Gröningen l Im Interview mit Volksstimme-Mitarbeiter Maximilian Pefestorff spricht der Trainer des SV Eintracht Gröningen nicht nur über seine Zeit beim 1. FCM oder die Rückkehr in die Heimat, sondern äußert sich auch zu seinen Zukunftsplänen.

Herr Friebertshäuser, wie geht es Ihnen?

Mir geht es persönlich gut, meine Familie und meine Freunde sind auch wohlauf. Ich glaube, das ist derzeit die Hauptsache. Ich hoffe, dass im nächsten Jahr endlich wieder ein bisschen Normalität zurückkehrt.

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Ein turbulentes Sportjahr neigt sich dem Ende entgegen. Wie bewerten Sie für sich persönlich diese Zeit?

Ich glaube, dass ich für viele Menschen spreche. Ich hätte niemals gedacht, dass uns so etwas mal passiert. Corona hat vieles verändert, man musste sich auf zahlreiche Veränderungen im Alltag einstellen. Angefangen von der Arbeit bis zum Hobby. Aus sportlichen Gesichtspunkten war es ein herausforderndes Jahr, da niemand wusste, wann und wie es weitergeht. Die Freude war natürlich groß, als der Trainings- und Wettkampfbetrieb im Sommer wieder möglich war. Wir haben danach zeitnah auch ein Freundschaftsspiel angesetzt. Dass der Fußball nochmalig zum erliegen kommen würde, hätte ich nicht erwartet. Deshalb hoffe ich, dass das Virus bald eingedämmt werden kann, sodass die Freude am Leben zurückkommt.

Für den 1. FC Magdeburg haben Sie in der Jugend in verschiedenen Altersklassen gespielt. Wie ist der FCM auf Sie aufmerksam geworden?

Mein Vater hat mir das Fußball-ABC beim SV Eintracht Gröningen vermittelt. In den insgesamt sechs Jahren haben wir zahlreiche Titel gewonnen. In meinem zweiten Jahr in der D-Jugend bin ich zum Oscherslebener SC in die Landesliga gewechselt. Dieser Schritt war für meine Entwicklung sehr wichtig, da man beim OSC noch ein zusätzliches Stützpunkttraining bekam. Bei einem Turnier mit der Kreisauswahl in Halberstadt sprach mich Frank Gifhorn vom Fußballverband Sachsen-Anhalt an. Er fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, in die Sportschule zu wechseln. Ich habe dann zeitnah den Aufnahmetest absolviert und konnte mir einen der begehrten freien Plätze sichern. Ich war sehr glücklich. Nach der erfolgreichen Aufnahme besuchte uns FCM-Legende Jürgen Pommerenke in Gröningen, um den Wechsel zum FCM-Nachwuchs zu vollziehen. Ich war als elfjähriges Kind sehr stolz, dass ich diese Anfrage erhalten habe.

Später haben Sie beim Club den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und in der Regionalliga Nordost gespielt. Wie schwer ist der Sprung vom Nachwuchs in den Profibereich?

Rückblickend war besonders das erste halbe Jahr im Profibereich sehr schwierig. Die damalige Regionalliga-Mannschaft der Saison 2006/2007 war sehr gestanden. Im Nachwuchsbereich hatte ich immer gespielt, nun musste ich mich aber beweisen. Mir fiel die Umstellung schwer, auch vom Kopf her. Wenn ich ehrlich bin, war ich damals auch ein kleiner Pflegefall, der auch andere Sachen im Kopf hatte. In der Winterpause gelang mir dann aber der Durchbruch, sodass ich in der Rückrunde gleich sieben Einsätze verbuchen durfte. Schade, dass wir den Aufstieg in die 2. Bundesliga nach dem Remis gegen den FC St. Pauli knapp verpasst hatten. Das wäre ein absolutes Karrierehighlight gewesen. Dennoch habe ich in dieser Zeit, besonders auch von Frank Gerster, viel mitnehmen können für meine spätere Laufbahn.

Erzählen Sie uns eine lustige Anekdote aus Ihrer Zeit beim 1. FC Magdeburg.

Spontan fällt mir dazu ein Erlebnis im Trainingslager in der Türkei ein. Nach den intensiven Einheit haben wir uns in den Abendstunden auch mal ein Bier gegönnt. Ein Abend verlief damals etwas länger. Unser Biervorrat war alle und so machten wir uns nochmal auf den Weg, um Nachschub zu holen. Das Hotel hatte in „einem der zwei Türme“ eine Bar. Nachdem der Vorrat erneut leer war, haben wir uns nochmal auf den Weg zur Bar gemacht. Blöderweise haben wir dann den falschen Fahrstuhl benutzt und standen beim Trainer im Zimmer mit einer leeren Biertrommel, obwohl längst Zapfenstreich war. Glücklicherweise war Dirk Heyne (damaliger FCM-Trainer Anm. Redaktion) nicht nur fachlich ein sehr guter Trainer, sondern auch menschlich. Er hat gelacht und damit auch die Situation entschärft.

