Magdeburg l „In Magdeburg gibt es den Fußball, dahinter die Handballer und die vielen Sparten des SCM und dahinter eine ganze Zeit lang erst einmal nichts“, erklärt Oliver Kutzner die Sportwelt der Landeshauptstadt aus seiner Perspektive. „Wir stehen in dieser Kette quasi ganz hinten. Die meisten wissen wahrscheinlich gar nicht, dass es uns überhaupt gibt“, führt er fort.

Rugby ist Randsportart

Kutzner übt nämlich einen Sport aus, der auf dem deutschen Markt seltener anzutreffen ist. Einen Sport, in dem Neuseeland der derzeitige Weltmeister und der kleine Inselstaat Fidschi amtierender Olympiasieger ist. Die Rede ist von Rugby, genau genommen die verkleinerte, olympische Variante Siebener-Rugby.

„Ich hatte mit dem Sport vorher wenig am Hut, wusste auch gar nicht, dass es in Magdeburg einen Verein gibt“, verrät Kutzner, der seit nunmehr drei Jahren für die hiesige Rugby Legion unter dem Dach des USC spielt und damit schon einer der dienstältesten im Team ist. „Für mich war es damals die Frage, ob ich zum American Football oder zum Rugby gehe“, erklärt der gebürtige Burger. „Mir hat es bei der Legion super gefallen, deswegen bin ich geblieben“, begründet er seine Entscheidung für den Kollisionssport, der als Vorläufer des Footballs gilt und gänzlich ohne Ausrüstung gespielt wird.

Partnerin ist zugleich Teamkollegin

Bei der Rugby Legion spielt Kutzner gemeinsam mit Freundin Anna, die einen ganz anderen Weg zum Sport einschlug. „Sie kommt aus der Nähe von Bielefeld, hat dort schon in Kindertagen mit Rugby angefangen. Bei uns hier wäre das undenkbar“, meint Kutzner.

In Magdeburg sei man froh, überhaupt ein Team für den Unisex-Spielbetrieb in der Mitteldeutschen 7er-Liga stellen zu können, erzählt der Spieler und Abteilungsleiter in Doppelfunktion: „Natürlich wäre es schön, einen Nachwuchs aufzubauen. Erste Priorität ist jedoch, dass wir unsere Mannschaft bei den Erwachsenen voll bekommen.“

Personalmangel an Spieltagen

Das war in den vergangenen Jahren nämlich nicht immer der Fall. Häufig fanden sich nicht genug Legionäre für die Spieltagsturniere, so dass für diese vermehrt Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen eingegangen werden mussten. „Mir hat es in der Seele wehgetan, wenn wir beim Training teilweise 20 Leute waren, aber am Spieltag nicht genug, um in unseren eigenen Trikots aufzulaufen“, erzählt Kutzner.

Ein Grund dafür liegt in der Konstellation der Mannschaft. Rugby organisiert sich in Magdeburg über das Sportprogramm der Universitäten. Traditionell sind so eine Vielzahl der Aktiven zugezogene Studenten aus ganz Deutschland.

Ein "Haufen Legionäre"

„Darum auch Rugby Legion. Weil wir ein Haufen Legionäre sind“, erzählt der 28-Jährige als einer der wenigen aus der Region schmunzelnd. So komme es in jedem Jahr zu einer „Neukonstellation der Mannschaft“, die Anfängern zwar die Chance biete, sich schnell zu etablieren, zugleich aber auch ein stetiges Zusammenwachsen des Teamgefüges erschwere.

Für die Zukunft hat sich der Abteilungsleiter zwei „wichtige Ziele“ auf die Fahnen geschrieben: „Unser Anliegen muss es sein, regionales Spielerpotenzial zu finden, um einen breiteren Stamm von Magdeburgern aufzubauen und Erstsemester zu gewinnen, die möglichst noch einige Jahre hier sind.“

Große Pläne für das neue Jahr

Die neuerliche Unterbrechung schmerzt bei diesem Vorhaben. „Schon der erste Lockdown war hart. Nach der Lockerung hatten wir auf zwei Turniere im Herbst gehofft, aber auch diese mussten abgesagt werden“, bedauert Kutzner. Seitdem trifft sich die Mannschaft zum Online-Training, tauscht sich neben Fitness-Übungen über Regeln und Taktik aus.

Und wenngleich die ungewisse Situation derzeit keine Planungen zulässt, geht bei der Rugby Legion der hoffnungsvolle Blick ins neue Jahr: „Die Jungs und Mädels brennen darauf, zu spielen. Sehr gerne würden wir 2021 mal wieder ein Turnier in unserem schönen Bauarbeiter-Stadion austragen.“