Magdeburg l Über das Wetter kann sich Nick Welzenbach derzeit wirklich nicht beschweren. Er hat vor einigen Wochen ja die Prognose aufgestellt: „Wenn die Sonne scheint und es sind 15 Grad, dann laufe ich auch mal gerne.“ Durch das beschauliche Biere, über die Felder. Eine Heimatkundestunde inklusive. Und eine Meditation außerdem: „Es ist mal was anderes, als im Boot zu sitzen und sich über die richtige Technik Gedanken zu machen“, sagt der Ruderer. Abschalten heißt sein Zauberwort. Dazu wird der Ruderer vom SC Magdeburg noch viele Möglichkeiten erhalten.

Nick Welzenbach gehört zu den Nachwuchskadern des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Und als dieser darf er im Unterschied zu den Perspektivkadern nicht auf dem Wasser, nicht auf dem Trainingsareal an der Magdeburger Industriestraße seine Einheiten absolvieren. Als Einziger übrigens aus der U-23-Gruppe von Trainer Roland Oesemann. So verharrt er täglich bei den Athletikeinheiten mit dem eigenen Körpergewicht im heimischen Biere, er läuft eben, er fährt Rad. Und er sitzt täglich auf dem Ruder-Ergometer, um über 20 Kilometer hinweg im zischenden Schlag seine Grundlagen zu halten. „Und ich achte darauf, dass ich nicht dicker werde“, sagt der 2,02 Meter große Schlaks lächelnd.

Weltmeister im Achter

Das alles ist kein Selbstläufer, wenn man kein Ziel vor Augen hat. Nicht in diesem Jahr. Schon Wochen vor der Absage der U-23-WM, die im August im slowenischen Bled ausgetragen werden sollte, hatte Welzenbach gemutmaßt: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese abgesagt wird.“ Und weshalb es für ihn „momentan auch echt schwer ist, sich zu motivieren“.

Welzenbach ist im vergangenen Jahr Weltmeister der U 19 im Achter mit Steuermann geworden. Es war sein erster großer Wettkampf, und es war sein erster großer Erfolg, der natürlich Lust auf mehr gemacht hat. In den vergangenen Monaten hat der 18-Jährige vor allem als Skuller trainiert, was ihm genauso liegt wie das Riemenrudern. Das ist eine seiner Stärken.

Nach Knieverletzung außer Gefecht gesetzt

Eine seiner Schwächen ist das Hinterfragen dieser Stärken. „Ich möchte an meinem Vertrauen zu mir selbst arbeiten, das fehlt mir noch ein bisschen. Ich rede manchmal Dinge schlechter, als sie tatsächlich sind oder lasse mir Sachen einreden, die ich eigentlich anders sehe“, erklärt Welzenbach. Das Problem kann er ebenfalls beim Laufen oder Radfahren sehr gut angehen, wenn es um das Abschalten und die Meditation geht.

Was er beim Laufen oder Radfahren eher weniger bearbeiten kann, sind die Kraftwerte, die er verbessern wollte seit Beginn der Vorbereitung. In dieser Hinsicht war er auch lange auf einem guten Weg.„Ich hatte die Kraftwerte über den vergangenen Herbst gesteigert“, berichtet Welzenbach nämlich. Aber dann kam der Winter, dann kam eine Knieverletzung. „Was meine Beinkraft angeht, musste ich gefühlt noch einmal von vorn anfangen.“ Ob der Corona-Krise und des Trainings im Homeoffice ist die Arbeit an der Kraft nicht leichter geworden, da ein spezifisches Hanteltraining unter den wachsamen Augen von Kraftcoach Otto Haase nun fehlt.

So bleibt ihm das eigene Gewicht von 99 Kilo, mit dem er arbeiten kann, das Ergometer, auf dem er rudern kann, der Schotter entlang der Felder, auf dem er laufen kann. Was ja schön zum Abschalten, aber bei entsprechender Belastung nicht immer schön für den Körper ist: „Wenn es eine Sache gibt, die ich am Laufen nicht mag, dann ist es der Wadenmuskelkater danach. Der ist nicht angenehm.“ Aber der wird vergehen bis zur U-23-WM 2021 im tschechischen Racice.