Barleben l Der 33-Jährige ist der emotionale Leader in einer sonst ruhigen Mannschaft und deshalb nicht nur wegen seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke unverzichtbar am Anger. Die Coronapause nutzt der gebürtige Wolmirstedter bestmöglich.

Göres erwartet Nachwuchs

Der Countdown läuft im Hause Göres. Am vergangenen Sonntag war der anvisierte Entbindungstermin für das erste Kind. Nils Oliver Göres hat sich fünf Wochen Urlaub genommen, um die ersten Tage voll mitzuerleben und seine Frau Ariane zu unterstützen. Aufgeregt ist er noch nicht. „Aber ich glaube, das ist nur so, weil es als Mann schwer greifbar ist.“ Die Wochenenden seit dem erneuten Lockdown spielten ihm somit ungewollt in die Karten. Das Kinderzimmer ist besuchsfertig und der Garten gepflegt. „In meinem Alter fehlt mir momentan nichts. Man genießt es auch mal. Auf Mannschaftstraining könnte ich vollkommen verzichten, aber der Wettkampf fehlt“, erklärt der Magdeburger. Und fehlende Fitness war ohnehin noch nie ein Problem. „Bei mir auf der Arbeit können wir trainieren, dazu gehe ich laufen. Ich habe meinen Ausgleich“, sagt der Polizist.

Dabei gehörte der Fußball schon früh zum Leben von Nils-Oliver Göres dazu. Bei Messtron Magdeburg jagte er ganz jung dem runden Leder hinterher. „Den Verein gibt es nicht mehr, am gleichen Ort spielt jetzt Roter Stern Sudenburg“, sagt Göres. Die Trennung seiner Eltern und das neue private Glück seiner Mutter verlagerten seinen Lebensmittelpunkt später nach Gehrden. Nach einigen Jahren im Dorfverein suchte Göres als ehrgeiziger Zehner die neue Herausforderung. „Zusammen mit einem Kumpel sind wir nach Dessau gewechselt, spielten zunächst für Anhalt, dann für den SV Dessau“, blickt Göres zurück und berichtet weiter: „Es war eine anstrengende, aber auch schöne Zeit. Mit Zug und Fahrrad ging es mehrmals die Woche zum Training.“

Doch sportlich zahlten sich die Anstrengungen voll aus. Trainer Dieter Hausdörfer erkannte früh das Talent und den Ehrgeiz. Mit 18 Jahren hatte Göres seinen ersten Landesmeistertitel in der Tasche. Auf dem Platz fand er mit Sören Westphal seinen Mentor. „Er war schon eine prägende Figur für mich und hätte es sicherlich gerne gesehen, wenn ich in Dessau in seine Fußstapfen getreten wäre“, sagt Göres. Auch wenn es letztlich nicht dazu kam, haben beide auch heute noch Kontakt zueinander. „Er ist mein Zahnarzt.“

Nach einem Jahr in der Oberliga und dem Abstieg wechselte Göres nach Wolfen und holte 2008 ganz souverän erneut den Landesmeistertitel. Sein Engagement endete trotzdem nach einem Jahr. „Es war vorher klar, dass ich nach Magdeburg zurückgehe. Meine Freundin und jetzige Frau hat zu der Zeit dort studiert, ich hatte meinen Zivildienst in Dessau beendet und wollte zurück“, erklärt der Rechtsfuß.

Unglückliche Zeit bei der FCM-Reserve

Dem privaten Glück stand bei seiner Rückkehr in die Landeshauptstadt aber die erste sportliche Delle gegenüber. Göres teilte bei seinem Wechsel in die FCM-Reserve das Schicksal vieler talentierter Spieler zu dieser Zeit. „Ich bekam wenig Spielzeit, weil viel von oben runterkam. Ich hatte bei meinem Wechsel auch die Hoffnung, mal in die Erste reinschnuppern zu können, doch wir durften nicht mal mittrainieren.“ Der talentierte Kader, unter anderem Tim Girke, Christian Loth, Tobias Tietz, Martin Gebauer, stieg aus der Oberliga ab und Göres flüchtete. „Es sollte nicht sein. Dann kam Hanne (Dirk Hannemann, Anm.d.Red.) und mit ihm habe ich mich schon immer gut verstanden.“ Nach einem neunten Platz in der ersten Saison beim MSV Preussen spielte der Linksaußen mit seiner neuen Mannschaft immer oben mit. Für Landesmeistertitel Nummer drei reichte es trotz guter Stimmung im Team nicht.

Im Sommer 2015 endete das erfolgreiche Kapitel auf unschöne Weise. „Ich würde heute noch bei Preussen spielen, wenn die ganze Thematik mit der Umbenennung und dem Zwangsabstieg nicht gewesen wäre“, ist sich Göres sicher. Doch mit 27, „im besten Fußballeralter“, wie er sagt, war ein Schritt in die Stadtoberliga nicht vorstellbar. Mit dem FSV Barleben fand Göres einen Verein, der höherklassig spielte und der ihm auch in seiner beruflichen Entwicklung keine Steine in den Weg legte. „Barleben hat gut gepasst. Ich kannte Mario (Middendorf, Anm. d. Red.), dazu haben wir einen guten Kompromiss gefunden, was mein Studium und später mein Berufsleben anging“, erklärt er die Beweggründe von damals.

 Seitdem ist Göres, wenn er nicht arbeitsmäßig verhindert ist, gesetzt beim FSV. „Seine Kampfstärke und sein unbändiger Ehrgeiz sind wertvoll für uns. Dazu ist er als Führungspersönlichkeit spürbar gereift“, hebt Trainer Christoph Schindler die Vorzüge seiner Nummer zwölf heraus. Und Göres weiß um seine Aufgabe. „Auf der einen Seite brauche das aggressive Spiel für mich, auf der anderen Seite wird aber auch von mir verlangt, dass ich das auf den Platz bringe, um die jungen Spieler abzuholen.“

Mit seinen Eigenschaften ist der 33-Jährige mittlerweile eine Seltenheit auf dem Platz. „Die neue Generation sieht den Fußball ganz anders, nicht mehr so verbissen“, beobachtet Göres. Dazu steht ihm das Thema Geld zu sehr im Vordergrund. „Wenn man hört, was dort teilweise aufgerufen oder auch bezahlt wird, selbst in unteren Ligen, ist es klar, dass es schwer ist, junge, gute Spieler nach Barleben zu holen. Ich hätte es zu meiner Anfangszeit auch umsonst gemacht, wenn ich dafür Verbandsliga hätte spielen können.“

Doch die Zeiten ändern sich, das weiß auch Göres. Seit dieser Saison plant er nur noch für ein Jahr im Voraus. „Es ist keine Frage des Körpers, da könnte ich bestimmt noch sechs, sieben Jahre spielen, sondern der Vernunft. Ich gucke, wie es mit dem Nachwuchs weitergeht und auch was in Barleben passiert, ob wir konkurrenzfähig bleiben.“ So könnte es durchaus sein, dass im Sommer Schluss ist mit Fußball oder Göres kürzer tritt. Wenn ja, läuft bald der nächste Countdown.