Magdeburg l Sven Welkert musste durchziehen. Und tat dies mit Bravour. In beinahe jeder Partie. Auch wenn dem Ü-50er nach dem Matchball die Glieder zuweilen schmerzten, ist er mit Spielfreude vorangegangen. „Er hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert sich sein Kapitän Steffen Hockarth an die ersten Begegnungen in der vergangenen Regionalliga-Saison, in denen die Volleyballer der WSG Reform immer über fünf Sätze gehen mussten.

Aber Welkert, der Zuspieler, hatte sich selbst gar nicht vorgesehen für einen Dauereinsatz in den 19 Punktspielen, er wollte nur ein Backup sein. „Noch vor der Saison waren uns aus verschiedenen Gründen aber zwei Zuspieler weggebrochen“, so Hockarth. Welkert blieb. Zum Glück. „Es hätte ihm keiner verdenken können, wenn er gesagt hätte: Ihr müsst euch einen anderen suchen.“

Angebot abgelehnt

So können Erfolgsgeschichten durchaus beginnen: aus der Not über die Tugend zum Klassenerhalt geschmettert. Und wenn die WSG-Männer das Angebot des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) angenommen hätten, nach dem vorzeitigen Abbruch der Saison auch als Vorletzter mit 14 Punkten der Regionalliga erhalten zu bleiben, dann hätte die Serie sozusagen ein gütiges Ende für die Magdeburger gefunden.

Aber das wollte die WSG nicht, nicht „nach dieser gebrauchten Saison, in der es bei manchem Auswärtsspiel nicht mehr darum ging, ob wir Erfolg haben würden, sondern ob wir überhaupt einen Satz gewinnen“, berichtet Hockarth. Das waren für ihn als ambitionierten Volleyballer einige Zweifel zu viel in der Mannschaft, um womöglich auch mit Spaß und Sinn in der Liga zu spielen.

"Säulen" ausgefallen

Letztlich hat das gesamte Team inklusive Trainer Steffen Schulz entschieden, in der neuen Saison in der Landesoberliga den Neustart zu wagen. Dort also, wo die „Reformer“ als Landesmeister im vorigen Jahr hergekommen waren. Dort, wo sie vor zwei Jahren als Zweiter in der Abschlusstabelle bereits die Möglichkeit hatten, in die Regionalliga aufzusteigen, weil Ballenstedt als Erster seinem Recht eine Absage erteilte. „Aber das wollte das Team damals nicht“, sagt 1,88-Meter-Mann Hockarth. Und das würde es auch im nächsten Jahr nicht mehr wollen, wenn es die Saison wieder als Erster beenden sollte. „Ein Aufstieg steht für uns nicht zur Debatte.“ Dazu ist zu viel passiert in der abgelaufenen Serie.

Nicht nur, dass schon vor der Saison zwei Zuspieler sich für eine Auszeit entschieden, auch während des Jahres fielen mit Mittelblocker Robert Engel und Diagonalangreifer Gunnar Griep „zwei wichtige Säulen der Mannschaft aus“, berichtet Hockarth. Beide plagten sich mit Rückenproblemen. Akteure aus der zweiten und dritten Mannschaft komplettierten deshalb ein Team, das zuweilen in diesen neuen Formationen nicht trainiert, geschweige denn jemals gespielt hatte.

Internes Duell

Hockarth, der selbst mit 38 Jahren zu den Jüngeren bei der WSG gehört, hatte eine ähnlich gebrauchte Serie bereits in früheren Tagen in seiner Heimatstadt Dresden beim dortigen SVV erlebt, als er aufgestiegen und „direkt wieder abgestiegen war“. Nach dem neuerlichen Erlebnis braucht er kein drittes Mal. Ihn kann auch nicht trösten, dass er zuletzt sechsmal von den gegnerischen Trainer zum wertvollsten Akteur der WSG gewählt wurde: „Das ist eine subjetive Entscheidung, die man auch nicht überbewerten sollte“, erklärt Hockarth.

Der Grundschullehrer, der seit 2010 in Magdeburg lebt und für den USC bereits in der 3. Bundesliga am Netz gestanden hat, blickt vielmehr voraus: „Die Landesoberliga wird für uns auch nicht gemütlich, aber es ist definitiv etwas anderes, in Sachsen-Anhalt zu bleiben.“ Allein der Fahrtstrecken wegen. Zu zwei Spielen müssen die „Reformer“ zum Beispiel gar nicht ins Auto steigen: Denn im vereinsinternen Duell werden Erste und Zweite in der heimischen Halle am Neptunweg aufeinandertreffen.

Einen Austausch der Kader zwischen beiden WSG-Teams wird es zur neuen Saison indes nicht geben. Die Zweite will in der aktuellen Formation die Zweite bleiben. Die Akteure der Ersten haben nach der Abstiegssaison ihr Bleiben zugesagt. Nur einer wird wechseln, „aus nachvollziehbaren Gründen“, sagt Hockarth. Max Groß (16) spielt in der neuen Saison beim Regionalliga-Aufsteiger Burger VC, der sich eigentlich auf ein Derby gegen die WSG gefreut hatte. „Das war mir auch zu Ohren gekommen“, sagt Hockarth lächelnd. Aber den Wunsch wollte Reform partout nicht erfüllen.