Magdeburg l Paul Zander hat nichts mehr gesehen. Auf den letzten 200 Metern, auf die sein Schützling Paul Krüger im Doppelzweier mit Klas Ole Lass aus Berlin gerade im Ruderkanal von Racice (Tschechien) den Endspurt zog, füllten sich die Augen des Trainers vom SC Magdeburg mit Wasser. Zander ist zum Glück nichts passiert, er ist nicht gegen einen Baum gefahren, er ist nicht ins Wasser gefallen, als er parallel zum Gewässer blind vor Tränen auf dem Fahrrad in Richtung Ziel fuhr. Letztlich gehörte er sogar zu den ersten Gratulanten an jenem 12. August, an dem sein Ruderer Paul Krüger bei seiner ersten Junioren-Weltmeisterschaft Gold gewann.

Lieber rudern als tanzen

Noch am gleichen Abend wurde der Titel natürlich ausgiebig gefeiert. Paul Krüger kam sogar zu der großen Ehre, mit der Bundestrainerin Sabine Tschäge den Eröffnungstanz zu zelebrieren. Oder wie der 17-Jährige sich mit einem verschmitzten Lächeln erinnerte: „Im Tanzen bin ich nicht so geübt, deshalb stand ich zwei Minuten da und bin dann verschwunden.“

So einfach verschwinden ging nach seinem Finale natürlich nicht. Krügers Eltern Birgit und Frank waren auch nach Racice gekommen. „Alle möglichen Sportler haben uns beglückwünscht“, berichtete der Skuller. Etliche Gratulanten meldeten sich auch in den sozialen Medien zu Wort. Viele Nachrichten hat er noch beantwortet, irgendwann hat er sich über jede weitere nur noch gefreut. Wie über den Titel: „Wir wollten Gold gewinnen, sicher waren wir uns aber nicht. Aber unser Bestes hat an diesem Tag gereicht.“ Es reichte zum klaren Sieg über die 2000 Meter mit drei Sekunden vor den Griechen und fünf Sekunden vor den Tschechen.

Tolle Renntaktik

Diesen Vorsprung hatten die beiden früh herausgefahren. „Der Trainer hat gesagt, das Rennen wird auf den ersten 1000 Metern entschieden. Wir haben unsere Führung mit kleinen Zwischenspurts verteidigt“, berichtet Krüger. „Das Finale lief genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte“, freute sich Zander, dessen Tränen nicht allein der Leistung Krügers geschuldet waren. Zehn Jahre zuvor hatte er bei seiner einzigen WM, ebenfalls bei den Junioren, seinen einzigen Titel gewonnen. Damals im Achter. Damals in Linz-Ottensheim (Österreich). „Man freut sich aber als Trainer über Gold viel mehr“, hat der 28-Jährige festgestellt, „weil man die Arbeit dahinter noch mehr wertschätzen kann.“

Nun aber geht der Blick wieder nach vorn. Mit einem Paul Krüger in neuen Lebensumständen. Er ist jetzt Polizist in Ausbildung in Aschersleben, Dienstantritt ist um sieben Uhr morgens. „Das ist für Paul eine neue Konstellation, in die er sich erst einmal zurechtfinden muss“, sagt sein Trainer. Sportlich nennt Zander kein konkretes Ziel: „Letztlich muss jeder seine Leistung im Einer bringen, um in die Nationalmannschaft zu kommen.“

Berghoff der neue Zweier-Partner?

Im Junioren-Team ist Klas Ole Lass 2019 aufgrund seines Alters nicht mehr vertreten. Krüger braucht also einen neuen Partner, denn: „Einer ist nicht so mein Ding“, erklärt er. Ein Partner bietet sich ja beim SCM an. Mit Paul Berghoff ist Krüger in den vergangenen Jahren erfolgreich Doppelzweier gefahren. Und auch Berghoff hat sich in Racice für weitere große Aufgaben angeboten: Er gewann Bronze im Doppelvierer. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn sich beide für einen Tanzkurs anmelden würden.