Schackensleben l Genau drei Monate muss Laura Viktoria Müller warten, bis ihr Sonderbericht zum Spiel des TSV Schackensleben gegen den 1. FC Oebisfelde vor dem Sportgericht verhandelt wird. Am Sonntag, hofft sie, wird alles besser. Doch nach dem Urteil ist die 25-Jährige, die in diesem Spiel bedrängt und beleidigt worden sein soll, fassungslos. Die betroffenen Spieler des TSV Schackensleben sowie der Verein werden freigesprochen. Wie konnte es soweit kommen?

Unrühmliche Szenen nach Spielschluss

Es ist der 9. Spieltag der Bördeliga. Der TSV Schackensleben empfängt am 26. Oktober als Aufsteiger das Spitzenteam aus Oebisfelde. Die Mannschaft von Peter Böse wird ihrer Favoritenrolle gerecht, führt bis zur 89. Minute mit 3:0. Jens-Carl Peter verkürzt kurz vor Schluss auf 1:3 für das Heimteam, das bereits seit knapp einem Monat nicht mehr von Fabian Lenkeit trainiert wird, obwohl er als Trainer auf dem Spielformular vermerkt ist.

In der Nachspielzeit trifft die Schiedsrichterin die Entscheidung, nicht auf Strafstoß für den TSV Schackensleben zu entscheiden. Es folgen wütende Proteste. „Die Spieler kamen auf mich zugestürmt, schrien mich an. Ich habe auch einen Stoß gespürt“, erinnert sich Müller zurück. Genaue Wortlaute hat sie sich nicht merken können. Das wird später nochmal wichtig sein. „Ich stand unter Schock“, gibt sie zu. Den drei diskutierenden Spielern zeigt sie die Gelbe Karte, dann pfeift sie ab. Ihr Assistent, Norman Besig, mit dem sie das ersten Mal ein Gespann bildet, schreitet nicht ein.

Sonderbericht nachträglich verfasst

Die Wulferstedterin ist nach der Partie am Boden zerstört und wird am 31. Oktober von einem Mitglied des Sportgerichts angerufen. Der Sportrichter hätte am Rande einer Veranstaltung mit Verantwortlichen des 1. FC Oebisfelde in einem privaten Gespräch über die Vorfälle gesprochen. Die FCO-Seite soll in diesem Gespräch die Beleidigungen von Schackenslebern gegen Müller bestätigt haben. Auf Grundlage dessen entschließt sich die Schiedsrichterin doch noch einen Sonderbericht zu schreiben.

Am Sonntag, auf den Tag genau drei Monate später, erfolgte in Uhrsleben die Verhandlung und für Müller „ein Schlag ins Gesicht“. Norman Besig, ihr damaliger Assistent, erschien weder zur Verhandlung, noch gab er eine Stellungnahme ab. Wohl aber unterschrieb er das Ordnerbuch, in dem Schiedsrichter Auffälligkeiten wie mangelnden Schutz oder Glasflaschen am Spielfeldrand vermerken. Ohne Eintrag zu den Vorkommnissen und „ohne mein Wissen“, beteuert Müller.

Der 1. FC Oebisfelde wollte in seiner Stellungnahme auch nichts von Beleidigungen oder Diskriminierung wissen, äußerte sich durch FCO-Coach Peter Böse aber nochmal gegenüber der Volksstimme zum Thema: „Natürlich gab es Unruhen auf dem Platz. Aber es kann doch niemand von uns erwarten, dass wir nachvollziehen können, welcher gegnerische Spieler was zu ihr gesagt hat. Den Großteil kenne ich nicht mal. Die Schiedsrichterin in dieser Szene zu unterstützen, ist vorrangig Aufgabe des Assistenten.“

KFV-Präsident kündigt Unterstützung an

Die junge Schiedsrichterin wurde also alleine gelassen. Dem Sportgericht blieb deshalb nichts anderes übrig, als die betroffenen Spieler und den Verein freizusprechen. Norman Besig, der für den SV Eintracht Gröningen pfeift, erhielt für die Nichtaussage ein Ordnungsgeld. KFV-Präsident Egon Genz stellt sich hinter seine Schiedsrichterin und kündigte an, weitere rechtliche Schritte zu prüfen. „Wir können das nicht einfach so hinnehmen. Wir haben keine Schiedsrichter und wenn wir so mit den Leuten umgehen, brauchen wir uns auch nicht zu wundern. Es kann nicht sein, dass Vereine lieber für den beschuldigten Verein den Kopf hinhalten, als die Schiedsrichterin zu unterstützen und die Wahrheit zu sagen. Aber das Thema ist für mich noch nicht abgeschlossen. Wir werden weitere Maßnahmen prüfen und dann sicherlich auch umsetzen.“