Nach weiteren Stationen bei höherklassigen Vereinen, wie dem VfL Halle, dem VfB Germania Halberstadt und Askania Bernburg, sind Sie zu Ihrem Heimatverein Eintracht Gröningen in die Bördeliga zurückgekehrt. Wie kam es zu dieser Entscheidung? War es rückblickend der richtige Entschluss?

Um es vorweg zu nehmen, es war die absolut richtige Entscheidung. Sicher gibt es einige Fachleute, die anderes behaupten, doch der SV Eintracht Gröningen ist meine Heimat. Nachdem der Entschluss feststand, dass ich den damaligen Oberligisten Askania Bernburg verlassen werde, wollte ich zunächst mit dem Fußball pausieren. Als mich dann aber die Verantwortlichen der Eintracht fragten, ob ich die junge Mannschaft nicht als Trainer begleiten könnte, musste ich nicht lange überlegen und habe dann als Spielertrainer zugesagt. Gröningen ist meine Heimat, dort hat meine Laufbahn als Fußballer begonnen und der Sportplatz ist auch in der Nähe meines Grundstückes. Das waren für mich die ausschlaggebenden Argumente, wieder zurück zukommen.

Sie haben wie oben beschrieben mit der Rückkehr nach Gröningen auch die Seiten gewechselt und sind Trainer geworden. Würden Sie sagen, dass ein guter Spieler auch ein guter Trainer ist?

Ich denke, dass es nicht darauf ankommt, wie gut man in seiner aktiven Zeit gespielt hat. Dafür gibt es auch genügend Beispiele im bezahlten Fußball. Schlussendlich merken die Spieler, ob man seiner Tätigkeit mit Leidenschaft nachgeht.

Mit dem SV Eintracht Gröningen stehen Sie nach sieben Saisonspielen auf dem dritten Platz in der Bördeoberliga. Kann die Eintracht bis zum Schluss oben mitspielen?

Die Mannschaft ist gut in die Saison gestartet und mit etwas mehr Glück hätten wir auch den ein oder anderen Punkt mehr auf der Habenseite. Aktuell kann man noch nicht sicher sagen, wie es in der Bördeoberliga weitergeht. Ich weiß nur, dass wir bereit sein werden, wenn es wieder los gehen sollte. Ich traue meiner Mannschaft zu, dass sie in der Spitzengruppe der Liga bleibt.

Kürzlich hat der KFV Fußball Börde seinen ersten Online-Staffeltag abgehalten. Waren Sie selbst mit dabei?

Ich war persönlich nicht dabei, habe mich aber mit unseren Vereinsverantwortlichen über die Sitzung ausgetauscht. Ich denke, es sind ein paar gute Ansatzpunkte dabei.

Eine Play-Off-Runde wurde als einer dieser möglichen Ansatzpunkte genannt. Welches Szenario halten Sie für die Fortsetzung der Saison für realistisch?

Um ehrlich zu sein, liegt es nicht in unserer Hand. Niemand weiß aktuell, wann und wie es weitergeht. Wenn wir vor März nicht mit dem Spielbetrieb beginnen können, sollte man über die Play-Off-Runde nachdenken. Schöner wäre es aber, wenn wir die Saison regulär beenden könnten.

Die Wettkampfpause ermöglicht ihnen ein persönlich größeres Zeitfenster. Wie schwer fällt es regulär Arbeit, Familie und Hobby unter einen Hut bekommen?

Ich kann mich an dieser Stelle natürlich nur bei meiner Frau Mandy bedanken, die mein Fels in der Brandung ist und mir den Rücken freihält. Nicht unerwähnt möchte ich auch meine Eltern lassen, die in der Nähe wohnen und unsere Zwillinge gerne nehmen und liebevoll betreuen.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Welche Schlagzeile würden Sie in den nächsten fünf Jahren gerne über sich lesen?

Schön wäre es, wenn eine Schlagzeile lauten würden: „Aufstieg - Die Eintracht spielt wieder auf Landesebene“. Das würde ich meiner Mannschaft auch wünschen. Die Jungs kommen nahezu alle aus dem Verein und haben sich in den vergangenen Jahren positiv weiterentwickelt. Persönlich würde ich als Trainer auch gerne in einer höheren Liga arbeiten. Ich möchte dem Fußball wieder mehr verbunden sein. Wenn man an der Seitenlinie steht, merkt man, wie schön die Zeit als aktiver Fußballer war und ich hoffe, dass ich eine ähnliche Zeit auch als Trainer mitmachen darf.