Brandenburg l Neulich hat Roland Oesemann von der Internationalen Regatta auf dem Küchensee in Ratzeburg berichtet. Und man konnte durch den Telefonhörer die pure Freude über den Auftritt seiner beiden U-23-Mädels vernehmen. „Das war ein geiler Endspurt“, hat der 59-jährige Trainer der SCM-Ruderinnen Tabea Kuhnert und Emma Appel nämlich verkündet zu ihrem Sieg im Doppelvierer, gemeinsam mit Maren Völz aus Potsdam und Laura Kampmann aus Essen.

Ein Sieg mit sieben Sekunden Vorsprung wurde es, und es spricht nur einiges dafür, dass Kuhnert und Appel zur Weltmeisterschaft ihrer Altersklasse in Sarasota (USA/24. bis 28. Juli) ebenfalls in dieser Bootsklasse sitzen werden. Sofern das Quartett auch die deutsche Meisterschaft ab dem heutigen Donnerstag auf dem Brandenburger Beetzsee für sich entscheidet. Und sofern die 19-jährige Kuhnert und Appel (18) im Doppelzweier nicht eine derart überzeugende Leistung vorlegen, dass auch in diesem Boot bei der WM eine Medaille möglich wäre.

Dafür müssten sie aber schneller fahren als zuletzt in Ratzeburg, als sie in 6:58,95 Minuten über die 2000 Meter gewannen. „Die Zeit war in Ordnung“, sagte Oesemann zwar. „Aber um WM-Edelmetall zu gewinnen, müssten sie schon fünf Sekunden schneller sein.“ Also wird sich das Trainer-Athletinnen-Trio nach jenem Zweier-Finale in die Augen schauen und die Möglichkeit eines Startes im kleineren Boot in Florida diskutieren.

Diskussionen wird es womöglich einige geben nach den Titelkämpfen in Brandenburg, auch bei den U-19-Schützlingen. Nicht unbedingt bei Jette Prehm. Gemeinsam mit Judith Guhse aus Rendsburg setzte sich die 18-Jährige Anfang Juni bei der zweiten Ranglistenregatta des Deutschen Ruderverbandes (DRV) mit elf Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz durch, bei nicht gerade optimalen Bedingungen.

„Sie haben bei Gegenwind gezeigt, dass sie konditionell sehr stark sind“, berichtete Oesemann. Und mit dieser Stärke greifen sie auf dem Beetzsee nun nach den Sternen, die für sie bei der WM in Tokio (Japan/7. bis 11. August) besonders hell leuchten sollen.

Berghoff im Doppelzweier

Den Weg ins Land der aufgehenden Sonne wollen auch Paul Krüger und Paul Berghoff gehen – allerdings mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Krüger (18) ist im Doppelzweier mit dem Hannoveraner Aaron Erfanian nicht nur zum Sieg bei der Europameisterschaft gefahren, sie sind überhaupt noch ungeschlagen. „Trotzdem müssen auch sie ihre Rennen bei der Meisterschaft erstmal runterfahren und gewinnen, um sicher bei der WM dabei zu sein“, sagte Krügers Coach Paul Zander. Es hat sich allerdings in der vergangenen Woche im Trainingslager in Halle angedeutet, dass „beide schon sehr schnell sind“.

Anders bei Berghoff: Der 17-Jährige hat bei der Ranglistenregatta in Hamburg nur den achten Platz im Einer belegt, weshalb Zander wohl nicht lange überlegen musste, ihn aus diesem Boot zu nehmen. „Das ist aber ein normaler Vorgang“, sagte der 29-Jährige. Um ihm die Chance auf einen WM-Start im Großboot zu geben, rudert Berghoff nun mit Jonas Gelsen (Höchst) im Doppelzweier. „Wenn sie idealerweise unter die besten drei in Brandenburg kommen, sind sie bei der Mannschaftsbildung dabei“, erklärte Zander.

Für Nick Welzenbach kam ebenfalls alles anders: Weil Halles Erik Kohlbach plötzlich ohne Partner im Zweier ohne Steuermann dastand, wechselte der 18-Jährige kurzerhand von Skull auf Riemen. Beide fuhren auf Rang fünf in Hamburg, wurden Vierte im Vierer und gewannen sogar im Achter. Zander rechnet deshalb seinem Schützling „sehr gute Chancen auf einen Start in Tokio“ aus.