und damit ein Zeichen in Richtung Nationalmannschaft 2020 gesetzt.

U 19

Paul Zander begann sein Resümee verhalten und fand dann doch höchste Töne des Lobes. „Generell zufrieden“ sei er gewesen mit dem Abschneiden seiner Schützlinge in Dortmund. Um am Ende zu betonen: „Alle haben die Chance, sich einen Platz in der Nationalmannschaft zu sichern.“

Wie Carlotta Wolff und Leonie Wöllmer, die nach der Regatta in Berlin auch im Ruhrpott der Konkurrenz im Zweier ohne Steuerfrau davonfuhren. Sehr weit sogar. Die 17- und 16-jährigen Mädels setzten sich über 6000 Meter in 25:10 Minuten und mit einer halben Minute vor der Konkurrenz durch.

Gutes Ergebnis für Bastian

Wie Adrian Bastian, der nur den JWM-Zehnten dieses Jahres ziehen lassen musste. Paul Leerkamp gewann in 23:18 Minuten und mit vier Sekunden Vorsprung auf den 16-jährigen Bastian. „Adrian ist mutig losgefahren und hatte bis zur 1000-Meter-Marke noch geführt“, so Zander. „Für ihn ist das ein sehr gutes Ergebnis.“

Wie Lena Wölke (16), die Rang zwei in 25:40 Minuten hinter Alexandra Förster (25:25), der Junioren-Weltmeisterin, zugleich das Maß aller Dinge im deutschen Nachwuchsrudern, wurde. „Das sollte Lena großes Selbstvertrauen geben. Denn ich hatte selbst nicht gedacht, dass sie so nahe dran ist.“ Mit den positiven Ergebnissen von Dortmund „sollte es bei generell allen steigen“, sagte der 29-jährige Zander. „Zuweilen fehlt ihnen in der höheren Altersklasse noch der Mut.“

Elena Carius (16) indes wurde Siebte in 26:45 Minuten. Aber ihr Weg wird wohl nicht im Skullbereich weiterführen, sondern beim Riemen. Zander: „Für sie suchen wir jetzt eine Zweierpartnerin.“