Haldensleben l Doch am vergangenen Wochenende wurden über Sachsen-Anhalt hinaus ganz unterschiedliche Regelungen zum Fußball-Spielbetrieb getroffen.

FSA und Kreise fassen gemeinsamen Beschluss

Der Fußballverband Sachsen-Anhalt hat nur einen Tag nach den Beschlüssen der Bundesregierung, den Sport- und Kulturbereich ab 2. November erneut komplett herunterzufahren, reagiert: Beim Stammtisch aller Präsidenten der Kreis- und Stadtfachverbände, bei dem es eigentlich um die Vorbereitung des Verbandstages gehen sollte, stellte Jörg Biehlmeyer, FSA-Vize für Spielwesen, klar, dass bereits am zurückliegenden Wochenende im Landesmaßstab nicht gespielt werden sollte. Die Kreise hatten hier aber die Möglichkeit, individuelle Entscheidungen zu treffen. Dies taten sie aber nicht, sondern haben mehrheitlich entschlossen, den gesamten Spielbetrieb im Land abzusagen.

Die Alternativen hätten schließlich auch nur zu weiterem Ärger geführt: Denn vielerorts hätte zwar gespielt werden können, doch in einigen Kreisen wären ohnehin schon Spiele aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen ausgefallen. Zudem haben auch Kommunen den Sportbetrieb bereits untersagt.

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Die Folge: Ein unübersichtlicher Flickenteppich, der schon jetzt zu einer Wettbewerbsverzerrung geführt hätte. Letztere hätte auch bei Reserve-Teams entstehen können, die im Kreismaßstab noch gespielt hätten, während im Land bereits pausiert worden wäre. Denn mit Sicherheit hätte der eine oder andere Akteur einer ersten Mannschaft in der Zweitvertretung ausgeholfen. So ging es in Sachsen-Anhalt allen Fußballern gleich: Sie sind frühzeitig in die Zwangspause gestartet.

Bei den Trainern der Region kam die vorzeitige Pause nicht immer gut an. „Ich finde es sehr traurig, die Herren- und auch unsere Kindermannschaften sind enttäuscht. Gerne hätten wir dieses Wochenende noch gespielt, nun müssen gerade bei den Herren fünf Spiele nachgeholt werden, das ist eine Hausnummer“, sagt Mathias Volkmann. Bregenstedts Trainer vermutet wie viele seiner Kollegen, dass das Fußballjahr beendet ist. „Ich denke auch, das in diesem Jahr nicht mehr viel passiert. Man wird wohl den Januar schon in die Planung mit reinnehmen, sofern das Wetter mitspielt.“

Horn mit klaren Worten

Wulferstedts Trainer Patrick Horn hat ebenfalls viele offene Fragen: „Mit dieser Entscheidung bleibt es nun abzuwarten, wie es überhaupt weitergeht. Wird es überhaupt möglich sein, im Dezember weiterzuspielen? Werden die Platzverhältnisse dies zulassen? Darüber hinaus werden die Infektionszahlen in der gesamten kalten Jahreszeit sicher nicht besser werden, wird also eine Rückrunde zwischen Februar und April möglich? Die Saison wird damit wieder eine Lotterie, doch das wussten wir alle vorher. Einige Mannschaften hatten sowieso schon Nachholspiele, jetzt kommen noch fünf dazu – wann soll das nachgeholt werden? Ich hoffe, dass die Verantwortlichen jetzt mit Weitblick agieren und die Spielzeit über den Sommer hinaus verlängern. Die ganze Situation ist aber nicht einfach.“

Bei unseren Nachbarn sah es am Wochenende nicht überall so aus. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat beispielsweise nur den Spieltag in der Frauen-Regionalliga sowie den Junioren-Regionalligen abgesagt. Dazu hat der Kreis Emsland den Spielbetrieb vorzeitig eingestellt, während im Rest des Bundeslandes unter strengen Hygienemaßnahmen gespielt wurde und nur einige Partien ausgefallen sind. In Berlin und Brandenburg sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenso Punktspiele unter der Einhaltung der Hygienekonzepte ausgetragen. Nur punktuell soll es zu Absagen gekommen sein.

Landesverbände gehen unterschiedliche Wege

Darüber hinaus hatten sich jedoch die meisten der 21 Landesverbände dazu entschlossen, den zurückliegenden Spieltag, wie in Sachsen-Anhalt, komplett abzusagen. In Bayern soll sogar heute schon entschieden werden, ob es im Anschluss an den bis zum 30. November datierten Lockdown direkt in die Winterpause übergeht. Bereits vor einigen Tagen hatte zudem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entschieden, alle Länderspiele und Lehrgänge seiner U-Nationalmannschaften bis zum Jahresende auszusetzen.

Einen anderen Weg geht Berlin. Für Kinder bis zwölf Jahre gilt in der Hauptstadt das Trainingsverbot nicht - für sie sind weiter Übungseinheiten unter freiem Himmel möglich. In festen Gruppen dürfen die Nachwuchskicker im Freien gemeinsam Sport treiben, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstagabend nach der Sondersitzung des Senats.

Den Verantwortlichen in sämtlichen Landes- und Kreisverbänden steht durch den heute beginnenden Lockdown aber schon die zweite wichtige Herausforderung in diesem Jahr vor der Brust: Nach der Entscheidung über die Fortsetzung der Vorsaison gilt es nun Ideen zu entwickeln, wie das laufende Spieljahr zu Ende geführt werden soll. Denn der Terminkalender war schon ohne die Zwangspause vielerorts voll und eng gestrickt.