Magdeburg l Janine Dreher genießt in der Corona-Krise die Familienzeit. Mit ihrem Lebensgefährten Steffen Hockarth, der Tochter und dem Sohn, fünf Monate und fünf Jahre jung, zieht es sie jeden Tag in die Natur. Am Montag zum Beispiel in den Elbauenpark, als sie der Anruf der Volksstimme erreichte. Als Janine Dreher allerdings nicht als Mama, sondern als neue Trainerin der Regionalliga-Volleyballerinnen der WSG Reform gefragt war.

Was sich lange angedeutet hatte, ist seit vergangener Woche also beschlossene Sache: Frank Weißleder zieht sich aus persönlichen Gründen zurück – nach vier Jahren, in denen er zunächst eine Mannschaft aufgebaut und dann von der Landesklasse in die vierthöchste Liga geführt hat: „Ich möchte mehr Zeit für meine Familie und Freunde haben und mich um meine Gesundheit kümmern“, sagt er. Dreher war im Grunde genommen die einzige Alternative für seine Nachfolge.

Vier Abgänge

Aufgedrängt hat sie sich für das Amt nicht, zumal sie nach der Babypause selbst in den regelmäßigen Spielbetrieb zurückkehren möchte. Andererseits kennt sie die Mitspielerinnen so lange, sie haben zuweilen nicht nur bei der WSG, sondern auch bei Pädagogik Schönebeck gemeinsam am Netz gestanden: „Ich freue mich auf die Aufgabe“, sagt Dreher deshalb. „Ich weiß, wie ich mit jeder Einzelnen arbeiten und kommunizieren muss.“

Und die 35-Jährige weiß außerdem, welche Damen sie zum Trainingsauftakt erwarten werden. Und welche nicht. Wie Eva Neumann und Lena Timme. Wie Tina Schumacher und Tina Pulver. Letztere verlassen die WSG aus privaten Gründen. Neumann und Timme indes wechseln zum USC (3. Liga). Dreher klingt darüber alles andere als glücklich: „Uns bleiben die jüngeren Spielerinnen nicht erhalten, sie wandern immer ab zum USC.“

WSG ist Landesleistungsstützpunkt

Dabei findet die Ausbildung des Magdeburger Nachwuchses bei der WSG statt, der Verein ist seit 2015 Landesleistungsstützpunkt im weiblichen Bereich. Er stellt eine U 20, U 18 und U 16 im Spielbetrieb. Und er baut gerade eine Kindergruppe auf, um eine neue Generation ans Spiel heranzuführen.

Als ehemalige Landestrainerin war Dreher dafür mitverantwortlich, diese Strukturen aufzuziehen, Volleyballerinnen zur Sportschule zu schicken, den Standort WSG auch bei den Erwachsenen zu stärken. „So war es mal gedacht“, sagt Dreher, Eigengewächs der „Reformerinnen“, die einst nach vorläufiger Auflösung des Frauenteams in Schönebeck spielte und eine Saison lang für den USC gemeldet war – letztere Zeit allerdings in ihrer ersten Babypause verbracht hatte. 2016 hieß es für sie: „Back to the roots.“ Zurück zu den Wurzeln. Das gilt nun auch für die WSG, weil langjährige Mitstreiterinnen wie Annika Große oder Anna Lehrmann nach einer Auszeit zurückkehren werden, wenn es ihre Zeit erlaubt.

Aufgaben werden verteilt

Der Plan für die neue Saison steht bereits: „Wir werden drei Einheiten pro Woche absolvieren. Eine wird von mir, eine von Frank betreut“, berichtet die Trainerin. Weißleder wird ihr nämlich als Co-Coach weiter zur Seite stehen. Zudem betreut Inga Wieczorek die athletische Einheit. Auf der anderen Seite „müssen alle mehr Kompromissbereitschaft zeigen“, denn mit der Trainerin Dreher geht dem Team die Organisatorin Dreher verloren – zumindest teilweise. Sie hatte sich vor der vergangenen Saison um Sponsoren gekümmert oder die Trikots besorgt. Das müssen nun ebenfalls alle gemeinsam lösen.

Das Gute ist trotz der vier personellen Verluste: „Wir haben einen relativ breiten Kader.“ 22 Spielerinnen waren für die vergangene Saison gemeldet. Die Abgänge „müssen sich für uns also nicht negativ auswirken“, sagt sie. „So kann sich niemand verstecken, alle sind gefordert.“ Auch, um bisherige Schwächen abzustellen: „Ich werde bei der Block- und Feldabwehr ansetzen“, blickt Dreher voraus. „Und wir müssen besser im Aufschlag werden. Das war mal unsere Stärke, damit haben wir die Gegner unter Druck gesetzt.“ Aber zuletzt fehlte dem Team in diesem Element einfach die Konstanz.

Ziel: Klassenerhalt

Dreher selbst könnte in ihrem Plan auf dem Parkett eine wichtige Rolle spielen. Gerade nach dem Abgang von Libera Neumann. Diese Position hatte die Trainerin selbst in der Vergangenheit besetzt. Und war immer eine Leistungsträgerin. „Ich werde zunächst in der Zweiten einsteigen“, erklärt sie. Und damit zugleich in die Schnittstelle zwischen erster Mannschaft und Reserve. Und sie wird eben durchaus als spielende Trainerin auch das Regionalliga-Team verstärken - auf dem Weg zum Klassenerhalt. „Es wäre schön, wenn wir dann die Klasse halten können“, erklärt Janine Dreher. Auch für den Nachwuchs.