Magdeburg l Philipp Maaß hat mal beim USC gespielt, einen tollen Mittelblocker hat der inzwischen 31-Jährige in der Magdeburger Campus-Halle gegeben. Vor einigen Jahren in der zweiten Bundesliga. Seine Qualitäten hatten sich offenbar schnell rumgesprochen im kleinen Volleyball-Zirkus. Seit 2018 blockt Maaß nämlich für den GSVE Delitzsch. Im deutschen Oberhaus. Und wenn er nicht gerade Darts oder Doppelkopf in seiner Freizeit spielt.

Maaß war allerdings nicht nur Spieler beim USC, sondern auch ein wohl eher unfreiwilliger Entdecker von Talenten im Studentenspektrum des Vereins. Ein Talent, das er in jedem Fall entdeckt hat, saß am Dienstag dieser Woche in seiner Magdeburger Wohnung auf der Couch, eingewickelt in die Schmusedecke, einen heißen Tee genießend. Das Talent heißt Pia Stodal. Und Stodal erinnert sich natürlich sehr gut an die entscheidende Begegnung mit Maaß. „Als ich nach Magdeburg gekommen bin, wollte ich im Volleyball eigentlich kürzertreten. Aber da mein Herz zu sehr dafür schlägt, bin ich zum Unisport gegangen. Und dann hat mich dort Philipp Maaß angesprochen und gefragt: Du hast bestimmt schon mal Volleyball gespielt, oder?“

Lach-Yoga im Programm

Die Frage durfte die 23-Jährigen ein paar Abende später noch einmal aufwerfen. Und USC-Trainerin Anja Bechmann hat sie dann mit einem eindeutigen Ja beantwortet. Es dürfte auch nicht allzu vieler Szenen bedurft haben, um Bechmann zu überzeugen. Denn Pia Stodal hat sich in den fünf Jahren seit diesem ersten Probetraining zu einer Leistungsträgerin, zu einer Konstanten in der Mannschaft entwickelt. Geboren und aufgewachsen in Leipzig, angefangen beim Sachsen-Ligisten Lok Engelsdorf, ist sie in Magdeburg ein wichtiger Bestandteil des Drittliga-Teams, was sie allerdings so nicht stehenlassen möchte: „Jede Spielerin in der Mannschaft bringt ihre Stärken ein – ob sportlich oder menschlich. Deshalb ist jede Spielerin für uns auch wichtig.“

Und jede Spielerin wird gebraucht, um das große Ziel in dieser erneut von der Corona-Pandemie heimgesuchten Saison zu erreichen: den Klassenerhalt. Als Aufsteiger hat der USC bislang wirklich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das Team hat beim Vorjahresdritten VSV Havel Oranienburg nur sehr knapp in fünf Sätzen verloren: „Da haben wir in jedem Fall gezeigt, dass wir die Qualität für diese Liga mitbringen“, erinnert sich Stodal gerne an diese Partie zurück. Während sie eher ungerne an die zweite Begegnung zurückdenkt: ein 0:3 in Zepernick, beim Mitaufsteiger.

Ihr eher vorsichtig formuliertes Resümee zum Spiel zeugt dann von einer diplomatischen Stärke: „Das hätten wir nicht verlieren müssen“, erklärt sie also. Um zu ergänzen: „Zugleich war es ein Spiel, aus dem wir viel mitnehmen können. Man muss natürlich reflektieren, was nicht gut gelaufen ist. Aber von solchen Niederlagen darf man sich nicht unterkriegen lassen.“ Erst recht nicht mit dem Blick auf das nächste (zumindest angesetzte) Spiel am 9. Januar, wenn der USC beim USV Potsdam antritt, beim Tabellenvierten. „Ich hoffe, dass wir so so bald wie möglich wieder einsteigen können“, sagt die Studentin zur Betriebswirtschaft. „Ich vermisse das Training mit den Mädels sehr, auch wenn die Gesundheit natürlich vorgeht.“

Derzeit durchforsten die Magdeburgerinnen individuell den Trainingsplan der Anja Bechmann, der natürlich Ausdauer- und Kraftübungen vorsieht – aber auch Lach-Yoga. Das ist die Kunst, ohne Grund lachen zu können. Allein oder mit anderen. „Das macht Spaß“, sagt Stodal, die selbst oft lacht – und immer herzlich.

"Kniffel" statt "Monopoly"

Zunächst muss Stodal aber selbst im individuellen Training auf ihre Gesundheit, speziell die Gesundheit ihrer Knie, achten: Das Knochenbahnkreuz von Schienbein, Scheibe und Oberschenkel der Pia Stodal meldet gleich beidseitig zuweilen besondere Pflege an – vor zwei Jahren sogar so laut, dass die Eigentümerin eine längere Pause einlegen musste. „Inzwischen habe ich aber gelernt, damit umzugehen. Und die Knie schmerzen auch nicht während eines Spiels“, berichtet sie. Das ist gut so, denn sportlich „habe ich mein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft“, ist sich Stodal sicher. Wenn sie allerdings überhaupt ein Defizit – ihrer Meinung nach ist es auf dem Feld die Abwehrarbeit – abbauen muss, dann eher im mentalen Bereich: „Ich setze mich selbst zu sehr unter Druck“, sagt sie. Ohne Grund irgendwie.

Was Bechmann besonders an ihr schätzen wird? „Ich bin universal einsetzbar“, betont Stodal. Diagonal, im Außenangriff, in erster Linie im Mittelblock. Was die Mannschaft an ihr schätzen wird? Pia Stodal ist eine sehr positive und gesellige junge Frau, die man mit Gesellschaftsspielen wie „Monopoly“ eher verjagen, zum althergebrachten Würfelspiel wie „Kniffel“ aber immer einladen kann. In Anbetracht dieser Tatsache ist es deshalb gut, dass Philipp Maaß das Talent der Pia Stodal vor fünf Jahren beim Volleyball in der Uni-Gruppe entdeckt hat. An einem anderen Ort hätte seine Frage womöglich gelautet: „Du hast bestimmt schon mal Doppelkopf gespielt, oder?“