Magdeburg l Zwei Boote standen Aaron Erfanian und Paul Krüger zur Auswahl, doch nur eines hatte bislang die Erfahrung einer U-19-WM. SCM-Ruderer Krüger und sein Doppelzweier-Partner aus Hannover haben sich deshalb entschieden, an diesem Wochenende das „Weltmeisterboot“ von 2018 auch bei der Europameisterschaft in jener Altersklasse zu fahren. In jenem Boot also, in dem der 18-jährige Magdeburger bei den Welttitelkämpfen im tschechischen Racice mit dem Berliner Klas Ole Lass zur Goldmedaille über die 2000 Meter gesprintet ist. Wenn das kein gutes Omen ist für den EM-Start auf dem Baldeney-See in Essen.

Krüger will Gold

Dort feiert Krüger also seine nächste internationale Premiere. Genauso wie die Clubgefährten Paul Berghoff im Einer und Jette Prehm im Doppelzweier mit Judith Guse. Drei Magdeburger unter 54 Athleten des Deutschen Ruderverbandes (DRV). „Am vergangenen Wochenende habe ich mit Aaron die letzten Vorbereitungen vollzogen“, berichtet Krüger. Und nicht nur bei der Auswahl des Bootes, auch auf dem Wasser. Ihr gemeinsames Ziel: „Wir wollen mit Gold nach Hause gehen. Aber wir erwarten auch eine starke Konkurrenz aus den anderen Ländern.“

Was das Duo besonders harmonisch macht, erklärt Krüger so: „Uns zeichnet der riesige Spaß daran aus, Frequenzen zu ,ballern‘ und schnell zu sein. Und auch in unserem gemeinsamen Bootsgefühl liegt unsere Stärke.“ Welche Schwächen sie noch abstellen müssen? Zuweilen fehle ihnen die Konzentration auf „die technische Sauberkeit“, sagt Krüger, was sich wiederum „in einem niedrigen Oberkörperschwung im Endzug zeigt“. Aber auf den sauberen Endzug, gerade im Endspurt, wird es womöglich im Endlauf ankommen, wenn am Ende des Sonntages der Titelgewinn stehen soll.

Prehm liebäugelt mit Gold

Titelgewinn? Für Jette Prehm? Warum auch nicht? Selbstvertrauen hat die 18-Jährige zuletzt reichlich getankt beim Sieg bei der Internationalen Regatta in München. Seit Dienstag rudert sie mit der Rendsburgerin Guse beim Feinschliff-Training für das gemeinsame Ziel. „Wir wollen auf jeden Fall aufs Podest, am liebsten natürlich die Goldmedaille“, gibt Prehm die Richtung bei ihrem EM-Debüt vor. Und sie hat ja gute Gründe, warum ausgerechnet diese beiden Mädels bei der Siegerehrung ganz oben stehen könnten.

„Ich denke, dass wir ähnlich in der Statur, der Größe und in der Technik sind“, was ja für den gemeinsamen Zug nicht schaden kann. „Deswegen kommen wir auch gut zusammen“, sagt sie. Und nicht nur im Boot: „Wir verstehen uns auch sehr gut und haben Lust, diesen Doppelzweier zu fahren“, berichtet Prehm. Worin sie beide noch stärker werden können? „Wir wollen unsere Zwischensprints für den Notfall verbessern.“ Dann reicht es womöglich tatsächlich für die erhoffte und erwünschte Medaille.

Berghoff im Einer

Paul Berghoff hat sich für seine internationale Einer-Premiere ebenfalls einiges vorgenommen. Dafür „haben wir richtig rangeklotzt“, sagt der 17-Jährige über die Einheiten mit Heimtrainer Paul Zander. Berghoff war ja „gewarnt worden, dass der Einer ein hartes Stück Brot ist“. In Essen muss sich der Bronze-Gewinner im Doppelvierer bei der WM 2018 durchbeißen. Gegen 18 Konkurrenten, von deren Stärke er zumindest bis zum Vorlauf so gut wie nichts weiß.

Die Bundestrainerin Sabine Tschäge hatte ihm für die Vorbereitung nützliche Hinweise gegeben. „Ich kann zwar gut starten“, so Berghoff. „Aber auf den zweiten 250 Metern fahren mir die Gegner weg.“ Also lag der Fokus auf dem ersten Viertel der 2000-Meter-Distanz und darauf, „so wenig wie möglich Abfall zu haben“. Sein Fazit: „Das hat gut geklappt.“

Jetzt soll es auch bei der EM klappen. Und wie bei Jette Prehm und Paul Krüger geht Berghoffs Blick natürlich zur Siegerehrung: „Ich spekuliere aufs Treppchen.“